Flugreisen

Das sollte man wissen, wenn die Airline das Gepäck verliert

Wenn man am Urlaubsort ankommt und plötzlich vergeblich auf seinen Koffer oder Rucksack wartet, bedeutet das erst mal: schlechte Laune und Arbeit statt Erholung. Was man wissen sollte, wenn das Gepäck verspätet oder gar nicht nachreist.

Der Urlaub könnte kaum schlechter beginnen: Man ist heil am Zielort gelandet, doch das Gepäck ist erst einmal verschollen. Bei einem einfachen Strandurlaub mag das noch zu verkraften sein, bei einem Trip in kalte Regionen, Trekkingreisen, Safaris oder Kreuzfahrten kann es zum echten Hindernis werden, wenn der Koffer fehlt. Aber was tun in einem solchen Fall?

Notwendige Dinge auf Kosten der Airline neu kaufen

„Reisende, die ohne Gepäck am Urlaubsort ankommen, können im Rahmen der Haftungsgrundlagen Ersatzanschaffungen tätigen“, erklärt Sandra Kraft, Pressesprecherin der Lufthansa. Wer Ersatzkleidung oder Toilettenartikel kauft, bekommt die Kosten dafür von der Airline erstattet. Das ist im sogenannten Montrealer Übereinkommen geregelt. Wichtig zu wissen: Die Höchstgrenze für solche Einkäufe liegt bei rund 1300 Euro. Und: Es gilt der Schadensminderungsgrundsatz. Das heißt: Die Airlines erwarten, dass ihre Fluggäste die Anschaffungskosten so gering wie möglich halten.

Auch interessant: Mit diesen 9 Tricks verliert man nie wieder sein Gepäck

Verlust des Gepäcks immer sofort melden!

Dazu gehört auch, zu begründen, warum man die Artikel gekauft hat, erklärt Eva Klaar von der Verbraucherzentrale Berlin. „Die meisten Probleme entstehen, weil die Leute nicht richtig begründen, wofür sie den Schadenersatz wollen“, berichtet die Verbraucherschützerin.
Wer sein Gepäck möglichst schnell zurückhaben möchte, sollte den Verlust direkt am Flughafen melden. Denn wer das Gelände einmal verlassen hat, muss nachweisen, dass der Koffer wirklich während der Flugreise verloren ging.

Auch interessant: Test! Das verrät Ihr Gepäckstück über Sie

Das Vorgehen bei Gepäckverlust

Für die Schadens- oder Verlustmeldung gibt es am Flughafen die Lost & Found-Schalter beziehungsweise die Gepäckermittlung. „Zuerst schließen wir aus, ob das Gepäck nicht bereits für einen Weiterflug durchabgefertigt wurde oder dass es sich um Sperrgepäck handelt“, erklärt Christina Koch, Betriebsleiterin bei der Gepäckermittlung am Frankfurter Flughafen.

Dann wird anhand des Gepäckabschnitts, den der Kunde beim Einchecken zusammen mit dem Bordticket erhalten hat, das Gepäckstück ermittelt. Dabei hilft ein digitales Suchsystem, an das weltweit rund 2800 Airports angeschlossen sind. Wenn der Koffer innerhalb von sieben Tagen nicht aufgetaucht ist, wird die Suche an die Airline übergeben.

Airline sorgt dafür, dass der Koffer zum Kunden kommt

Die Fluglinie organisiert dann auch den Transport an den Reiseort, zum Beispiel über Zustelldienste oder per Auto. „Die meisten Gepäckstücke werden innerhalb von zwei bis drei Tagen gefunden“, berichtet Koch von ihren Erfahrungen. Laut Zahlen des Lufttransport-IT-Unternehmens SITA lag die durchschnittliche Zustelldauer 2014 sogar nur bei 1,6 Tagen. Insgesamt gehen von 1000 Gepäckstücken 7,3 verloren, werden beschädigt oder kommen verspätet an. Rund 1,3 Millionen Koffer tauchten 2014 gar nicht wieder auf.

Was passiert, wenn der Koffer gar nicht mehr auftaucht?

Bleibt ein Gepäckstück unauffindbar, ersetzt die Airline den Wert mit maximal rund 1300 Euro. Reisende mit wertvollerem Gepäck sollten dieses vorher extra versichern, rät Klaar. Außerdem muss die Airline immer schriftlich über vermisste oder beschädigte Gepäckstücke informiert werden, zum Beispiel, indem man das Protokoll vom Lost & Found-Schalter einreicht. Wer sicher gehen will, dass er im Fall eines Verlusts nichts vergisst, macht sich vor Abreise eine Liste mit den wertvollsten Dingen, die im Koffer sind und packt diese Liste zu seinem Handgepäck.

Es versteht sich fast von selbst, dass Laptop, Medikamente, höhere Summen Bargeld oder sonstige Wertgegenstände nicht in den Koffer gehören. 

Weniger Urlaubszeit durch Gepäckverlust? Entschädigung!

Im Rahmen von Pauschalreisen stehen Kunden außerdem Entschädigungen vom Reiseveranstalter zu. Wenn der Gepäckverlust den Reiseablauf stört oder wenn die Urlaubszeit für Noteinkäufe draufgeht, können 20 bis 25 Prozent des Tagesreisepreises zurückgefordert werden, erklärt Klaar. Wem der Koffer dagegen auf der Heimreise flöten geht, hat wenig Anspruch auf Schadenersatz: „Man muss davon ausgehen, dass der Kunde an seinem Heimatort noch über Gegenstände des täglichen Bedarfs verfügt“, begründet Lufthansa-Sprecherin Kraft.

Die besten Angebote & Storys: Hier gratis für den TRAVELBOOK-Newsletter anmelden!

TRAVELBOOK Escapes  – kostenlos anmelden und bis zu 70 Prozent beim Urlaub sparen