Purer Luxus auf hoher See

Wie fühlt es sich an, einen eigenen Butler zu haben?

Eine Kreuzfahrt ist ja schon was Feines. Aber man stelle sich vor, man komme nicht nur in den Genuss des täglichen Meerblicks und der üppigen Büffets, sondern zusätzlich auch noch in den sehr exklusiven, einen eigenen Butler zu haben. Unser Autor hat es auf der MSC Splendida ausprobiert. Ein Erfahrungsbericht.

Von Hans Schloemer

Heiliger Klabautermann! So sieht das also aus, wenn Giganten parken. Bug an Heck liegen im Hafen von Barcelona gleich drei Ozeanriesen hintereinander. Das letzte in der Reihe der schwimmenden Hochhäuser ist dann also mein Schiff: die MSC Splendida.

Hunderte Passagiere checken an diesem frühen Nachmittag ein. Laufen im Kreuzfahrtterminal hin und her, fangen kleine Kinder ein, suchen den richtigen Empfangsschalter. Schon ziemlich verwirrend, dieses Gewusel. Da halte ich mich doch am besten an den roten Teppich. Dort sind keine Schlangen. Dort wartet nur ein Mann, der im Vergleich zu all den Leuten mit bunten T-Shirts, Shorts und Sonnenkäppis irgendwie aus der Zeit gefallen scheint. Er trägt einen dunkelgrauen Frack mit Weste, eine gestreifte Hose, eine dunkle Fliege. Und weiße Handschuhe, natürlich. Das ist also mein Butler – und ist er nicht goldig?

Die Queen Mary 2

Foto: dpa picture alliance

„Welcome, Mister Hans“, sagt er, und stellt sich artig als Ismail vor. Ismail von der Insel Mauritius. Mit dem gutem James aus „Dinner for one“ oder dem leichenblassen Lurch von der „Addams Family“ hat er allerdings nichts gemein. An dieser Stelle sollte ich vielleicht einräumen, dass sich bis dahin meine Erfahrungen mit Butlern aufs Fernsehen beschränkt hatten. Das ändert sich heute, denn als Gast des „Yacht Clubs“ auf MSC Splendida steht mir ein Butler zu. Als Gast des Yacht Clubs bin ich automatisch ein VIP. Das ist das Konzept.

Gerade auf Massenmarkt-Schiffen pflegen Reedereien neuerdings exklusive Luxus-Bereiche, die nur gegen Bezahlung zugänglich oder komplett für Passagiere in teuren Suiten reserviert sind. Bei MSC ist es der „Yacht Club“, bei Norwegian Cruise Line „The Haven“. Der Queen Mary 2 von Cunard eilt gar der Ruf voraus, ein Drei-Klassen-Schiff zu sein: mit den Kategorien Britannia, Princess-Grill und Queens-Grill.

Butler-Service an Bord

Foto: MSC Splendida

Durchschnittlich gibt der Deutsche für seine Kreuzfahrt 1.492 Euro aus. Noch vor wenigen Jahren musste er für sein Ticket einige hundert Euro mehr drauflegen. Weil es immer mehr Spaßschiffe gibt, purzeln die Preise. Was ihnen beim Fahrtpreis verloren geht, versuchen die Kreuzfahrtanbieter mit Umsatzsteigerungen an Bord auszugleichen. Dazu gehört auch, kleineren Edel-Schiffen den exklusiven Markt hochpreisiger Reisen nicht kampflos zu überlassen.

Meine einwöchige Mittelmeerrundreise auf MSC Splendida von und bis Barcelona via Toulon, Genua, Neapel, Messina und Tunis kostet im „Yacht Club“ rund 2650 Euro. Dieselbe Reise und dasselbe Schiff erlebt man aber auch schon ab 750 Euro in der Innenkabine. Mit Verpflegung. Getränke kommen extra. 

Blick auf das Sonnendeck

Foto: MSC Splendida

Ohne langwierige Formalitäten geleitet mich Ismail an Bord. Dafür bin ich dankbar, ich hätte mich verlaufen, denn MSC Splendida ist ein Koloss der Meere. Um das etwas anschaulicher zu machen: Würde man die 333,3 Meter lange Splendida in Paris auf dem Heck aufstellen, würde sie den Eiffelturm völlig verdecken – inklusive Antenne. Die Gänge auf dem Schiff belaufen sich auf insgesamt sieben Kilometer. 1313 Crewmitglieder stehen bei voller Auslastung 3971 Passagieren gegenüber. Und die Kabinen sind diesmal alle gebucht – viele Familien mit Kindern sind an Bord. Entsprechend laut und lebhaft geht es zur Sache.

Zutritt nur für Mitglieder: der Yacht-Club

Foto: MSC Splendida

In der obersten Schiffsetage, hinter einer Tür mit der Aufschrift „Members only“, endet der Trubel schlagartig. Ismael führt mich an einem Concierge-Desk vorbei zu meiner Suite, eine von 99 im First-Class-Bereich der Splendida. Ich tauche in eine Welt aus Samtblau und Gold, staune über edle Hölzer mit Pfauenaugen. Meine Suite hat auch einen Balkon mit zwei Stühlen und ein großzügig dimensioniertes Bad. Ismail fragt mich nach Getränkewünschen, zwecks Bestückung der Minibar. Und ob er meinen Koffer auspacken dürfe. Das erste darf er gern tun, Auspacken kann ich alleine.

Kabine im VIP-Bereich

Foto: MSC Splendida

15 Butler arbeiten im „Yacht Club“, sie stammen aus Madagaskar, Russland, Indonesien. Sie sind eine besondere Spezies. Sie sehen alles, ahnen Wünsche voraus, bevor man sie selbst entwickelt hat, sind diskret und tun so, als sei es für den ihnen anvertrauten Passagier völlig normal, plötzlich über eine Art Leibdiener zu verfügen.

Mein Lieblingsplatz wird die „Observation Lounge“. Die vollverglaste Front bietet freie Sicht auf Meer und Anlaufhäfen. Zum Aperitif finden sich auch die anderen Gäste ein. Ein internationales Publikum – Spanien, Schweiz, Italien, Frankeich, Japan, China, Kanada, USA. Täglich lockt sie ein neues Buffet mit salzigen Häppchen, Törtchen, Pralinen. Und die guten Drinks. Ob „Martini-Cocktail“ oder „Negroni“ – die Barmixer verstehen ihren Job. Für Club-Gäste ist alles kostenlos, ausgenommen Edelspirituosen und Champagner.

VIP-Poolbar

Foto: MSC Splendida

Ich lerne auch, das weitläufige und angenehm ruhige VIP-Pooldeck zu schätzen. In Anbetracht dessen, dass weiter unten ungefähr 3900 Passagiere in eng aneinander gestellten Liegestühlen ihr Plätzchen an der Sonne zu behaupten versuchen und dabei musikalisch berieselt werden. Die Splendida ist ein italienisches Schiff, und der italienische Kunde mag permanente Animation. Stille wird offenbar als bedrohlich empfunden.

Anders im „Yachtclub“. In Aktion sind hier oben nur die jungen Männer in schneeweißen Shorts und Polohemden. Sie putzen, polieren, schrubben, wienern den lieben langen Tag. Messing, Holzplanken, Türen. Selten so ein blitzsauberes Schiff gesehen.

Edel! Auch Norwegian bietet mit „The Haven“ einen exklusiven Bereich an

Foto: The Haven by Norwegian / Der Courtyard

Umwerfend auch die Herzlichkeit und Zuvorkommenheit der Splendida-Crew, und das gilt nicht nur für den „Yacht Club“. All diese guten Geister sind von frühmorgens bis spätabends im Einsatz, und sie wohnen sicher nicht in einer Suite und wohl auch nicht in Einzelkabinen. Die meisten haben Verträge von sieben Monaten, keinen einzigen freien Tag, nur wenige Stunden Freizeit im Hafen. Neapel sehen und ganz schnell shoppen, dann legt das Schiff auch schon wieder ab.

„Wo möchten Sie heute Abend speisen, Mister Hans?“ Butler Ismail empfiehlt das „Olive“, exklusiv reserviert für Gäste des „Yacht Clubs“. Es befindet sich auf Deck 15 auf der anderen Seite, nämlich am Heck der Splendida. Der Weg dorthin führt durch die Entertainment-Bereiche auf Deck 6 oder 7. Das bedeutet für mich: hinaus aus meiner beruhigten Komfortzone und hinein ins quirlige Leben. Plötzlich begegnen mir unheimlich viele Menschen, wo kommen die denn alle her? Da werden Parfums und Schmuck verkauft wie auf einem Basar, verstellen einem Bord-Fotografen den Weg.

Da bin ich plötzlich heilfroh, als ich endlich im elegant eingedeckten „Olive“ Platz nehmen darf. Die Menüs sind erlesen, nur die Musik könnte etwas heiterer sein. Die „Matthäus-Passion“ zu Tagliatelle mit Steinpilzen? Schlägt ganz leicht auf den Magen. Und das „Adagio“ von Albinoni – übrigens zu Panna Cotta mit Himbeeren – wurde bei der Beerdigung von Leonid Breschnew gespielt.

Muss ich aber nun ein schlechtes Gewissen gegenüber den „einfachen“ Passagieren haben, als Profiteur einer Zwei-Klassen-Gesellschaft so privilegiert zu speisen? Eher nicht: Da MSC Splendida ein typisch italienisches Schiff ist, präsentiert sich das Essen in sämtlichen Bordrestaurants mehr als reichlich und von durchweg guter Qualität.

Einerseits ist es reizvoll, zwei Welten auf einem Boot zu erleben. Was aber dann eindeutig für den „Yacht Club“ spricht: Bei voller Belegung ist die Rückzugsmöglichkeit in die Stille der Verwöhn-Oase unbezahlbar. Vielleicht funktioniert das VIP-Konzept auf MSC Splendida auch zu gut. Denn nach nur einer Woche auf „Klassenfahrt“ bin ich für eine normale Tour auf einem Riesendampfer, wo um den Pool und am Buffet Gedränge herrscht, ein für allemal verloren.

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