Abfallentsorgung auf See

Was passiert mit Müll auf Kreuzfahrtschiffen?

Auch wenn Kreuzfahrtreisen immer beliebter werden – in puncto Nachhaltigkeit weisen viele Schiffe noch Defizite auf. Zum einen geht von ihnen aufgrund des verwendeten Schweröls eine starke Umweltbelastung aus, und zum anderen entsteht auf den Schiffen selbst viel Müll, der entsorgt werden muss. Schließlich werden damit Tausende Passagiere befördert. Doch was passiert mit dem ganzen Müll, der auf so einem Ozeanriesen produziert wird?

Viele Reedereien haben mittlerweile erkannt, dass das Thema Nachhaltigkeit für die Passagiere immer wichtiger wird – und reagieren darauf, wenn auch vergleichsweise träge, etwa bei der Abgasreinigung. 

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Müll wird auf dem Schiff getrennt

Bei der Müllentsorgung sieht es schon besser aus. Moderne Kreuzfahrtschiffe verfügen über Müll- und Entsorgungsanlagen sowie Kläranlagen für Abwässer. Der Müll wird auf dem Schiff getrennt und gesammelt, um ihn dann beim nächsten Landgang zu entsorgen. „Wir trennen alle Materialien“, so Royal-Caribbean-Sprecher Peter Ulf Geisler zu TRAVELBOOK. „Glas wird zerkleinert, Dosen, Papier und Pappe werden gepresst, zu Ballen gebunden und an Land abgegeben.“

An Land werde der Müll dann an fachkundige Entsorgungsunternehmen weitergegeben, wie Tui-Cruises-Sprecherin Friederike Grönemeyer ergänzt: „Aufgrund von Hygienevorschriften sowie begrenzten Lagerkapazitäten an Bord verbrennen wir auch Abfälle direkt in der schiffseigenen Müllverbrennungsanlage an Bord.“ Die Energie wird in Teilen an anderen Stellen wieder dem Schiffskreislauf zugeführt.

Kläranlagen und Abgasreduktion

An Bord vieler Kreuzfahrtschiffe gibt es einen Umweltoffizier, der für fachgerechte Müllentsorgung und Einhaltung selbst gesetzter Standards sorgt

Foto: Getty Images

Moderne Anlagen sorgen zudem dafür, dass sämtliche anfallenden Abwässern geklärt und wieder aufbereitet werden. „Wir haben eine biologische Kläranlage an Bord unserer Schiffe“, so Geisler. „Mithilfe von Mikroorganismen werden die organischen Stoffe des Abwassers abgebaut.“ Sondermüll wie medizinische Abfälle, aber auch Batterien oder Farbreste werden zudem mit besonderer Vorsicht behandelt und in speziellen Behältern an die Entsorger übergeben, so Grönemeyer zu TRAVELBOOK.

Besser ist es natürlich, wenn Müll vermieden werden kann. Durch den Einsatz von Seifenspendern für Duschgel und Shampoo etwa fielen auf den TUI-Schiffen heute über 500.000 Fläschchen an Plastikmüll weg, auch spare der Verzicht auf Minibars in den Zimmern 0,33 Tonnen Treibstoff pro Tag.  

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Umweltoffizier soll Einhaltung von Standards gewährleisten

Zudem beschäftigen Royal Caribbean und Tui Cruises Unternehmen einen sogenannten Umweltoffizier, welcher für die Abfallentsorgung und die Einhaltung der selbst gesetzten Standards sorgt. Dieser entspricht in vielen Punkten nicht denen, welche Umweltorganisationen verlangen, aber da Passagiere zunehmend ein größeres Bewusstsein für Nachhaltigkeitsthemen entwickeln, versuchen nun auch die Reedereien, entsprechend umzudenken.

Royal Caribbean ist bereits 1992 eine Partnerschaft mit dem Umweltschutzverband WWF eingegangen und verpflichtet sich im Rahmen des Programmes „Save the Waves“ beispielsweise einer Reduktion der Treibhausgase von 35 Prozent bis zum Jahr 2020.

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Neue Antriebssysteme sollen Umweltbelastung reduzieren

Um die Luftverschmutzung durch die Schiffe und deren CO2-Ausstoß zu verringern, kommen laut Tui-Cruises-Sprecherin Grönemeyer Abgasnachbehandlungssysteme zum Einsatz: „Das System aus Abgaswäscher und Katalysator senkt Schwefelemissionen um circa 99 Prozent, Stickoxid-Emissionen um rund 75 Prozent sowie den Partikelausstoß um bis zu 60 Prozent.“ Alternativ wird über die Entwicklung von neuen Antriebssystemen nachgedacht, wie Geisler sagt: „Mit dem Einsatz von Flüssiggas wird kein Feinstaub oder Schwefeloxid mehr entstehen, Stickoxid wird um 80 Prozent und Kohlendioxid um 30 Prozent reduziert.“ Royal Caribbean plane, dieses Antriebssystem künftig einzusetzen.

Allerdings gibt es noch viel zu tun: Im Kreuzfahrtranking 2016 des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) schnitten fast alle untersuchten Schiffe schlecht ab. „Lediglich elf Schiffe gehen über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus, um die Belastung von Mensch und Umwelt zu reduzieren“, heißt es bei NABU. „Am besten schnitt – wenn auch mit deutlichen Abstrichen – die AIDAprima ab, gefolgt von Hapag-Lloyds „Europa 2“ und den neuesten Schiffen von TUI Cruises, mein Schiff 3, 4 und 5.

Kritisiert wird, dass die Reedereien zwar viel versprechen würden, in der Praxis jedoch „kaum etwas Substantielles“ ankäme.

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