Flightsharing-Portal „Wingly“ in Deutschland gestartet

Wie sicher ist das Reisen per Mitfluggelegenheit?

Warum zum Ziel fahren, wenn man auch fliegen kann? Das dachten sich offenbar die Gründer von „Wingly“ und brachten jetzt nach erfolgreichem Start in Frankreich auch in Deutschland ihre Mitflugzentrale an den Start. TRAVELBOOK erklärt, wie das neue Angebot funktioniert – und ob es sicher ist.

Warum fahren, wenn man auch fliegen kann? So kann man wohl das Credo zusammenfassen, das hinter „Wingly“ steckt – einer neuen Mitflugzentrale, die im Januar 2016 in Deutschland gestartet ist. Ja, ganz recht, MitFLUGzentrale, denn auf „Wingly“ bieten Privatpiloten, von denen es laut der Unternehmenswebseite allein hierzulande etwa 40.000 gibt, ihre Dienste an und nehmen Insassen mit. „Wingly“ könnte für all jene interessant sein, die bei einer Reise von A nach B nicht auf die klassischen Verkehrsmittel zurückgreifen wollen – oder können.

Gerade klassische Linienflüge steuern bekanntlich bei Weitem nicht alle Städte in Deutschland an – und diese Nische möchte das Portal jetzt besetzen. Interessierte Passagiere oder Hobbypiloten können sich auf der Webseite registrieren und sich ein Profil anlegen. Die Suche nach einem passenden Flug funktioniert ganz klassisch: Man gibt den Start- und Zielpunkt ein und bekommt dann ein Angebot an Flügen, die zur Suchanfrage passen.

Gibt es ein passendes Angebot, fragt man beim Piloten über die Firmen-Webseite an und bezahlt nach Bestätigung für die Mitflug-Gelegenheit. Laut Luftfahrt Bundesamt ist diese Art des gemeinsamen Reisens übrigens seit Anfang 2016 in ganz Europa legal, jeder Privatpilot darf zum Selbstkostenpreis bis zu fünf Personen mitnehmen. In Frankreich ist „Wingly“ bereits im vergangenen Jahr gestartet, jetzt möchte man den deutschen Markt erobern.

Wie sicher ist das?

Doch wie sicher sind dieses Mitflug-Gelegenheiten überhaupt? „Jeder Pilot muss seine Fluglizenz sowie sein medizinisches Flugtauglichkeitszeugnis bei uns hochladen“, sagt „Wingly“-Mitgründer Lars Klein zu TRAVELBOOK. „Bei der Angabe des Fluglog, also der absolvierten Flugstunden, vertrauen wir unseren Piloten.“ Jeder Kapitän verpflichte sich aber zusätzlich zur Einhaltung von zehn Verhaltensregeln, unter anderem müsse jeder Hobbyflieger vor einem Flug das Gewicht der Maschine und demnach den Spritbedarf berechnen, zudem die Wetterbedingungen beachten und für alle Passagiere ein vorsorgliches Notfall-Briefing durchführen.

Die Angabe von Anschrift, Telefonnummer und Personalausweis („optional“) solle zudem bei der Verifizierung helfen. In puncto Versicherung verweist das Unternehmen darauf, dass im „Normalfall“ jedes gecharterte Flugzeug eine Versicherung über eine entsprechende Flugschule oder einen Verein besitze, die dann im Schadensfall auch Passagiere mit abdecke. „99,9 Prozent unserer Piloten fliegen mit solchen Maschinen“, so Klein. „Jeder Pilot muss uns vorher glaubhaft versichern, dass sein Flugzeug auch entsprechend versichert ist. Dennoch planen wir, zukünftig auch noch eine Zusatzversicherung anzubieten.“

Markus Wahl, Pressesprecher der Vereinigung Cockpit sagt dazu im Gespräch mit TRAVELBOOK: „Grundsätzlich gilt immer, dass an Sicherheit nie gespart werden darf. Das Wingly-Prinzip ist aber so neu, dass wir weder etwas positives noch negatives gehört haben, und keinerlei Einsicht darin haben. Das Unternehmen muss sich erst mal entwickeln, bis man die Sicherheit beurteilen kann – aber man muss ihm eine Chance geben.“

Kontroverse Diskussion im Netz

Laut Klein sei das Portal seit Ende Januar erfolgreich gestartet, so verzeichne man mittlerweile etwa 2000 Nutzer, 500 davon Piloten. „Insgesamt wurden 400 Flüge eingestellt – dem gegenüber gab es bereits 150 Buchungen mit insgesamt 350 Passagieren, die schon geflogen sind oder noch fliegen werden.“ Im Netz wird die Idee aber durchaus kontrovers diskutiert, so zum Beispiel im Forum der Webseite „Pilot und Flugzeug“: „Es sollte sich mittlerweile rumgesprochen haben, dass die kritische Masse bei Piloten einfach nicht da ist, um das nachhaltig zu betreiben“, schreibt User Markus „Mog Commander“ Doerr, und sagt weiter: „In Zeiten von Ryanair ist das nicht mehr brauchbar.“ 

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Nutzer Patrick „Whiskey Echo Yankee“ dagegen meint: „Ich wünsche euch viel Glück und Erfolg...Ich find's gut, dass sich Leute trauen, Energie in solche (gut gemachten) Projekte zu stecken.“ Ein Dritter namens J.D. schreibt: „Ich nehme zwar aus versicherungsrechtlichen und weiteren Gründen (fast) nie Passagiere mit, finde euer Ansinnen aber toll; nicht entmutigen lassen und weitermachen!“ 

Nicht das erste Portal seiner Art

Übrigens ist „Wingly“ nicht die erste und einzige Webseite in Deutschland für Mitflug-Gelegenheiten: Ein Urgestein ist die Plattform „Mitflugzentrale“, die laut Mitbegründer Martin Bott schon seit 1994 im Netz vertreten ist. Gewinnabsichten hätten er und seine Kollegen aber nie gehabt: „Wir hatten einfach Freude an der Idee, zwischenmenschliche Kontakte zu vermitteln. Das Portal an sich ist ja komplett kostenlos.“  Bei etwa 300.000 Seitenaufrufen pro Monat überlege man aber mittlerweile schon, ob man nicht zukünftig zumindest Werbung auf der Webseite schalten wolle, und auch eine Erweiterung per mobiler Version oder App seien angedacht. Hobbypiloten können sich hier einfach anmelden, Nachweise werden nicht verlangt.

Ein weiteres Portal ist „Flyt.club“. Im Juli 2015 in Leipzig gestartet, haben sich laut Angaben von Pressesprecher Peter Nürnberger bereits an die 600 Piloten registriert. Momentan arbeite das kleine Team an einer Veränderung der Webseite – auch hier werden bislang von den Piloten bisher keine Nachweise in schriftlicher Form verlangt.

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