Abenteuer Amazonas

6 Überlebenstipps für den Dschungel

Torsten Johannknecht hat das getan, wovon viele träumen: Er hat sich auf den Weg rund um den Globus gemacht. Für TRAVELBOOK schreibt er über seinen Trip. Nach Wochen in Kolumbien landete er in Peru, genauer gesagt: im Dschungel. Dort ließ sich Torsten erklären, wie man im Urwald im Notfall überlebt.

Von Torsten Johannknecht
1. Würmer als Nahrungsquelle

„Dieser Wurm hat eine Menge Proteine.“ Ich ahne, was jetzt kommt. „Der ist sehr gesund. Isst man den, kann man sehr gut im Dschungel überleben.“ Jepp, glaube ich. „Probier' ihn!“ Etwas befremdlich ist, dass sich der Wurm in meiner Hand noch bewegt. „Du musst ihn kauen, nicht einfach so runterschlucken.“ Eigentlich will ich hier gar nichts runterschlucken, weder gekaut noch unzerkaut. Ich dachte, wir machen nur einen kleinen Spaziergang im Garten unserer Dschungel-Lodge. „Los, iss!“ Was bleibt mir anderes übrig? Ich schmeiß mir die kleine, eklige Protein-Einheit ein. Kaue, schlucke sie runter. Dann warten, wie mein Körper darauf reagiert.

So eine Weltreise ist eben voller Überraschungen. Gut so. Denn die meisten sind positiv. So wie beispielsweise das eine Hostel in Kolumbien, direkt am Karibik-Strand von Palomino. Sensationell. Pool, Strand, tolle Menschen kennengelernt – für gerade mal umgerechnet 10 Euro die Nacht im Achterzimmer. Großartig! Aber nach etwas mehr als drei Wochen Kolumbien musste die Reise weitergehen. In den Dschungel von Peru. In den Amazonas.

Nach einer scheußlichen Nacht in einem Loch von Zimmer – mit vielen Spinnen, Kakerlaken und Dreck – und einer 13-stündigen Bootstour auf dem Amazonas komme ich in Iquitos/Peru an, in der größten Stadt der Welt, die man nicht über eine Straße erreichen kann. Nur mit dem Flugzeug oder eben per Boot. Von dort aus ab in den Dschungel! Fünf Stunden Anreise. Dann erreichen wir die Lodge. Wir? Mein zum Glück englischsprachiger Guide Vily (21) und ich. Das ganze andere Personal ist schon in der Lodge, wohnt zum Teil dort im Dschungel. Was steht natürlich zuerst auf dem Programm? Eine Dschungeltour.

Die besten Hotels in Iquitos finden Sie hier

Und da stehe ich nun: Mitten im Urwald, eine Machete in der Hand und ein Insekt im Bauch. Vily und mein zweiter Guide Waldir (18) stehen vor mir und freuen sich, dass ich ihre Köstlichkeit probiert habe. Und warten auf eine Reaktion von mir. Ich auch. Kommt das Vieh gleich wieder hoch, muss ich mich übergeben? Schließlich hab ich noch nie vorher was Lebendiges gegessen.

Diese Würmer sind eine prima Proteinquelle im Urwald

Foto: Torsten Johannknecht

Das Tierchen bleibt drin. Und abgesehen vom Ekel-Faktor schmeckte das Würmchen sogar gut. Doch es sollte nicht das einzige Mal sein, dass mich etwas an diesem Tag Überwindung kostet.

Denn die beiden im Dschungel geborenen Guides zeigen mir, wie man hier mit Hilfe der Pflanzen, Bäume und Tiere überleben kann. Ich lerne, dass einige Bäume gegen Krebs helfen und gut sind gegen Diabetes oder Entzündungen. Der Urwald als botanischer Garten, Restaurant und Apotheke in einem.

2. Zerriebene Termiten gegen Moskitos

Nächste Aufgabe: Meine Hand in ein Termiten-Haus stecken. Sehr witzig! Aber Vily meint es ernst, macht es vor. Und da krabbeln sie nun auf seiner Hand. Mir bleibt natürlich mal wieder nichts anderes übrig: Ich überwinde mich und halte meine Hand ins Nest. Sofort habe ich unzählige der kleinen Krabbel-Viecher auf meiner Haut. Ich wundere mich, dass sie nicht beißen. Zum Glück. Jetzt zerreiben! Denn zerriebene Termiten sollen am besten helfen, die lästigen Moskitos fernzuhalten. Aha. Wieder was gelernt.

3. Wasser aus Ästen gegen den Durst

Auf einmal holt Waldir mit seiner Machete aus, schlägt auf einen Baum ein. Er trennt ein Stück von einem Ast ab, spitzt ihn mit seiner Machete an. Und was passiert? Ich kann meinen Augen kaum trauen. Klares, reines Wasser fließt aus dem Ast. Wir alle trinken davon. Was es nicht alles so gibt im Urwald.

Durst im Urwald? Kein Problem: Es gibt Äste, aus denen kommt Trinkwasser

Foto: Torsten Johannknecht

4. Gegrillte Piranhas als Mittagessen

Später sind dann auch noch meine Künste als Angler gefragt. Hab' ich ja noch nie gemacht. Und natürlich sollen es gleich Piranhas sein, die gefischt werden wollen. Als Köder nehmen wir übrigens rohes Fleisch. Überraschenderweise klappt es sogar. Einmal. Ich habe tatsächlich einen Piranha am Haken. Zum Glück übernimmt Vily das Abfummeln vom Haken. Denn der Piranha hat tatsächlich messerscharfe Zähne. Und zappelt ordentlich. Später, beim Mittagessen, wird mir dieser dann auch serviert. Gegrillt. Ohne das Zappeln.

Iquitos hat auch gute Restaurants ...

5. Im Dschungel campen

Ansonsten steht während meiner vier Tage im Dschungel unter anderem noch Schwimmen mit pinkfarbenen Delfinen, auch Botos genannt, auf dem Programm. Da sind zwar auch Piranhas mit im Wasser, aber mir wird felsenfest versichert, die würden nicht beißen. Haben sie auch tatsächlich nicht. Genauso wie das Faultier, das ich bei einem anschließenden Spaziergang durch ein Dörfchen auf den Arm gesetzt bekomme. Auch interessant: eine Nacht im Dschungel campen. Schlafen unter und auf einer Plastikplane, in einem Moskitonetz. Ansonsten weit und breit nur Urwald.

Ein bisschen Kuscheln tut im Dschungel auch gut. Dem Faultier UND mir.

Foto: Torsten Johannknecht

Damit nicht genug. Besonders spannend ist die nächtliche Bootstour auf dem Amazonas. Zu dritt in einer etwas größeren Nussschale schippern wir durch die Nacht. Der Mond scheint, nur Umrisse sind zu erkennen. Außerdem haben meine beiden Guides und ich Taschenlampen dabei. Plötzlich aber passiert es!

Waldir gibt ein Zeichen, sofort reagiert Vily. Schnell stellt er den kleinen Motor aus. Waldir gibt mir zu verstehen, sofort das Licht auszumachen. Wird gemacht! Stille. Keiner bewegt sich, kein Licht außer das des Mondes. Es ist ganz schön unheimlich. Was hat Waldir vor?

6. Wie man mit bloßen Händen einen (kleinen) Kaiman fängt

Wir treiben langsam ans Ufer. Ich erkenne, wie sich Waldir bäuchlings ganz vorne auf die Bootsspitze legt. In der einen Hand einen Speer, in der anderen ein Paddel. Das legt er jetzt aber leise ab. Und dann passiert's! Waldir schnappt zu. Wasser plätschert, die Stille ist dahin. Das Bötchen wackelt beängstigend stark hin und her. Ich habe wenig Lust, jetzt ins Wasser zu fallen.

Plötzlich steht Waldir vorne im Boot. Er knipst sein Licht an der Stirn an – und hält einen Kaiman in den Händen. Wahnsinn, der Typ! Hat er mal eben mit bloßen Händen einen etwa 50 oder 60 Zentimeter großen Kaiman gefangen. Nachts im dunklen Dschungel des Amazonas. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus. Waldir übergibt das schöne Tier an Vily, der erklärt mir ein paar Sachen. Knapp zwei Jahre sei das Exemplar alt, also noch richtig jung. Bis zu zwei Meter groß kann diese Art werden.

So sehen Kaimane aus. Sie sind eine Unterfamilie der Alligatoren und kommen nur in Südamerika vor. Unser Exemplar war etwas kleiner als dieses hier.

Foto: Getty Images

Mit immer noch offenem Mund sitze ich da, lausche den Dschungel-Geschichten. Dann bin ich an der Reihe. Vily übergibt das Tier in meine Hände. Ich halte einen Kaiman fest! Und mittlerweile muss ich mich schon fast nicht mehr überwinden, so etwas zu tun. Natürlich entlassen wir das Tier später wieder in die Freiheit. Aber wenn es im Dschungel wirklich mal ums nackte Überleben gehen sollte, wäre so ein Kaiman sicher eine sättigende Mahlzeit.

Ganz schön aufregend, so ein Aufenthalt im Dschungel! Nach den vier Tagen bin ich völlig erschöpft – aber dankbar für die sensationellen Eindrücke und Erfahrungen! Ein Riesen-Dankeschön an Waldir und Vily von der Agentur „Jungle Wolf Expedition“. Die beiden haben mich sehr beeindruckt und einen super Job gemacht.

Nach insgesamt knapp einer Woche im Amazonas geht die Reise weiter nach Lima. Zivilisation. Großstadt. Ich freue mich drauf! Auch wenn ich da wohl keine Würmer mehr essen muss.

Torsten Johannknecht (2,05 Meter) zwischen seinen (sehr kleinen) Guides

Foto: Torsten Johannknecht

Lesen Sie von Torsten Johannknecht auch: Wie ich meine Weltreise geplant habe

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