Onboard-Entertainment

Wer bestimmt das Unterhaltungsprogramm im Flugzeug?

Besonders bei längeren Flugreisen greifen Passagiere gerne auf das Onboard-Entertainment zurück, das die meisten Fluggesellschaften heute anbieten. Aber wer bestimmt eigentlich darüber, welche Filme gezeigt werden? TRAVELBOOK hat sich bei Experten umgehört.

Besonders bei längeren Flugreisen gehört das Onboard-Entertainment mittlerweile zum Standard – und ist bei den meisten Passagieren entsprechend beliebt. Schließlich bekommt man hier oft sehr aktuelle Kino-Blockbuster zu sehen. Allerdings kann der Film-Mix manchmal ziemlich bunt sein, so findet man zum Beispiel neben dem neuesten Action-Kracher auch jahrzehntealte Sandalenfilme im Programm. Nicht wenige fragen sich denn auch, wer eigentlich die Auswahl trifft – und dafür garantiert, dass im Flieger nicht etwa einen Katastrophen-Film mit Flugzeug-Absturz gezeigt bekommt? TRAVELBOOK hat sich das einmal von Experten erklären lassen.

Johannes Winter, Leiter Unternehmenskommunikation bei Condor, erklärt: „Das Entertainment-Programm an Bord unserer Flugzeuge wird von uns selbst eingekauft, über eine auf Bordunterhaltung spezialisierte Agentur. Dabei werden wir von der Agentur für die jeweilige Zusammenstellung unterstützt.“ Auch bei Lufthansa ist ein spezialisierter Dienstleister involviert. Anja Lindenstein, Pressesprecherin der Fluglinien, zu TRAVEKBOOK.de: „Das Produktmanagement der Lufthansa arbeitet eng mit Experten zusammen, einem sogenannten Content Service Provider.“

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Länderspezifische Angebote erfreuen sich großer Beliebtheit

Und wie kommt nun die Mischung zustande, die den Kunden an Bord angeboten wird? „Auf der Langstrecke, wo das Entertainment über Inseat-Bildschirme ausgestrahlt wird, sollten alle Genres vertreten sein“, erklärt Winter. „Action, Thriller, Comedy, Drama, Sci-Fi, Animation/Family. Dabei finden FSK-Klassifizierungen, Sprachverfügbarkeiten und Filmbewertungen Berücksichtigung. Großer Beliebtheit erfreuen sich länderspezifische bzw. lokale Programme.“

Johannes Winter versichert zudem, dass man das Programm stets streng prüfe, um sicherzustellen, dass Passagiere beispielsweise keinen Film über eine Flugzeug-Katastrophe zu sehen bekämen. „Genauso achten wir darauf, dass jeder Actionfilm so geschnitten ins Programm kommt, dass er auch bedenkenlos von Kindern angesehen werden kann.“

Auch bei Lufthansa wird besonderen Wert darauf gelegt, dass neben einem abwechslungsreichen Programm für die ganze Familie auch „die vielfältigen Kulturen unserer Gäste“ berücksichtigt und Produktionen aus unterschiedlichen Ländern gezeigt würden, so Lindenstein.

Auch auf die Tatsache, dass immer mehr Fluggesellschaften an Bord Internet und sogar Streaming-Dienste anbieten, reagieren die Airlines: „Die Internetkonnektivität auf unseren Langstrecken soll heutzutage das klassische Entertainment nicht ersetzen, sondern vielmehr ergänzen“, erklärt Lindenstein. „Viele unserer Gäste schätzen die Möglichkeit, auf ihrem eigenen Gerät im Internet zu surfen und mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben, während sie gleichzeitig im Inseat Screen zum Beispiel einen Film schauen oder unser umfangreiches Audioprogramm genießen.“

Wie viel dieses Entertainment denn koste, dazu wollten sich die angeschriebenen Airlines auf Anfrage von TRAVELBOOK nicht konkret äußern. Anja Lindenstein sagt aber: „Wir investieren jährlich einen signifikanten Betrag in die Weiterentwicklung der Onboard-Entertainment-Systeme, Lizenzen und in die Hardware.“

Entertainment-Programm über Tablets und Smartphones

Um auch in kleineren, nicht mit individuellen Bildschirmen ausgestatteten Maschinen ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm anbieten zu können, gehen Airlines wie die brasilianische TAM oder Iberia Express zunehmend dazu über, die Smartphones und Tablets der Passagiere nutzbar zu machen. Dafür müssen sich Fluggäste in das Bord-WLAN einloggen – und können dann über das Intranet auf ein Angebot zugreifen.

Entschädigung bei Ausfall des Entertainment-Programms?

Angesichts der Tatsache, dass das Entertainment-Angebot heutzutage in vielen Maschinen zum Standard gehört, stellt sich die Frage, ob man bei einem Ausfall des Programms Anrecht auf Entschädigung hat. Reiserechtler Prof. Ernst Führich aus Kempten: „Der Fluggast hat in erster Linie das Recht, von A nach B zu fliegen.“ Und das sicher und pünktlich. Was den Komfort betrifft – also auch das Entertainment – muss er generell kleinere Unannehmlichkeiten und Störungen hinnehmen.

Aber: Wer für eine höhere Buchungsklasse, also First oder Business Class, viel Geld bezahlt hat, könne auch erwarten, dass das Entertainment dauerhaft funktioniert und nicht zeitweise oder ganz ausfällt. Ist der Ausfall also nicht nur kurzzeitig, der Flug lang und die Buchungsklasse teuer, habe der Passagier wahrscheinlich ein Preisminderungsrecht, wägt Führich ab. Aus seiner Erfahrung liege dieses bei maximal 20 Prozent des Flugpreises.

Passagiere in der Economy Class haben dieses Preisminderungsrecht eher nicht. Der Ausfall des Entertainments sei dort zwar auch ärgerlich, werde aber durch den billigeren Flugpreis kompensiert, so der Reiserechtler. Aber kommen bei einem Passagier der Economy Class mehrere Mängel in Sachen Komfort zusammen – etwa der Ausfall des Filmprogramms, des Lichts, ein defekter Sitz –, und ist der Flug dann auch noch sehr lang, könne auch er versuchen, einen Teil des Flugpreises zurückzubekommen.

Wichtig ist, die Mängel zu dokumentieren. Dafür lässt man sie sich vom Flugpersonal schriftlich bestätigen. Oder sucht sich Zeugen – möglichst mit Adresse und möglichst niemanden aus der eigenen Familie. Dann können Fluggäste versuchen, ihre Forderung gegenüber der Airline durchzusetzen. Wiegelt diese ab, bleibt noch die kostenlose Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp), der die meisten Airlines angehören.

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