Unterwegs im Airbus A350 XWB

So reist man im modernsten Flugzeug der Welt

Es kommt nicht alle Jahre vor, dass ein neues Großraumflugzeug seinen regulären Betrieb aufnimmt. Im Januar war es aber wieder so weit: Auf der Strecke zwischen Doha und Frankfurt absolvierte der Airbus A350 seinen ersten Linienflug, im Juni folgte die Route zwischen Doha und Singapur. Doch nicht viele hatten bislang die Gelegenheit, im modernsten Großraumflugzeug der Welt zu sitzen. TRAVELBOOK hat den neuen Flieger getestet.

Von außen wirkt der Airbus A350 XWB relativ unscheinbar, von den gebogenen, nach hinten auslaufenden Flügelspitzen abgesehen. Doch wer das Flugzeug betritt, fühlt sich direkt auf ein Deck des „Raumschiff Enterprise“ versetzt, was neben der Beleuchtung vor allem auch an dem kuppelförmigen, gewölbten Eingangsbereich liegt, wo sich „Star Trek“-Fans statt der freundlich lächelnden Bord-Crew leicht auch Captain Picard, Commander Data oder den Klingonen Worf vorstellen können. Interessant ist jedenfalls, dass man beim Besteigen des Fliegers nicht gleich das Gefühl von Enge hat, sondern im Gegenteil, der erste Eindruck vermittelt: Platz!

Der Eingangsbereich ist so gestaltet, dass Passagieren nicht gleich das Gefühl von Enge vermittelt wird

Foto: Qatar Airways

Einmal drin im Flieger muss man bis zur Economy Class zunächst einmal durch die Business Class. Insgesamt 36 Sitze stehen hier zur Verfügung, die sich zu einem zwei Meter langen Bett umfunktionieren lassen. Neben einem persönlichen Gepäckfach, in das zwei Trolleys passen, steht den Business-Class-Gästen ein 17-Zoll-Monitor zur Verfügung.

Die Business Class von Qatar Airways

Foto: Qatar Airways

In der 247 Plätze umfassenden Economy Class, die in Form von drei Reihen mit jeweils drei Sitzen konfiguriert ist, fallen die recht großzügigen Gepäckfächer auf. Einziger Haken: Im offenen Zustand, was beim Einsteigen unter Umständen der Fall ist, sind im Mittelbereich die Platznummern verdeckt, sodass man dann etwas suchen muss.

Wer sitzt, ist schnell eingelullt vom angenehmen Ambiente. Gerade auf Nachtflügen, wie in diesem Fall auf der Strecke zwischen Katars Hauptstadt Doha und Frankfurt mit Qatar Airways, soll die LED-Beleuchtung die Reisenden in Entspannungsmodus versetzen. Auf längeren Strecken, über mehrere Zeitzonen hinweg, mildere das richtige Licht den Jetlag, heißt es. Und so erstrahlt die Kabine je nach Zeitpunkt der Reise in verschiedenen Tönen: mal in sanftem Blau oder violett. Passagiere merken von den subtilen Farb-Wechseln mitunter indes kaum etwas.

Die Flugzeug-Toilette im A350 – auch hier ist LED-Beleuchtung im Einsatz

Foto: Qatar Airways

Ob die im Vergleich zu älteren Flugzeugmodellen modernere LED-Technik wirklich dazu beiträgt, die Jetlag-Symptome zu reduzieren, sei dahingestellt. Am Ende ist es die Summe aus mehreren Faktoren, die darüber entscheidet, ob man den Flug ausgeruht und bestenfalls schon einigermaßen in die neue Zeitzone eingetaktet hinter sich bringt. Beinfreiheit gehört dazu, ebenso der Komfort des Sitzes.

In der Economy Class stehen jedem Passagier zwei Touchscreen-Monitore zur Verfügung

Foto: Qatar Airways

Bei Qatar Airways, bislang die einzige Airline, die den A350 einsetzt (auf den Strecken Doha-Frankfurt sowie Doha-Singapur), beträgt der Sitzabstand in der Economy Class mit bis zu 81 Zentimetern zwar eher dem Durchschnitt, dafür fällt die Breite des Sitzes mit 45 Zentimetern doch recht großzügig aus. Ohnehin hat man durch das schlankere Design des Sitzes das Gefühl, mehr Platz zu haben. Das liegt auch daran, dass die Kontroll-Box für das Entertainment-System im Sitzrahmen integriert ist und nicht, wie in vielen Flugzeugen noch üblich, darunter.

Statt eines Touchscreen-Monitors leuchten vor den Passagieren gleich zwei violett auf. Ein 10-Zoll großer und ein kleiner, der einem Smartphone gleicht. Letzteren kann man als separaten Bildschirm verwenden oder als Bedienung für den größeren. Das Entertainment-Programm – Spiele, 3D-Karten, etc. – ist auf das neue System zugeschneidert. Wer sein eigenes Programm vorzieht, kann Tablet oder Smartphone via USB oder iPort-Anschluss mit dem System verbinden – oder die Geräte ganz einfach nur aufladen.

Bessere Luft, weniger Druck

Beim Start – und auch während des gesamten Flugs – können Passagiere aus mehreren Live-Kameras wählen, wovon die Perspektive vom Heckflügel am eindrucksvollsten ist. Was schon bei der Präsentation des Flugzeugs lange vor dem ersten Linienflug betont worden war, nämlich, dass der A350 nicht nur besonders sparsam, sondern in der Kabine auch recht leise sei, merkt man als Reisender wirklich: Die durch die Motoren verursachten Geräusche sind relativ gering.

In vielen älteren Flugzeugen ärgern sich Passagiere häufig über die schlechte und vor allem trockene Luft in der Kabine. Für den Airbus A350 wurde deshalb eine Klimaanlage entwickelt, die alle drei Minuten die Luft austauschen soll und auch die Feuchtigkeit in der Kabine reguliert. Tatsächlich ist die Luft während der ganzen Reise von Doha nach Frankfurt frisch,  selbst als die ersten Passagiere anfangen, sich die Schuhe auszuziehen. Auch die Kabinendruckhöhe ist vergleichsweise gering – die Ohren danken es.

Der A350 wurde so konstruiert, dass er in puncto Energieverbrauch besonders effizient ist

Foto: Qatar Airways

Fazit nach circa sechseinhalb Stunden im modernsten Großraumflugzeug der Welt: Weil Airlines zunehmend unter dem Druck stehen, den begrenzten Raum optimal auszunutzen, wird bei der Entwicklung immer mehr Wert auf Details gelegt, die das Reisen für Passagiere bei fast gleich bleibenden und je nach Airline sogar geringer werdenden Sitzabstand in der Economy Class dennoch angenehmer machen sollen.

Dazu gehören neben einem modernen Entertainment-System eben auch Faktoren wie bessere Luft, angenehmere Beleuchtung, ein niedrigerer Geräuschpegel. Positiv am A350 ist zudem seine Effizienz in puncto Energieverbrauch: Derzeit gilt er als das sparsamste Flugzeug der Welt mit einem Kerosinverbrauch, der circa 25 Prozent unter dem vergleichbarer Modelle liegt.

25 Maschinen für Lufthansa

Bislang wurden erst fünf Maschinen an Fluglinien ausgeliefert, vier A350-900 sind bereits bei Qatar Airways im Einsatz. Insgesamt hat die Airline 80 Flugzeuge dieses Typs bestellt, darunter auch das größere Modell A350-1000. Im Juni wurde an Vietnam Airlines die erste Maschine ausgeliefert, die Ende des Jahres ihren Linienflug absolviert. Auch Lufthansa hat 25 A350-900 bestellt, deren Auslieferung Ende 2016 beginnen soll.

Die Reise wurde unterstützt von Qatar Airways. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

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