Igitt!

Darum sollte man im Flieger lieber keinen Kaffee trinken

Wer das liest, wird sich beim nächsten Flug möglicherweise gegen den Kaffee entscheiden. Grund: Zumindest in amerikanischen Airlines ist das Wasser oft mit Bakterien verunreinigt – oder es steckt voller Chemikalien, die eben jene Bakterien bekämpfen. Letztlich ist beides ungesund, weshalb Piloten und die Flugbegleiter oft ihren eigenen Kaffee mitbringen. Doch wie sieht es in Deutschland aus? TRAVELBOOK hat nachgefragt.

Kaffee oder Tee? Eine Frage, die man im Flugzeug meist nach dem Essen von Flugbegleitern gestellt bekommt. Und während die einen dankend ablehnen, entscheidet sich der Großteil für einen Becher Kaffee – doch das könnte im schlimmsten Fall Nebenwirkungen zur Folge haben. Wie eine Untersuchung zeigt, kann das Wasser an Bord mit Bakterien verunreinigt sein – oder aber mit Chemikalien, die zum Abtöten der Bakterien eingesetzt werden.

Zu diesem Ekel-Ergebnis kam eine Forschungsgruppe der amerikanischen Umweltbehörde „Environmental Protection Agency“ (EPA). Nachdem Proben bereits im Jahr 2004 zeigten, dass bei einigen amerikanischen Airlines die Wassertanks mit Bakterien verunreinigt sind, führte man acht Jahre später eine weitere Untersuchung durch. Ergebnis: Im Vergleich zu den Ergebnissen von 2004 gab es kaum Verbesserungen. Während die Forscher 2004 das Wasser in insgesamt 300 Flugzeugen unter die Lupe nahmen, und sie in 15 Prozent der Fälle positiv auf Coliforme Bakterien getestet wurden – kam man acht Jahre später auf immerhin noch zwölf Prozent. Das bedeutet: Etwa jeder achte Flieger hatte Wasser an Bord, das diese Art von Bakterien enthielt.

Welche Auswirkungen hat das?

Laut einer Empfehlung des Umweltbundesamtes, die 2009 unter dem Titel „Coliforme Bakterien im Trinkwasser“ veröffentlicht wurde, könne das Vorkommen dieser Bakterien im Trinkwasser ein Indikator für Vereinigung mit Fäkalien sein, was, zumindest in Deutschland, „nicht akzeptabel“ sei und „Maßnahmen zur Ursachenabklärung und Kontrolle“ erfordere.

Laut der Empfehlung lösen die Bakterien bei gesunden Menschen in der Regel keine Infektionen aus, bei abwehrgeschwächten Menschen ist die Gefahr allerdings viel höher. Außerdem können coliforme Bakterien auf andere Keime hinweisen, wie zum Beispiel E.coli-Bakterien. Sie kommen zwar bei jedem Menschen im Darm vor, können aber eben auch Durchfallerkrankungen auslösen.

In US-amerikanischen Airlines wurden im Wasser wiederholt coliforme Bakterien nachgewiesen

Foto: Getty Images

Wie kommen die Bakterien an Bord?

Laut „NBC“ soll es an den Wassertanks liegen, oder besser gesagt: an den Schläuchen, mit denen die Tanks befüllt werden. „Der Tank wird am Flughafen in den verschiedensten Städten befüllt. Und manchmal sind die Schläuche, die die Tanks befüllen, schmutzig“, schreibt der Reporter Scott Friedmann in einem Artikel des US-amerikanischen Fernsehsenders NBC.

Dazu zeigt er in einem Video Bilder, die wohl bei jedem Zuschauer – und Passagier – Ekel auslösen dürften: Zu sehen sind die verschmutzten Wasserschleuche samt schleimiger Rückstände an den Düsen. Doch nicht alle Airlines bekommen ihr Kaffee- und Tee-Wasser von den Tanks, einige sind inzwischen auf Wasser aus verschlossenen kleinen Plastikflaschen umgestiegen.

Wie sieht es bei deutschen Airlines aus?

Weil sich die Ergebnisse nur auf US-amerikanische Airlines beziehen, hat TRAVELBOOK.de beim Gesundheitsamt in Frankfurt nachgefragt: Werden auch bei uns die Airlines auf die Wasserqualität an Bord überprüft, und hat man auch hier unter Umständen verunreinigtes Wasser gefunden?

„Natürlich wird auch hierzulande das Wasser, bevor es ins Flugzeug kommt, die Tanks und die entsprechenden Leitungen überprüft“, sagt ein Ingenieur des Gesundheitsamtes Frankfurt zu TRAVELBOOK.de. Zwar kann er eine Überprüfung für alle Airlines deutschlandweit nicht pauschal bestätigen, doch überprüft das Amt in regelmäßigen Abstand die Fluggesellschaften Lufthansa und Condor.

„Lufthansa überprüft ihre Flugzeuge selbst regelmäßig, das heißt einmal im Jahr. Diese Befunde kriegen wir als Gesundheitsamt und überprüfen unsererseits jedes Flugzeug etwa alle drei bis vier Jahre“, so der Ingenieur weiter. „Die Ergebnisse sind in aller Regel sehr gut. Sollte es Auffälligkeiten geben, werden Leitungen und Tanks desinfiziert. Doch diese Auffälligkeiten liegen bei etwa unter einem Prozent, und auch von krank machenden Keimen ist da nicht die Rede. Das Wasser, das eingefüllt wird, wird nicht nur von uns, sondern auch vom Flughafenübertreiber überprüft.“

Und auch achtet die Lufthansa laut Gesundheitsamt-Ingenieur darauf, dass sie Trinkwasser nur an Orten aufnimmt, wo es sauberes Wasser gibt. „Fliegt Lufthansa an einen Ort, von dem sie wissen, dass es kein sauberes Trinkwasser gibt, nehmen sie von einem sicheren Ort so viel Wasser mit, dass es auch für den Rückflug reicht.“

„Sollten die Tanks desinfiziert werden, werden sie anschließend so lange ausgespült und die Wasserhähne so lange betätigt, dass keine Rückstände von Chemikalien mehr zu finden sind. Denn laut Trinkwasserverordnung dürfen die im Trinkwasser gar nicht vorkommen.“ Doch oft genug geht der Flug mit nicht-deutschen Fluglinien eben ins Ausland, wo nicht überall solche strengen Regelungen gelten, und von dort wieder zurück. Die Qualität des Wasser lässt sich in solchen Fällen nur bedingt kontrollieren.

Teile der Crew verzichtet auf Kaffee

Dass der schlechte Geschmack des Kaffees an Bord nicht nur mit dem Luftdruck an Bord zu tun haben könnte, sondern auch mit den Chemikalien im Wasser, meint auch ein Pilot auf dem Online-Wissensportal „Quora“. Dort schreibt der Mann, der nach eigenen Angaben für eine große US-Airline auf Inlandsflügen im Einsatz ist: „Trinken Sie keinen Kaffee! Das Wasser, welches das Flugzeug transportiert, ist absolut ekelhaft. Chemikalien werden in den Wassertanks eingesetzt, um schlimme Dinge vom Wachsen abzuhalten. Der schlechte Geschmack ist nicht der Kaffee selbst, es sind die Chemikalien.“

Und auch eine Flugbegleiterin verrät TRAVELBOOK, dass ihr ein Kollege gesagt hätte, sie solle keinen Kaffee an Bord trinken. Nur den Grund dafür kannte sie bislang nicht, weshalb sie statt des Kaffees eben Tee getrunken hat – doch natürlich braucht man auch hierfür Wasser.

Fazit: Wer mit deutschen Fluglinien unterwegs ist, kann sich einigermaßen sicher sein, dass das Wasser die hierzulande geltenden Standards erfüllt. Im Ausland ist das nicht unbedingt der Fall. Da sollte man sich genau überlegen, ob man statt eines Kaffees oder Tees nicht doch lieber ein verschlossenes Getränk bestellt. 

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