Zechpreller & Co. auf die Blacklist

Jetzt bewerten Hoteliers ihre Gäste!

Während sich die Deutschen noch zurückhalten, können Hoteliers in Spanien, Großbritannien und den USA ihre Gäste online bewerten, wie „Zeit.de“ berichtet. Wenn sich jeder Reisende im Netz über sein Hotel informieren kann, warum dann nicht auch umgekehrt? TRAVELBOOK hat nachgefragt, welche Vor- und Nachteile solche Portale bergen, und ob das sensible Thema Datenschutz dabei ein Hindernis ist.

Nicola Otto Von Nicola Otto

Eine verwüstete Luxussuite, ein kaputter Fernseher und zerrupfte Federkissen: Die ersten Eindrücke der Zimmermädchen sind manchmal erschreckend. Warum sollten in Zeiten der alltäglichen Web-Bewertung für Urlaubsportale, Online-Shopping und Lieferdienste nicht auch Hoteliers ihre Gäste abchecken, bevor sie einchecken?

Zumal nicht nur Gäste, die nicht zahlen, den Hotels schaden, sondern auch jegliche Art von Beschwerden unkontrolliert im Netz erscheinen und den Ruf des Hotels schädigen können. 2010 gingen in Großbritannien und den USA zwei Portale online, die Namen von unliebsamen Gästen sammeln: Guestchecker.com bietet amerikanischen Hotelbesitzern eine kostenlose Teilnahme am Kommunikationsnetzwerk. Für einen Preis von mindestens 48 Pfund (rund 58 Euro) kann man sich in Großbritannien dem Portal Guestscan.de anschließen. Letztere werben mit deutlichen Fakten, die für eine solche Art der Bewertung sprechen: 80 Prozent der Gäste nähmen Erinnerungsstücke aus den Zimmern mit, und 336.000 Betten seien in britischen Hotels schon zerstört worden.

Die besten Hotels in Großbritannien finden Sie hier

zornige smileys für böse gäste

Dagegen wehrt sich nun auch ein Portal in Spanien, wie „Zeit.de“ berichtet. Elitebook.es lässt genervte Hoteliers mit einem jährlichen Beitrag ab 25 Euro Teil einer Online-Community sein, die Informationen über ihre Gäste sammeln und teilen wollen. Fünf verschiedene Smileys – von verärgert über neutral bis zufrieden – füllen zunehmend die Datenbank. Ziel sei es, so heißt es auf der Elitebook-Seite, sich vor „Diebstahl, Verwüstung und unverhältnismäßige Kritik im Internet“ zu schützen.

Die Bewertung der Gäste erfolgt mit Smileys: Zusätzlich können Bemerkungen angeklickt werden wie zum Beispiel: „Hat im Zimmer geraucht“

Foto: elitebook.es

Für die Gäste haben solche Portale ebenfalls Vorteile, wenn auch indirekt. Denn wer seine Kundschaft gezielt auswählen kann, muss nicht mit Störenfrieden rechnen. Angenehme Hotelnachbarn zählen schließlich auch zum Komfort eines Aufenthalts dazu.

Die Top-Hotels in Spanien auf einen Blick mit einem Klick

Reicht das kleingedruckte?

Natürlich werden von den genannten Netzwerken im Ausland nur Gäste bewertet, die vorher zugestimmt haben und den entsprechenden Einzelabschnitt ihres Anmeldeformulars – meist ohne genaue Kenntnis dessen, was da steht – beim Einchecken unterschrieben haben.  Außerdem sind die Plattformen nur für registrierte User zugänglich. Eine für jedermann sichtbare Blacklist gibt es nicht.

Ist so etwas auch in Deutschland denkbar?

Grundsätzlich nicht! Auf TRAVELBOOK-Anfrage erklärt Tobias Wernecke vom Hotelverband Deutschland (IHA) e.V., es gebe zwar bereits hausinterne schwarze Listen, die vor Gästen mit Hausverbot warnen, diese würden allerdings keinesfalls an andere Unternehmen weitervermittelt. In Deutschland gebe es laut Wernecke kein Portal, dass so großen Anklang findet: „Es hat in der deutschen Hotellerie noch keine großen Wellen geschlagen“, sagt er und „findet das Ganze grundsätzlich schwierig“. Hoteliers könnten sich allerdings bei etablierten Reise-Bewertungsportalen die Kommentarfunktion zunutze machen und auf Gäste-Kritik reagieren.

Lesen Sie hier mehr darüber, was Deutsche laut einer Tripadvisor-Umfrage alles mitgehen lassen.

Timo Behrend aus der IHA-Rechtsabteilung klärte TRAVELBOOK.de zudem über das Bundesdatenschutzgesetz auf: Laut § 4a muss die Einwilligung, in solch einem Portal genannt und erfasst zu werden, besonders hervorgehoben und ohne weitere Einwilligungen erfragt werden. Denkbar wäre in Deutschland ein einzelnes Blatt Papier, das handschriftlich unterschrieben werden muss. Online oder mit eingescannten Unterschriften sowie Kürzeln könnten Daten also keinesfalls rechtmäßig weitergegeben werden. Der Trick mit dem Kleingedruckten bei der Anmeldung ist in Deutschland somit undenkbar.

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