Andere Länder, andere Sitten

Was die Welt im Fahrstuhl so treibt

Schweigen, pupsen, herzlich grüßen – wer gerne reist, der sollte auch mit den Gepflogenheiten anderer Nationen beim Fahren im öffentlichen Hotellift vertraut sein. Denn da gibt es zuweilen große Unterschiede.

Was die Leute im Lift so alles treiben, beflügelt nicht selten die Fantasie – und ist auch immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. So zeigte Anfang der 1960er-Jahre der Sozialpsychologe Solomon Asch in seinem legendären „Aufzug-Experiment“, wie groß etwa der Gruppendruck ist, in eine bestimmte Richtung zu schauen. Mediziner ermittelten, dass sich auf den Fahrstuhlknöpfen 40-mal mehr Bakterien tummeln als auf öffentlichen Toiletten.

Und der Mainzer Soziologe Stefan Hirschauer fand um die Jahrtausendwende heraus, dass eine Fahrt im Lift für viele ein sozialer Horrortrip ist, indem uns Fragen quälen wie: „Wohin mit den Blicken?“, „Soll ich das Schweigen ertragen oder brechen?“, „Wie Desinteresse zeigen, ohne dass es als Missachtung gedeutet wird?“ So unausweichlich wie unlösbar schienen diese psychischen Belastungen, dass viele Unternehmen nur einen Ausweg sahen: die Treppe. Und belohnten Mitarbeiter, die lieber liefen, statt Lift fuhren.

Haben auch schon Soziologen untersucht: warum Fahrstuhlgäste gern alle in dieselbe Richtung schauen

Foto: getty images

Dabei wäre alles so einfach, wenn man nur auf Benimm-Streber Knigge hört. Der empfiehlt: „Richten Sie den Blick geradeaus zur Türe, ein gesenkter Kopf zu Boden wirkt unsicher. Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Mitfahrer möglichst nicht anstoßen, denn trotz reduziertem Intimkreis möchte niemand ungewollten Körperkontakt.“ Und wer reden will, hält sich am besten an „rein sachbezogene Konversation; insbesondere mit Fremden. Also wie: ‘In welchem Stockwerk müssen Sie denn raus?‘ Ein gezwungener Smalltalk über das Wetter ist eher unangebracht.“

Den jüngsten Beitrag zur Fahrstuhl-Forschung lieferte die finnische Kognitionswissenschaftlerin Rebekah Rousi. Sie hat in der australischen Stadt Adelaide Menschen in Aufzügen beobachtet und interviewt – und dabei Erstaunliches herausgefunden: Wo wir uns im Fahrstuhl positionieren, so ihr Fazit, zeigt, wo wir im Leben wirklich stehen, und auf welcher Sprosse der Karriereleiter. Denn ältere und ranghohe Männer stünden grundsätzlich hinten an der Wand – um den Rücken frei und einen Überblick zu haben.

Männer gucken in den Spiegel, Frauen zu Boden

Jüngere Männer drängelten sich eher mittig, während Frauen jeden Alters meist vorn an der Tür blieben. Und wie wurde das Problem gelöst, wo man nur hingucken soll? Frauen mieden jeden Blickkontakt und starrten konsequent auf den Boden, fand Rousi heraus, während Männer die Stockwerkanzeige, sich selbst oder andere im Spiegel betrachteten. Soweit zu Australien.

Doch wie schaut es in anderen Ländern aus, vor allem in den Fahrstühlen der Hotels, die für Urlauber am ehesten interessant sind? In einer repräsentativen globalen Umfrage hat das Hotelbuchungsportal Hotels.com jetzt Reisende rund um den Globus nach ihren Hotelfahrstuhl-Gewohnheiten befragt. Herausgekommen ist eine kleine Verhaltensstudie aus den Lifts der Welt. Die Ergebnisse:

1. Grüßen oder nicht?

Wer nach Südostasien reist, sollte nicht damit rechnen, dass ihn die Leute im Lift grüßen. Denn dies ist in Asien eher unüblich: Lediglich 16 Prozent der Befragten aus den untersuchten südostasiatischen Ländern grüßen, sobald sich die Tür öffnet, 26 Prozent sprechen sogar nie mit Fremden. In Europa hingegen grüßen 53 Prozent der Befragten andere Liftgäste. Die höflichsten Fahrstuhlgäste trifft man hingegen in Mittel- und Südamerika: Durchschnittlich 66 Prozent der Befragten grüßen im Hotellift.

Wenn der Zusteigende derart freundlich begrüßt wird, befindet er sich vermutlich in Mittel- oder Südamerika

Foto: getty images

2. Heimlich Luft ablassen

In Südostasien weht ohnehin ein anderer Wind. Vor allem Thailänder (36 Prozent), Taiwanesen und Hongkong-Chinesen (je 30 Prozent) gaben besonders häufig an, im Lift schon mal heimlich gepupst zu haben. Im Kontinenten-Vergleich landet Südostasien jedoch nur auf Platz zwei (27 Prozent). Spitzenreiter im schamlosen „Luft ablassen“ sind die Nordamerikaner (29 Prozent). Aber auch in Europa und Mittel- und Südamerika wird im Lift gerne mal flatuliert (je 23 Prozent).

Nicht schön: Flatulenz im Fahrstuhl

Foto: getty images

3. Kurz wegnicken

Asiaten haben ja diverse Fähigkeiten. Eine ist etwa die, an offenbar jedem noch so öffentlichen Ort mal eben ganz friedlich wegzuschlummern. Und sei es auch nur für wenige Minuten. Nicht mal eine Aufzugsfahrt ist ihnen zu kurz dafür: 6 Prozent der Befragten aus Asien halten im Lift am liebsten ein kleines Nickerchen, am häufigsten haben Chinesen (17 Prozent) schon mal im Aufzug geschlafen.

4. Lift und Liebe

Ach ja, was ist mit Sex? Die Mittel- und Südamerikaner  – wir erinnern uns: die Grüßfreudigsten unter den Fahrstuhlfahrern – sind bei aller Höflichkeit aber offenbar nur froh, im Aufzug allein zu sein, sofern sie zu zweit sind und gewissen Sympathien füreinander hegen: Weltweit haben sie am häufigsten eine Fahrstuhlfahrt für ein „Schäferstündchen“ genutzt (10 Prozent), ganz vorne liegen Mexikaner (13 Prozent). Bei den Europäern hingegen waren es nur sechs Prozent.

Da geht doch was, oder nicht? Kommt drauf an, in welchem Land der Lift verkehrt

Foto: getty images

Das könnte Sie auch interessieren: Wie im Bestseller „Limit“ von Frank Schätzing - Kanadische Firma will Weltraumlift bauen

Was nervt Sie am meisten im Aufzug? Schreiben Sie uns unten im Kommentarfeld!

Mehr Reise-Storys gibt's bei TRAVELBOOK BlogStars.

Hier geht's zu unserer Pinterest-Pinnwand MAGAZIN:

TRAVELBOOK Escapes – kostenlos anmelden und bis zu 70 Prozent beim Urlaub sparen.

TRAVELBOOK auf: Facebook | Twitter | Google + | Instagram | Pinterest

Travel-Tipps von

7 Urlaubsdeals bei TRAVELBOOK Escapes