Light, Classic, Flex

Was Sie über die neuen Lufthansa-Tarife wissen müssen

Es gleicht einer kleinen Revolution: Die Lufthansa führt ein neues Tarifsystem ein und schafft ihr traditionelles Preismodell ab. Künftig muss wie bei der Konkurrenz von Ryanair, Easyjet, Vueling und Co. bei preiswerten Tarifen für Extras wie aufgegebenes Gepäck zusätzlich bezahlt werden. Warum die Lufthansa dies macht, was die Kunden davon haben und ob noch weitere Änderungen geplant sind.

Die Lufthansa setzt ab Herbst in der Economy-Klasse auf ein neues Preismodell, das vielen Flugreisenden bekannt vorkommen dürfte. Ab Dienstag (28. Juli) sind die neuen Preiskategorien dann buchbar.

Was ändert sich bei Lufthansa-Flugtickets?
Für Kurz- und Mittelstreckenflüge soll es ab dem 1. Oktober drei Preiskategorien geben: „Light“, „Classic“ und „Flex“. Dabei gilt: Je günstiger der Grundpreis des Tickets ist, desto weniger Service ist inbegriffen. Für aufgegebenes Gepäck oder eine Umbuchung muss dann zum Beispiel extra bezahlt werden. Das Prinzip dürfte den meisten Passagieren bereits von anderen Airlines – vor allem den sogenannten Billigfliegern – vertraut sein.

Was hat das Unternehmen davon?
Die Lufthansa kann künftig die Preise noch stärker als bisher differenzieren. Die Hoffnung ist, die Flüge so besser auszulasten und unterm Strich mehr Gewinn zu erzielen. Denn jeder nicht verkaufte, leere Platz in einem Flugzeug tut den Airlines richtig weh. Die mangelnde Ertragskraft ist eins der großen Probleme der Lufthansa, die als etablierte Fluggesellschaft mit höheren Kosten als ihre jüngeren Konkurrenten kalkulieren muss.

Profitiert auch der Kunde?
Billigflieger wie Ryanair und Easyjet haben im vergangenen Jahrzehnt den Markt kräftig aufgemischt und Fliegen für viele Menschen erst erschwinglich gemacht. Auch Lufthansa-Flüge sollen mit dem neuen Preismodell für einige Passagiere günstiger werden. Die Entwicklung in der Branche hat aber auch eine Schattenseite: Zwar können die Kunden ihre Reise inzwischen direkt im Internet buchen und Preise selbst vergleichen. Doch parallel ist ein wenig transparentes Preiswirrwarr mit „Service-Entgelten“ und anderen mysteriösen Zusatzgebühren entstanden. Außerdem kann sich der Preis für einen Flug online ständig ändern – und der Sitznachbar im Flieger hat am Ende für die gleiche Leistung vielleicht nur halb so viel wie man selbst bezahlt.

Warum sind die neuen Preise für die Lufthansa ein so großer Schritt?
Für die meisten Kunden dürfte das Preismodell kaum gewöhnungsbedürftig sein. Doch die Lufthansa hatte bisher versucht, sich von den Billigfliegern abzuheben und damit das Image aus alten Zeiten zu bewahren, als Fliegen auch in der Economy-Klasse noch einen Hauch von Luxus hatte. Zumindest die Getränke und Snacks an Bord sollen daher auch künftig umsonst bleiben. Bei den Billigfliegern zahlen die Passagiere dafür meist extra. Sie haben sich damit abgefunden, dass Fliegen nicht komfortabler – oder sogar unbequemer – als eine Busfahrt ist. Ryanair-Chef Michael O'Leary brachte sogar schon mal Stehplätze in Flugzeugen oder Toiletten-Gebühren ins Spiel - allerdings wohl nur aus Spaß.

Stehen für Lufthansa-Kunden noch weitere Änderungen bevor?
Der Konzern hatte bereits angekündigt, dass Flugtickets unabhängig von dem neuen Preismodell ab September 16 Euro teurer werden, wenn sie über ein globales Vertriebssystem (GDS) erstellt werden. Das ist bisher bei rund 70 Prozent der Tickets der Fall – zum Beispiel, wenn sie über Reisebüros, aber auch auf manchen Internet-Portalen gebucht werden. Außerdem will die Lufthansa unter der Dachmarke Eurowings eine eigene Billigmarke etablieren, was aber vor allem bei den Piloten auf Widerstand stößt. Alle Maßnahmen sollen helfen, die Einnahmen zu steigern und im wachsenden Konkurrenzkampf zu bestehen.

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Auf Zusatzgebühren achten

Die Preise für Flugtickets werden zunehmend unübersichtlicher – vor allem auf Flugbuchungsportalen im Internet. Dort ist unter Umständen nicht gleich erkennbar, ob der angezeigte günstige Flug ein Tarif ist, der nur Handgepäck erlaubt. Wer zuschlägt, aber auf jeden Fall einen Koffer aufgeben will, zahlt diesen Service extra. Und wer sein Gepäck dann erst am Flughafen anmeldet, muss nach einem Test der Zeitschrift „Clever reisen“ (Ausgabe 4/2014) bis zu 50 Euro nachzahlen.

Problematisch ist ohnehin, dass manche Reiseportale am Anfang nicht den gültigen Endpreis des Flugtickets inklusive Steuern und aller Gebühren anzeigen – was sie eigentlich müssten, wie der Europäische Gerichtshof (EuGH) klargestellt hat (Rechtssache C-573/13). In der Praxis heißt das: Der Nutzer muss manchmal erst mehrere Buchungsschritte durchführen, bevor er sieht, welchen Preis er tatsächlich zahlt.

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