Nachgefragt bei Experten

So verändert die 360-Grad-Brille unseren Urlaub

Die 360-Grad-Brille erobert die Reisebranche: In Freizeitparks peppt sie Achterbahnfahrten auf, in Hotels beamt sie die Gäste aus öden Zimmern ins Paradies, in Reisebüros führt sie Kreuzfahrer schon vor der Buchung durch die Kabinen ihres Traumschiffs. Wie Virtual Reality darüber hinaus unser Reiseverhalten verändert und wann wir endlich unsere Urlaubsfilme in 360 Grad drehen können.

Es ist, als wäre man direkt auf dem Holodeck gelandet. Nur dass man dafür nicht auf ein Raumschiff von Enterprise muss, sondern lediglich ein Gerät braucht, das ein bisschen wie eine Taucherbrille aussieht und etwa „Oculus Rift“ oder „Samsung Gear VR“ heißt. In Kombination mit dem passenden Smartphone und den darauf installierten Apps ermöglicht dieses eine Art 360-Grad-Kino und gibt dem Träger sofort das faszinierende Gefühl, er sei mittendrin. In der Landschaft. Im Geschehen. Im Urlaub.

Lesen Sie hier, wie Virtual Reality funktioniert: Diese Brille beamt Sie direkt an den Urlaubsort

Kleine Fluchten aus dem Alltag, ohne sich tatsächlich bewegen zu müssen – die neueste Technik macht es möglich. Und wirft einige Fragen auf. Warum sollten wir überhaupt noch in der Realität verreisen, wenn es virtuell doch viel einfacher und billiger geht? Wie verändert Virtual Reality unser Reiseverhalten – und unsere Bedürfnisse? Und was wird technisch bald alles möglich sein? Das fragten wir Michael Faber von Tourismus Zukunft und Philipp Schlegel von Samsung Electronics.

Michael Faber von Tourismus Zukunft (links) und Philipp Schlegel von Samsung Electronics (rechts)

Foto: privat/Samsung

TRAVELBOOK: Ich habe durch die Brille geschaut und war auf Safari in Afrika, stand am Strand von Hawaii und bin mit dem Heli über Island geflogen. Ich hab das jetzt alles gesehen und muss da im Prinzip gar nicht mehr hin. Wird die Brille das Reisen abschaffen?

Schlegel: Nein, die Brille wird das Reisen nicht abschaffen. Mit der Gear VR werden ja vornehmlich visuelle Reize stimuliert, vor Ort hingegen sämtliche Sinne: die Gerüche eines Gewürzmarktes, die warme Sommerluft auf der Haut am Strand – das alles kann die Brille in dieser Form nicht transportieren, weshalb es immer Gründe geben wird, zu verreisen.

Faber: Wir hatten in unseren Reisebüros mal „virtuelle Kurztrips“ kostenfrei angeboten – und den Kunden dafür einfach die Brille aufgesetzt. Das haben wir  gemacht, um die Leute in den Laden reinzubekommen und ihnen die neue Technik vorzuführen. Sie werden wegen der Brille natürlich nicht zu Hause bleiben und nur noch virtuell verreisen.

Macht Virtual Reality möglich: die Gear VR

Foto: Samsung Electronics GmbH

Herr Faber, hierzulande werden in circa 100 Reisebüros die Brillen schon eingesetzt, um die Kunden für ein Urlaubsziel zu begeistern oder ihnen zu zeigen, wie das Hotel, für das sie sich interessieren, konkret aussieht – als Art Entscheidungshilfe. Welche Einsatzmöglichkeiten sehen Sie darüber hinaus?

Faber: Im Prinzip ist die Brille bei allen Bereichen in der Reisekette einsetzbar: also angefangen von der Inspiration für ein Reiseziel und der Entscheidungsfindung im Reisebüro – etwa, um sich ein bestimmtes Hotel oder das Kreuzfahrtschiff schon einmal vorab anzuschauen – bis zur Buchung und Vorfreude. Und schließlich kann die Brille vor Ort auch Teil des touristischen Produktes sein.

Vor Ort? Braucht man wirklich noch eine Brille, die Realität vorgaukelt, wenn man doch alles mit eigenen Augen sehen kann?

Schlegel: Im Europark Rust, zum Beispiel, kann man jetzt Achterbahn mit einer Virtual-Reality-Brille fahren, was das Erlebnis noch ein gutes Stück aufregender macht. Man sieht dann oft nicht, was als nächstes passiert – und stattdessen das Weltall oder Fantasielandschaften mit Drachen und anderen Fabelwesen. Hier kann die Brille also das Erlebnis am Urlaubsort noch intensivieren.

Einen kurzen Einblick in den VR-Ride im Europapark Rust gibt folgendes Image-Video:

Wie man die Brille am Urlaubsort einsetzt, zeigen auch die Marriott Hotels, die ihren Gästen im September in ausgewählten Häusern in New York und London das Brillen-Set auf das Zimmer legten – damit diese sich via „Virtual Postcards“ in die Anden nach Chile, in einen Eisladen in Ruanda oder die City von Peking träumen konnten. Mehr dazu hier im Image-Video der Marriott Hotels: 

Wann wird es eigentlich möglich sein, dass man sich seine Urlaubsvideos als 360-Grad-Filme dreht und den Daheimgebliebenen später statt der Fotos am Rechner den Film via Brille zeigt?

Schlegel: Wenn wir von Fotos sprechen, ist das bereits möglich. Viele Android Smartphones können 360-Grad-Panoramen aufnehmen, diese können dann in der Gear VR wiedergegeben werden. Bei Filmen wird es wohl noch eine Weile dauern. Zwar ist auch das nicht schwierig, theoretisch bräuchte man nur eine ausreichende Anzahl kleiner Action Cams und die entsprechende Rechnersoftware, aber angesichts der Anschaffungskosten ist das aktuell für den Hausgebrauch noch recht unwahrscheinlich.

Überhaupt ist technisch noch einiges zu verbessern. So wird bei aller Begeisterung über die Brille doch immer noch die Pixelhaftigkeit der Filme kritisiert.

Schlegel: Es gab bereits einen spürbaren Qualitätsschub von der ersten zur zweiten Gear VR. Wir entwickeln die Displaytechnologie unserer Smartphones ständig weiter, dadurch verbessert sich auch kontinuierlich die Darstellungsqualität der Brillen.

Faber: Und die Brillen werden natürlich auch immer kleiner, leichter und handlicher. Mit steigender Bildqualität verschwimmen die Unterschiede zwischen Realität und Virtualiät immer mehr. Irgendwann denkt man, man ist wirklich da.

Könnte bald zu jedem Haushalt gehören wie TV und Stereoanlage: die Virtual-Reality-Brille

Foto: Samsung Electronics GmbH

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