Umgangsformen auf Flugreisen

13 Benimmregeln – das ist der Knigge fürs Flugzeug

Beim Einstieg wird vorgedrängelt, gedrückt und das Handgepäckfach blockiert, im Flugzeug besetzt der Sitznachbar sofort die Armlehne – und während des Flugs schiebt der Vordermann den Sitz genüsslich in die Liegeposition und schränkt auf der ganzen Reise die Beinfreiheit ein: Moritz Freiherr Knigge verrät TRAVELBOOK, wie man sich auf Flugreisen richtig verhält. Seine 13 Benimmregeln.

Als Adolph Franz Friedrich Ludwig Freiherr Knigge (1752-1796) 1788 sein Buch „Über den Umgang mit Menschen“ veröffentlichte, ging es ihm um Eigenverantwortung und verantwortungsbewusstes Handeln in der damaligen Gesellschaft. Heute ist „Knigge“ gleichbedeutend mit Benimmregeln, deren Prinzip das Mit- und nicht das Gegeneinander ist.

Solche Umgangsformen gelten für alle Bereiche des täglichen Lebens, auch für das Reisen. Knigge-Nachfahre und Berater für Umgangsformen, Moritz Freiherr Knigge, hat sogar ein Buch darüber veröffentlicht: „Die Kunst des höflichen Reisens“, eine „Gebrauchsanleitung für den gepflegten Umgang unterwegs“. Für TRAVELBOOK hat er seine Empfehlungen für gutes Benehmen im Flugzeug aufgelistet.

Moritz Freiherr Knigge

Foto: www.freiherr-knigge.de

An erster Stelle stehen für Knigge die Höflichkeit und ein Bewusstsein dafür, dass man im Flieger nicht allein ist und auf engem Raum beieinander sitzt. Ergo: Wichtig sind hier besondere Rücksicht und Aufmerksamkeit gegenüber der Umwelt. Doch werden wir jetzt konkret. Hier sind die zwölf Knigge-Tipps für den Flieger.

1. Sitzlehne: Laut Moritz Freiherr Knigge räumen die Airlines den Passagieren das Recht ein, die Lehnen in ihrer Position zu verändern. Wer sich zurücklehnt, kann das tun, muss sich aber bewusst darüber sein, dass er damit seinen Hintermann beengt. Das kann beim Sitzen, Schlafen oder auch Essen der Fall sein. Ein kurzer freundlicher Blick nach hinten bzw. die Nachfrage, ob es in Ordnung ist, den Sitz zurückzulehnen, genügen oft schon, um den Hintermann nicht zu verärgern.

Höflich ist, den Hintermann zu fragen, ob das Zurücklehnen des Sitzes in Ordnung sei

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2. Armlehne: Hier empfiehlt Knigge Rücksichtnahme auf denjenigen, der in einer Dreier-Sitzreihe in der Mitte Platz nimmt. Während sich die Passagiere links und rechts auf „ihren“ Seiten abstützen können, kann die Person dazwischen die inneren Armlehnen nutzen.

3. Kommunikation: „Einem Menschen steht grundsätzlich ein Gruß zu“, sagt der Benimmexperte. Das gilt gegenüber den Flugbegleitern ebenso wie gegenüber dem Sitznachbarn – immerhin verbringt man eine gewisse Zeit im Flieger nebeneinander. Höflich sind ein Gruß sowie natürlich das „Bitte“ und „Danke“ in Gesprächen und der Augenkontakt.

4. Boarding: Wo eine Schlange ist, stellt man sich hinten an, erklärt Moritz Freiherr Knigge. Nach seinen Beobachtungen gebe es in Deutschland keine Kultur des Schlangestehens, hierzulande scheint es wichtiger, „möglichst schnell dranzukommen“. In England, so vergleicht der Benimmprofi, steht man sogar am Bus Schlange und steigt nacheinander ein.

5. Handgepäck: „Trolleys, die als Handgepäck verkauft werden, haben auch die entsprechenden Maße, um längs im Handgepäckfach verstaut zu werden“, erklärt Moritz Freiherr Knigge. Beim Einräumen sollte man das eigene Gepäck jedoch nicht „reinpfeffern“, sondern so unterbringen, dass noch Platz für das Gepäck der mitreisenden Passagiere.

6. Sitzplatz: Die Entscheidung liegt beim Reisenden. Wer gern schläft, kann sich einen Platz am Fenster suchen bzw. buchen. Schläft hingegen der Nachbar am Gang, dann ist es dem Benimmexperten zufolge absolut höflich, den Schlafenden zu wecken und freundlich zu fragen, ob man passieren kann, statt einfach über denjenigen zu klettern.

7. Boarding: Beim Einstieg kommt es im Flugzeug häufig zu unnötigen Schlangen auf dem Gang, weil einzelne Passagiere sich vor dem Abflug noch ihren Platz organisieren oder sich noch etwas die Beine vertreten wollen. Hier ist die Knigges Empfehlung klar: nicht im Gang stehenbleiben und anderen den Weg versperren, sondern in die Sitzreihe treten.

Beim Einstieg empfiehlt es sich, in die Sitzreihen zu treten, um kommende Fluggäste vorbeiziehen zu lassen

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8. Rollo: Das Rollo kann derjenige bedienen, der am Fenster sitzt, so Moritz Freiherr Knigge.  Arbeitet dieser z. B. an einem Laptop, und ist der Lichteinfall auf das Display zu stark, so obliegt es ihm, das Rollo zum Arbeiten zu schließen. Wer aus dem Fenster schauen möchte, fragt höflich nach, ob es der Sitznachbar öffnen kann.

9. Toilette: Oberstes Knigge-Gebot: Sauberkeit. Man sollte den Gang zur Toilette nicht unnötig ausdehnen, sondern sich bewusst machen, dass man nicht allein an Bord ist. Daher gilt: aus Rücksicht auf die anderen Fluggäste nicht länger als nötig auf dem stillen Örtchen verweilen.

10. Klatschen: Eine gelungene Landung – für manche ist sie eine Erleichterung, für Vielflieger Normalität. Moritz Freiherr Knigge jedenfalls findet es lächerlich, wenn man sich über Menschen, die am Ende des Fluges klatschen, aufregt. Das könne man doch jedem selbst überlassen.

11. Gespräche: Laut Knigge sollte man Lautstärke und auch das Thema der Umgebung anpassen. Also: nicht zu laut sprechen und sich in puncto Inhalt der Unterhaltung bewusst sein, dass man nicht allein an Bord ist. Auf beengtem Raum hören die Nachbarn nun mal mit – auch Lästereien.

12. Kinder: Sind Kinder an Bord, so sollten die Eltern laut Knigge die Kontrolle über sie wahren. Beiderseitiges Verständnis sei höflich – von Seiten der Eltern gegenüber den Mitreisendenm, die sich gestört fühlen könnten, und andersherum. Um andere nicht durch Herumlaufen und Lärmen der Kinder zu belästigen, empfiehlt es sich zudem, Spiel-, Mal-Sachen und Hörbücher mitzunehmen.

An Bord gilt: Rücksichtnahme und beiderseitiges Verständnis von Eltern gegenüber anderen Passagieren – und umgekehrt

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13. Elektronische Begleiter: Wer Telefone, Tablets und Computer an Bord nutzt, sollte laut Knigge darauf achten, dass die Umgebung nicht durch Geräusche gestört wird, also etwa durch Tastaturtöne oder Musik.

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