Aus Sicherheitsgründen

Airline schickt Passagiere auf die Waage

Erst zum Check-in, anschließend auf die Waage und erst dann darf man bei Uzbekistan Airways in den Flieger. Diese Bestimmungen dienen angeblich der allgemeinen Flugsicherheit. Aber muss man sich das als Passagier gefallen lassen?

Von Julika Frontzeck

Als wären die Flughafenbesuche nicht schon anstrengend genug. Ewige Schlangen am Check-in-Schalter, Dutzende Sicherheitskontrollen, und dann muss man meist auch noch zum Gate hetzen. Nun sollen sich die Passagiere bei der asiatischen Fluggesellschaft Uzbekistan Airways auch noch zwischen Check-in und Flugantritt auf die Waage stellen. Normalgewichtige werden damit wohl wenig Probleme haben, aber was ist mit all denen, die ganz offensichtlich ein paar Pfunde zu viel mit sich rumtragen? Und es gibt durchaus Menschen, die halten das eigene Gewicht gar für etwas Intimes.

Und warum das Ganze?

Die Maßnahme diene einzig und allein der Sicherheit, heißt es in einer Mitteilung der Airline vom 7. August, die mittlerweile jedoch von der Seite gelöscht wurde. Mit dem Wiegen vor dem Abflug solle das Durchschnittsgewicht der Passagiere mit Handgepäck berechnet werden, ist darin zu lesen. Die Daten würden anonymisiert erhoben. Und weiter: „Nach Vorgaben der IATA sind Airlines dazu verpflichtet, vor dem Flug das Gewicht von Passagieren und ihrem Handgepäck zu ermitteln, um somit Maßnahmen zu identifizieren, welche die Flugsicherheit gewährleisten.“

Doch die IATA (zu Deutsch: Internationale Luftverkehrsvereinigung) weiß davon nichts: „Uns ist keine IATA-Vorschrift bekannt, die beinhaltet, dass Passagiere mit Handgepäck vor Flugantritt gewogen werden müssen“, heißt es auf TRAVELBOOK-Nachfrage.

Denn üblich ist eigentlich, dass Fluggesellschaften vorgegebene Standardwerte verwenden – und nicht, dass sie Durchschnittswerte selbst ermitteln.

Eine Maschine von Uzbekistan Airways

Foto: dpa picture alliance

Muss man sich das gefallen lassen?

„Es gibt kein spezielles Gesetz, das es den Fluggesellschaften erlaubt oder eben verbietet, das Gewicht von seinen Passagieren zu erfassen“, sagt André Schulze-Wethmar, Jurist beim Europäischen Verbraucherschutz e.V., zu TRAVELBOOK. „Es kommt darauf an, ob die Passagiere bei der Buchung darauf hingewiesen werden, dass sie vor Abflug gewogen werden oder dass die Höhe des Flugpreises von dem Gewicht abhängt. Schließen die Passagiere die Buchung ab, erklären sie in der Regel ihr Einverständnis damit. Gerichte können solche Regelungen allerdings prüfen und für unzulässig erklären, beispielsweise wenn sie die  Passagiere unangemessen benachteiligen.“ 

Im Fall der usbekischen Airline sei bei der Buchung über keine Gewichtsfeststellung informiert worden, wie der Sprecher der Fluglinie am Telefon einräumt. Allerdings sei das Wiegen nur temporär, und europäische Flughäfen seien gar nicht betroffen, sondern lediglich der usbekische Heimatflughafen Taschkent. Zudem gehe es beim Wiegen auch nicht darum, einen Preisaufschlag für übergewichtige Passagiere zu berechnen. Dies ist seit 2013 bei Samoa Air der Fall: Passagiere müssen bei der Buchung ihr Gewicht angeben, in Kombination mit dem Gepäck wird dann der Preis ermittelt.

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