Zigaretten schon seit Jahren nicht mehr erlaubt

Warum es immer noch Rauchverbotszeichen im Flieger gibt

In diesem Jahr feiern die USA ein besonderes Jubiläum: Seit nunmehr 25 Jahren darf in den Staaten in Flugzeugen nicht mehr geraucht werden. Die Airlines anderer Länder zogen seither mit dem Rauchverbot nach, und inzwischen darf schon seit Jahren weltweit in kaum noch einem Passagierflugzeug gequalmt werden. Dennoch leuchtet immer noch in fast jedem Flieger das Rauchverbotszeichen über den Köpfen der Fluggäste, und auch Aschenbecher gibt es noch. Warum eigentlich?

Angelika Pickard Von Angelika Pickardt

In aller Seelenruhe steckt sich ein Passagier während eines Fluges von Deutschland in die USA eine Zigarette an. Sein Hintermann tut es ihm gleich – und schon bald wabert Rauch durch die Flugzeugkabine. Solche Szenen waren noch bis in die 90er-Jahre hinein auf Flügen völlig normal, selbst wenn Kinder an Bord waren. Heutzutage wäre das völlig undenkbar. Längst gilt auf nahezu allen nationalen und internationalen Strecken ein generelles Rauchverbot, und das bei fast allen Airlines. Nachdem die USA bereits 1990 ein Gesetz erließen, welches auf allen Inlandsflügen von weniger als sechs Stunden Dauer das Rauchen verbot, sind immer mehr Fluggesellschaften nachgezogen.

Eine Familie auf einem Flug im Jahr 1955. Völlig selbstverständlich raucht der Vater neben seinem Kind.

Foto: Getty Images

Bei der Lufthansa etwa sind seit 1998 weltweit alle Flüge rauchfrei. 1999 war bereits bei mehr als 50 internationalen Fluggesellschaften das Rauchen gänzlich verboten. Anfang 2000 trat das Rauchverbot in US-Maschinen dann auch auf Langstreckenflügen offiziell in Kraft. Zwischen 15 und 25 Jahren ist der Zigarettenqualm also nun schon aus den meisten Passagierflugzeugen dieser Welt verbannt, und inzwischen dürfte jeder verinnerlicht haben, dass das Rauchen in der Kabine tabu ist. Dennoch hat sich bis heute ein Relikt aus den Anfängen des Rauchverbots beharrlich gehalten: das durchgehend leuchtende Symbol einer durchgestrichenen Zigarette, unübersehbar über jeder Sitzreihe platziert, direkt neben dem Anschnallzeichen.

TRAVELBOOK fragte bei verschiedenen Airlines nach, warum auch nach so langer Zeit noch explizit auf das Rauchverbot im Flieger hingewiesen wird.

Robin Kiely, Pressesprecher bei Ryanair, erklärt dazu: „Diese Zeichen sind Teil von Ryanairs generellen Spezifikationen für Flugzeuge. Sie bleiben als fortwährender Verweis auf Ryanairs ‘No Smoking‘-Grundsatz bestehen.“ Bei Condor beruft man sich dagegen auf allgemeine gesetzliche Vorschriften für die Rauchverbotszeichen an Bord: „In den Waschräumen und neben den Anschnallzeichen sind die deutschen Airlines verpflichtet, auf das Rauchverbot hinzuweisen“, erklärt Condor-Sprecherin Carolin Welsch.

Bei der Lufthansa verweist man ebenfalls auf gesetzliche Regelungen, erlassen von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) und der Federal Aviation Administration (FAA), der Bundesluftfahrtbehörde der Vereinigten Staaten. Eine Sprecherin vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) bestätigt TRAVELBOOK: „Die Vorschrift für die Rauchverbot-Kennzeichnung stammt aus den Bauvorschriften für große Flugzeuge, die die EASA erlässt.“ Konkret heißt es dazu in der EASA-Vorschrift aus dem Jahr 2003:

„Wenn das Rauchen an Bord verboten ist, muss es mindestens ein Hinweisschild dafür geben, das für jeden Passagier in der Kabine lesbar ist. (...) Signale, die auf das Rauchverbot hinweisen, müssen so installiert sein, dass sie vom Pilotensitz aus bedient werden können und in beleuchtetem Zustand unter allen möglichen Lichtverhältnissen in der Kabine von jeder Person an Bord gelesen werden können.“

Eine gleich lautende Vorschrift findet man auch auf den Seiten der FAA. Ergänzend dazu heißt es: „Die Zeichen müssen auf Nichtraucherflügen während des gesamten Fluges leuchten.“ Konkret bedeutet das: Die Airlines entscheiden zwar selbst, ob das Rauchen an Bord ihrer Maschinen erlaubt ist oder nicht; unabhängig davon müssen aber laut Vorschrift in allen größeren Passagierflugzeugen die beleuchtbaren Rauchverbotszeichen vorhanden sein.

Allerdings soll es dennoch schon einige neuere Maschinen geben, in denen das Rauchverbotszeichen über dem Sitz durch ein Symbol für den Gebrauch elektronischer Geräte an Bord ersetzt wurde. „Ich habe das auf einem Flug mit einer A320-Maschine schon gesehen“, schreibt etwa ein User des digitalen Auskunftsdienst Quora zu dem Thema, das offenbar viele beschäftigt.

Aschenbecher trotz Rauchverbots

Den Regularien von EASA und FAA zufolge muss darüber hinaus in den Waschräumen ein Rauchmelder vorhanden sein sowie ein Schild, welches auf das Rauchverbot hinweist. Zudem muss jeder Waschraum über einen Aschenbecher verfügen. Wie passt das zusammen? Die überraschende Antwort: „Der Einbau von Aschenbechern in den vom Kabinenpersonal nicht einsehbaren Teilen der Kabine hat auch einen Sicherheitsaspekt, da es trotz bestehendem Rauchverbot nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden kann, dass sich Passagiere eine Zigarette anzünden“, erklärt Vera Moosmayer vom Bundesverkehrsministerium in Berlin. Derart uneinsichtige Fluggäste sollen so zumindest die Möglichkeit haben, den Glimmstengel ordentlich zu entsorgen. Werden die Kippen stattdessen mit Papiertüchern gelöscht oder einfach in die Spüle oder die Toilette geworfen, kann das gefährliche Konsequenzen für alle Passagiere haben.

Aschenbecher in den Armlehnen sind nicht vorgeschrieben, in älteren Maschinen aber oftmals noch vorhanden

Foto: Getty Images

Eingeführt wurde die Vorschrift kurz nach einem tödlichen Flugzeugunglück im Jahr 1973: Damals hatte ein Fluggast seine noch brennende Zigarette auf der Toilette vermutlich in den Mülleimer geworfen, woraufhin dessen Inhalt Feuer fing und der Rauch bis ins Cockpit zog. 123 der 134 Passagiere und Crew-Mitglieder kamen bei dem Vorfall ums Leben.

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