Experten erklären

Darum hat nicht jeder Fensterplatz im Flieger ein Fenster

Dass Sitzreihen am Notausgang oft kein Fenster haben, ist bekannt und leicht nachvollziehbar. Es gibt aber auch Passagierflugzeuge, in denen auch „normale“ Sitzreihen fensterlos sind. TRAVELBOOK hat bei Experten nachgefragt, warum das so ist.

Im Flieger-Forum airliners.de beschäftigt das Thema zahlreiche User: Rege wird dort diskutiert, in welchen Passagierflugzeugen es fensterlose Plätze gibt und wo diese sich befinden. Auch tauschen sich die User darüber aus, worin genau der Grund hierfür liegt. Die meisten vermuten technische Gegebenheiten als Ursache, etwa weil zwischen der Außenhülle des Flugzeugs und der Kabinenverkleidung bestimmte Leitungen verlaufen. Aber stimmt das? TRAVELBOOK wollte es genau wissen und hat bei Fachleuten nachgefragt, warum manche Reihen im Flieger kein Fenster haben.

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Bereich, wo einzelne Segmente des Rumpfes aufeinandertreffen

„Fensterplätze ohne Fenster gibt es bei zahlreichen Flugzeugen, bei der A321 und A340-600 von Airbus ebenso wie bei der Boeing 737-800 und sogar beim Dreamliner, der Boeing 787“, sagt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt zu TRAVELBOOK. Die Ursache liege in der Konstruktion des Flugzeugs. „In der Regel ist dies ein Bereich, in dem einzelne Segmente des Rumpfes aufeinandertreffen. (Guck-)Löcher in der Außenhaut würden hier die Festigkeit des Rumpfes schwächen. Durch eine geschickte Planung der Kabine ist es bei vielen Flugzeugen möglich, an dieser Stelle Bordküchen, Toiletten oder eine Garderobe zu setzen, sodass die Fluggäste nicht betroffen sind.“ Das sei aber nicht immer möglich, ergänzt der Luftfahrtexperte.

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Wer bei Lufthansa ein Fensterplatz wünscht, kriegt ein Fenster

Florian Seidel von Airbus Germany bestätigt diese Aussagen auf TRAVELBOOK-Anfrage und ergänzt: „Das sind notwendige Strukturverstärkungen, die hauptsächlich in der Umgebung von Notausgangstüren über dem Flügel stattfinden, die ein Fenster verhindern.“

Eine Sprecherin der Lufthansa versichert TRAVELBOOK, dass es bei ihnen auf Langstreckenflügen keine Plätze neben einer Wand ohne Fenster gebe. Vorkommen könne dies allerdings auf der Kurzstrecke. „Dabei handelt es sich um bestimmte Flugzeuge der A320-Flotte mit 180 Plätzen. Dort haben die Sitzplätze in der letzten Reihe (32A und 32F) kein Fenster.“ Ein Fluggast, der bei der Sitzplatzauswahl „Fensterplatz“ als Wunsch angebe, bekomme diese Sitze jedoch nicht angeboten. „Zudem werden bei Flügen mit dieser Sitzplatzkonfiguration die letzten drei Sitzreihen systemseitig geblockt, solange noch andere Plätze verfügbar sind.“

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Motorteile sollen nicht eindringen

Eine weitere Erklärung für fehlende Flugzeugfenster liefert ein Bericht der „USA Today“. Demnach gebe es eine Richtlinie, welche das unwahrscheinliche Risiko von eindringenden Motorteilen nach einem schweren Motorschaden regelt. Sollten diese nämlich in die Verkleidung des Flugzeugs eindringen, soll sichergestellt werden, dass Fenster nicht durchbohrt werden und eine Dekompression drohen könnte. Laut Florian Seidel von Airbus Germany betrifft dies aber nur sogenannte Turboprop-Flugzeuge mit „offenem“ Propeller. „Flugzeuge mit Jettriebwerken, zu denen Airbus und Boeing zählen, haben eingebaute Mechanismen, die einen solchen Austritt verhindern“, erklärt der Experte.

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Um ganz sicherzugehen, dass man keinen fensterlosen Platz bucht, empfiehlt Heinrich Großbongardt, sich auf Seiten wie seatguru.com zu informieren. „Hier findet man das genaue Kabinenlayout, in dem auch die Sitze gekennzeichnet sind, auf denen man nur die Wand anstarren kann.“

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