Kunden bleiben oft auf Kosten sitzen

Die Abzocke mit den Flugstornierungen

Viele Fluglinien bieten Light-Tarife an, bei denen sich das Ticket nicht stornieren lässt. Laut einem Urteil des Landgerichts Frankfurt ist diese Praxis jedoch zweifelhaft. Dennoch sehen sich die Airlines weiter im Recht. Was Kunden tun können, um nicht auf ihren Kosten sitzen zu bleiben.

Es gibt immer wieder gute Gründe, einen gebuchten Flug nicht anzutreten, weil Unvorhergesehenes dazwischenkommt. Wer dann seinen Flug storniert, bleibt jedoch oft auf den Kosten für das Ticket sitzen.

Dabei müssen die Airlines zumindest Steuern und Gebühren erstatten – oft sogar 95 Prozent der gesamten Flugkosten. Doch die Fluglinien wimmeln die Kunden ab und lassen es auf eine Klage ankommen. Warum das so ist, und was Verbraucher tun können:

So sieht die Rechtslage aus

Ein wegweisendes Urteil des Landgerichts Frankfurt von 2014 (Az.: 2-24 S 152/13) hat die Rechte von Fluggästen deutlich gestärkt. Demnach muss eine Airline bei einer Stornierung den vollen Flugpreis abzüglich einer Pauschale von fünf Prozent zurückzahlen, sofern sie nicht nachweist, ob und welche Erlöse sie durch den Wiederverkauf des Tickets erzielen konnte.

Wie in der Praxis damit umgegangen wird

Trotz dieses Urteils kann der Fluggast bei einer Stornierung nicht auf die Rückerstattung des Flugpreises hoffen. Oft bekommt er nicht einmal Steuern und Gebühren zurück, die ihm auf jeden Fall zustehen, bemängeln Verbraucherschützer. „Das ist eigentlich eine Unverschämtheit“, findet Sabine Fischer-Volk, Juristin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Doch das ist nicht alles: Viele Airlines bieten sogenannte Light-Tarife an, die günstiger sind als ein reguläres Ticket. Dafür ist die Stornierung gleich kategorisch ausgeschlossen. So ist es zum Beispiel bei Lufthansa, Air Berlin und  Condor. Die Praxis der Fluggesellschaften steht hier offensichtlich in direktem Widerspruch zum Urteil des Landgerichts Frankfurt.

So argumentieren Verbraucherschutz und Airlines

Verbraucherschützer: Sie berufen sich auf Paragraf 649 des Bürgerlichen Gesetzbuches, Werkvertragsrecht. Darin heißt es: Der Besteller kann bis zur Vollendung des Werkes jederzeit den Vertrag kündigen. „Die Luftbeförderung ist ein typischer Werkvertrag“, sagt Sabine Fischer-Volk. Das heißt: Der Fluggast kann vor Reisebeginn kündigen. Die Airline muss dann abrechnen und darf vom gezahlten Flugpreis nur das abziehen und behalten, was sie aufgrund der Stornierung an Aufwendungen hatte.

Fluglinien: Sie berufen sich auf das AGB-Recht. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen schließen sie bei einer Stornierung die Erstattung von Kosten abgesehen von Steuern und Gebühren aus. Das Urteil des Landgerichts Frankfurt erkennen viele Airlines nicht an. So teilt etwa Air Berlin auf Anfrage mit: „Sofern die Tarifbedingungen der Fluggesellschaft dies abweichend regeln, ist die Fluggesellschaft ohne weiteres berechtigt, nicht-stornierbare Tarife anzubieten.“ Ähnlich argumentiert auch die Lufthansa.

WER HAT RECHT?

Das wird derzeit noch im Einzelfall entschieden. Vor Gericht dreht sich viel um die Frage, ob und wie eine Airline das einzelne stornierte Ticket des Kunden weiterverkaufen konnte, berichtet der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Er vertritt Fluggäste vor Gericht und sagt: „Die Erfolgsquote ist sehr hoch.“ In der überwiegenden Anzahl der Fälle bekämen die Kläger Recht. Lufthansa-Sprecher Boris Ogursky widerspricht dem. Die wenigsten Fluggäste gehen vor Gericht, weil sie hohe Kosten fürchten – die Fluggesellschaften wissen das und blocken ab.

Was können Kunden tun?

Zunächst einmal können Kunden sich persönlich an die Airline wenden und ihr Recht einfordern. Die Verbraucherzentrale Brandenburg bietet dafür einen Musterbrief an. Wenn das nichts bringt, können Fluggäste Unternehmen wie Claim Flights, Refund.me, Flightright oder Fairplane einschalten, die Streitfälle für den Kunden ausfechten. Bei Erfolg kassieren sie natürlich eine Provision. Darüber hinaus bleibt nur die Klage vor Gericht.

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