Studie beweist!

Die First Class ist schuld, dass Economy-Passagiere ausrasten

Eine am Montag veröffentlichte Studie könnte bei den Airlines so einiges durcheinanderwirbeln. Denn laut der Untersuchung ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Ausraster unter Economy-Passagieren kommt, 3,84 Mal höher, wenn der Flieger über eine First Class verfügt. Warum das so ist.

Allein schon die Existenz einer First Class im Flieger kann mitverantwortlich dafür sein, dass manche Economy-Passagiere im Flugzeug ausrasten. Das ist das Ergebnis einer jetzt vorgestellten Studie der University of Toronto mit dem Titel „Physische und situationsbedingte Ungleichheit erlaubt Aussagen über die Wahrscheinlichkeit eines Wutausbruchs im Flugzeug“.

„Air rage“, also ein Wutausbruch von Menschen auf einer Flugreise, sei das Resultat einer „klassenbasierten Gesellschaft“, wie es in einem Auszug der Studie heißt, die nun in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) veröffentlicht wurde.

Die besten Deals & Storys: Jetzt für den TRAVELBOOK-Newsletter anmelden!

So untersuchte das Forschungsteam von der Universität Toronto rund um Katherine A. DeCelles über viele Jahre hinweg das Verhalten der Passagiere im Zusammenhang mit den Klassen im Flieger und fand heraus, dass die Klassenunterteilung in einem Flugzeug als Ungleichheit verstanden werden kann. Ein modernes Flugzeug sei dabei so etwas wie ein „sozialer Mikrokosmos“.

First Class sorgt für ein Gefühl der Ungerechtigkeit

Und jeder, der schon mal geflogen ist, dürfte verstehen, was damit gemeint ist: Wer in der „Holzklasse“ fliegt, hat für einige Stunden einen empfundenen Nachteil und Mangel, sofern es Bereiche und damit Passagiere gibt, die besser gestellt werden. Fluggäste empfinden das mehr oder weniger bewusst als ungerecht.

Während im vorderen Teil des Fliegers in der First Class den Gästen schon beim Einsteigen der Champagner angeboten wird, müssen Normalsterbliche in der Economy Class warten, bis das Flugzeug in der Luft und der Servierwagen endlich in ihrer Sitzreihe angekommen ist.

Genau so verhält es sich auch mit den Toiletten, die sich in der Eco wesentlich mehr Menschen teilen müssen, und auch mit dem Essen, das weniger schön präsentiert wird – und auch weniger schmackhaft ist –, der erlaubten Anzahl von Gepäckstücken, und, und, und. Das kann Neid und ein Gefühl von Ungerechtigkeit erzeugen, was laut der Studie die Passagiere zu Wutausbrüchen verleiten kann.

Passagiere seien sich wahrscheinlich gar nicht dessen bewusst, wie sehr sie die Ungerechtigkeit und das Gefühl von Mangel (im Vergleich zu den besser gestellten Passagieren, Anmerk. d. Red.) stresst, zitiert die Website von CNN DeCelles.

Mit Champagner und Häppchen werden Passagiere im Flieger begrüßt – allerdings nur die in der First- und Business Class. Alle anderen haben das Nachsehen

Foto: dpa Picture-Alliance

Auch interessant: Über diese Pferdeschwanz-Passagierin lacht das Netz

Alarmierendes Ergebnis

Bei der Untersuchung wird zwischen physischer Ungleichheit, wozu das reine Vorhandensein einer First Class im Flieger zählt, und situationsbedingter Ungleichheit unterschieden. Mit Letzterem ist gemeint, wenn Passagiere etwa beim Boarding durch die höheren Klassen geleitet werden, um zu ihrem Platz in der Economy zu gelangen.

Die Studie kommt zu dem überraschenden und gleichzeitig alarmierenden Ergebnis, dass allein schon durch die Existenz einer First Class im Flugzeug die Wahrscheinlichkeit eines Ausrasters unter Economy-Passagieren an Bord 3,84 Mal höher ist. Werden die Fluggäste beim Boarding durch die First Class geführt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von aggressivem Verhalten um den Faktor 2,18 im Vergleich zu einem Einstieg direkt in den Economy-Bereich.

Wie Salz in der Wunde: So empfinden manche Passagiere den Gang durch die First und Business Class auf dem Weg zu ihrem Platz in der „Holzklasse“

Foto: Getty Images

Auch interessant: Warum gibt es die First Class eigentlich noch?

Macht die First Class überhaupt noch Sinn?

Natürlich sind letztlich mehrere Gründe – und oft ein konkreter Auslöser – ausschlaggebend, ob sich ein Passagier auffällig verhält oder nicht. Da es eine reine Erhebung von Vorfällen ist, konnten die Forscher keine Interviews mit den Störenfrieden machen, um zu erörtern, was genau die Faktoren waren. Was die Studie jedoch eindeutig festgestellt haben will, ist, dass die First Class einen Einfluss auf das Verhalten der Passagiere in der Economy Class hat.

Die Untersuchung könnte nicht nur einen Einfluss bei der Entscheidung der Airlines haben, ob sie Economy-Class-Passagiere beim Boarding zukünftig wirklich noch durch die First Class führen wollen, sondern die Diskussion um die Sinnhaftigkeit der Luxusklasse weiter anheizen. Aufgrund mangelnder Rentabilität haben viele Fluglinien das Erste-Klasse-Angebot bereits reduziert. Einige leisten sich die First Class nur aus Prestige- und Image-Gründen.

TRAVELBOOK Escapes  – kostenlos anmelden und bis zu 70 Prozent beim Urlaub sparen