Hidden City Ticketing bei der Online-Flugbuchung

So funktioniert der Geldspar-Trick über eine „versteckte Stadt“

Bei der Suche nach möglichst günstigen Flugtickets lässt sich durchaus der ein oder andere Trick anwenden, mit dem man den Preis manchmal um einiges reduzieren kann. So gibt es beispielsweise das sogenannte „Hidden City Ticketing“. TRAVELBOOK erklärt, wie der Trick mit der „versteckten Stadt“ funktioniert.

Chiara Jaumann Von Chiara Jaumann

Immer mehr Menschen buchen ihre Flüge inzwischen online. Dabei lohnt es sich allerdings, die Preise verschiedener Anbieter und Reisesuchmaschinen zu vergleichen. Besonders geübte Bucher wenden bei der Flugsuche zudem sogenannte „Travel Hacks“, also Tricks rund ums Reisen, an, die den Preis nochmal nach unten drücken können – manchmal sogar um einige Hundert Euro. Einer dieser Tricks ist das sogenannte „Hidden City Ticketing“.

Hierbei bucht man etwa einen Flug von A nach C, mit Zwischenstopp in B. Der Clou an der Sache ist, dass man eigentlich an die Stopover-Destination B möchte, dort einfach den Flughafen verlässt und den letzten Flug B nach C verfallen lässt. Manchmal nämlich ist das endgültige Reiseziel als Zwischenstopp viel billiger zu erreichen, als wenn man direkt dorthin fliegt – vor allem bei interkontinentalen Flügen.

Die besten Angebote & Storys: Hier gratis für den TRAVELBOOK-Newsletter anmelden!

Lohnt es sich wirklich in einer Hidden City auszusteigen ?

Foto: GettyImages

Wie funktioniert die Buchung genau? 

Die in New York gegründeten Flugsuchmaschine Skiplagged, die nach eigenen Angaben günstigere Flüge als jede andere Website findet, konzentriert sich vor allem genau auf diesen Trick.

Ein Beispiel: Jemand möchte von Seattle nach Amsterdam fliegen, Skiplagged findet einen Flug nach Delhi, Indien. Warum? Weil es anscheinend billiger ist, einfach in Amsterdam auszusteigen, als wenn man Amsterdam als endgültiges Ziel angibt.  

Von Deutschland aus ist das Buchen über die Plattform auch möglich. Viele Flugsuchmaschinen hierzulande bieten die Hidden-Cities-Option allerdings nicht an. Hier müsste man selbst danach suchen, und das kann sehr lange dauern.  

Auch bei der Lufthansa ist ein „Hidden City Ticketing“ in den Tarifbedingungen im Vornherein nicht vorgesehen. „Dass ein A-B-C Flug günstiger ist als ein A-B Flug kommt sehr selten vor“, sagt Lufthansa-Sprecher Boris Ogursky zu TRAVELBOOK.de. In den seltenen Fällen, wo dies doch der Fall ist und Passagiere tatsächlich eine Flugstrecke verfallen lassen, um Geld zu sparen, hat die Lufthansa laut Beförderungsbedingung das Recht, eine Nachberechnung des Tickets durchzuführen, wie der Airline-Sprecher erklärt. Hier werde der Passagier dann im Nachhinein kontaktiert und ihm der „normale“ Preis für die tatsächliche Strecke, die er geflogen sei, zusätzlich berechnet. 

Verluste für die Airlines

Die Fluggesellschaften sehen die Anwendung dieses Tricks nicht unbedingt gerne. Die amerikanische Fluglinie United Airlines ist im vergangenen Jahr sogar gegen den 23 Jahre jungen Aktarer Zaman, den Gründer von Skiplagged, vor Gericht gezogen, weshalb die Suchmaschine inzwischen mit dem frechen Spruch wirbt „We're so good, United Airlines actually sued us for it“, zu Deutsch: „Wir sind so gut, dass United uns dafür sogar verklagt hat.“

In der eingereichten Klage hieß es, Zaman mache mit seiner Website gezielt durch Hilfe seiner Nutzer auf deutlich günstigere Flugreisen aufmerksam, als von der Airline angeboten würden. Damit begehe Skiplagged Beihilfe zum Betrug an United Airlines und sorge außerdem für einen „unfairen Wettbewerb am Markt“. Die Flugrouten, die Skiplagged vermittelt, seien streng verboten, deswegen klagte man auf Erstattung eines angeblichen Schadens in einer Höhe von 75.000 Dollar, berichtet unter anderem CNN

Laut „USA Today“ konnte sich der junge Unternehmer gegen die viertgrößte Airline der Welt juristisch durchsetzen und ist überdies aus der Sache aufgrund von riesigem Medientrubel mit sehr viel Aufmerksamkeit rausgegangen. Nichtsdestotrotz haben sich viele Fluglinien darauf festgelegt, auffallende „Hidden City Ticketing“-Reisende ab sofort zu bestrafen und unter Umständen von zukünftigen Flugstrecken komplett auszuschließen. 

Was gegen die Anwendung des Tricks spricht

Die deutsche Flugsuchmaschine Tripdelta, die sich ebenfalls Travel Hacks zunutze macht, sieht die Sache auch eher kritisch. Tripdelta-Mitgründer Maximilian Ibel sagt auf Nachfrage von TRAVELBOOK.de: „Wir sehen beim 'Hidden City Ticketing' immer weniger Vorteile, und bauen dieses auch nicht mehr gezielt in unsere Flugsuche ein. Hier gibt es unserer Meinung nach zu viele Dinge, die das Reisen einfach nur komplizierter machen.“   

Tatsächlich sprechen, vom günstigeren Flugpreis mal abgesehen, auch einige Gründe dagegen, mit einem Hidden-City-Ticket zu fliegen:

Das Gepäck: Wenn man per „Hidden City Ticketing“ reist, sollte man nur Handgepäck dabei haben. Das Aufgeben von Gepäckstücken wird mittlerweile immer so geregelt, dass das Gepäckstück direkt zum Ankunftsflughafen weiterbefördert wird und es keine Möglichkeit gibt, es am Zwischenstopp abzuholen. Was außerdem auch passieren kann: Mitunter wird man beim Check-in darum gebeten, das Gepäck wegen Überlastung des Flugzeugs kurzfristig doch noch aufzugeben. Dem kann man sich kaum widersetzen.

Nur One-Way lohnt sich: Das Buchen eines Roundtrips, also eines Hin- und Rückflugs, funktioniert beim „Hidden City Ticketing“ nicht. Entweder man bucht One Way oder zwei separate Flüge, was aber oft wesentlich teurer kommt, als ein normales Hin- und Rückflug-Ticket zu zu buchen. 

Das spontane Umdisponieren der Airlines: Durch unvorhergesehene Zwischenfälle kann es vorkommen, dass Fluglinien in letzter Minute umdisponieren und beispielsweise nicht über den geplanten Zwischenstopp fliegen, sondern über einen anderen Flughafen. Auch in diesem Fall gehen die Chancen, an seinem Wunschziel anzukommen, gegen Null. Die Fluglinie trägt nämlich streckenmäßig nur die Verantwortung, den Zielflughafen anzufliegen. Die Entscheidung, welcher Zwischenstopp eingelegt wird, liegt frei bei der Airline.

Man zwingt die Preise in die Höhe: Für die Airlines bedeutet es Verluste, wenn Menschen vor dem Weiterflug abspringen. Die Sitzplätze, die im Anschlussflieger frei bleiben, hätten schließlich noch anderweitig verkauft werden können. Sollten sich die Airlines durch das „Hidden City Ticketing“ zu oft ausgenutzt fühlen, könnten sie sich veranlasst sehen, die Flugpreise zu erhöhen.

Man ist für Verspätungen verantwortlich: Das Bordpersonal versucht meistens sein Bestes, wenn es darum geht, alle verspäteten Flugpassagiere abzuwarten. Wenn man sich dafür entscheidet, einfach gar nicht aufzutauchen, warten alle anderen, und unter Umständen verspätet sich der Flug.

Inwiefern sich in der Realität seitens einer Airline nachvollziehen bzw. nachweisen lässt, ob jemand das „Hidden City Ticketing“ genutzt hat, ist fraglich. Schließlich könnte jemand im Zweifelsfall argumentieren, er habe am Flughafen aus unterschiedlichen Gründen schlichtweg den Flug verpasst und habe sich spontan entschlossen, den Weiterflug nicht wahrzunehmen. 

Letztlich bewegt sich, wer das „Hidden City Ticketing“ für sich nutzt, in einer Grauzone. Wer es riskiert, kann im Glücksfall Geld sparen. Allerdings sollte man sich darüber bewusst sein, dass der eigene Vorteile unter Umständen mit Nachteilen für viele Mitreisende verbunden ist. 

TRAVELBOOK Escapes – gratis anmelden und bis zu 70 Prozent beim Urlaub sparen.