Die Tourismuskrise am Nil

Ägypten – „Luxor und Assuan sterben“

Obwohl Ägypten wieder als sicher gilt, steckt der Tourismus weiter in einer tiefen Krise. Vor allem in Luxor sind viele Ägypter auf Hilfe angewiesen, um ihre Familien ernähren zu können. Eine Momentaufnahme.

Tourismusminister Hisham Zaazou ist optimistisch. Er beschwört das Comeback Ägyptens: 2015 werde wieder ein starkes Jahr. „Ich wette darauf, ich habe wirklich schon einige Wetten laufen“, sagt er. Dabei läuft das Geschäft am Nil bereits seit der Revolution 2011 äußerst schleppend. Man könnte auch sagen: Es existiert fast nicht mehr. Das größte Problem sei die Wahrnehmung der Urlauber. „Wenn wir die verändern, werden sich die Touristen wieder dafür entscheiden herzukommen“, ist Zaazou überzeugt.

Die Liegen um die Hotelpools in Luxor sind derzeit weitgehend leer. Der Tourismus am Nil stagniert immer noch

Foto: dpa / Philipp Laage

Der Nil ist kein „einfaches Produkt“

Ägypten unterstützt das Marketing der Kulturreiseanbieter, übernimmt die Landegebühren der Airports, subventioniert deutsche Charterflüge. Für Zaazou ist das alles eine Frage von Budgets, von Kapazitäten und Auslastungen. Der Nil sei eben kein so „einfaches Produkt“ wie das Rote Meer, erklärt der Minister. Das ist das große Problem.

Die touristische Sonnenseite Ägyptens liegt am Roten Meer. Badeorte wie Makadi Bay nördlich von Hurghada haben die Krise vergleichsweise gut überstanden

Foto: dpa / Philipp Laage

Ahmed Mohamed, 30, hat andere Sorgen: Es ist Freitag, als Muslim dürfte er heute gar nicht arbeiten. Und doch sitzt er vor seinem Shop auf dem Vorplatz des mächtigen Karnak-Tempels. „Ich habe eine Tochter, ein zweites Kind kommt bald, per Kaiserschnitt“, erklärt er. „Das kostet viel, ich brauche das Geld.“ Und so wartet Mohamed auf Touristen. Aber weil niemand kommt, macht er erst einmal Tee.

Ahmed Mohamed steht vor seinem Shop am Karnak-Tempel in Luxor. Von den Tagestouristen vom Roten Meer profitiert er wenig

Foto: dpa / Philipp Laage

Die meisten Touristen kommen derzeit nur für einen Tag vom Roten Meer herübergefahren. „Sie haben nicht einmal fünf Minuten Zeit, um in die Shops zu kommen. Es ist schwierig, mit ihnen ein Geschäft zu machen“, berichtet Mohamed. Die ägyptischen Tour-Guides seien auch keine Hilfe. „Sie bringen die Leute nur in die großen Läden, dafür kriegen sie dann eine Kommission. Jeder schaut nur auf sein Geschäft.“ Das ist eines der kleinen Probleme hier in Luxor.

Luxor ist eine Stadt, die vom Tourismus lebt – und ohne ziemlich ausgestorben ist

Foto: dpa / Philipp Laage

Die meisten Menschen, die in Luxor während der Krise ihre Jobs verloren haben, sind arbeitslos geblieben. Sozialhilfe gibt es nicht. „Bekämen die Leute keine Hilfe von ihren Nachbarn, würden sie sterben“, sagt Mohamed und dann: „Luxor und Assuan sterben.“

Warten auf Kundschaft: Am Eingang des Souks in Assuan spielt ein Junge auf seinem Handy. Der Markt wird von Urlaubern gerade nur selten besucht

Foto: dpa / Philipp Laage

„Wir sind eine grüne Oase inmitten eines Sandsturms“

Wer eine Kreuzfahrt auf dem Nil bucht, kommt eigentlich immer zu einem Landgang nach Luxor. Und die Stadt gibt derzeit ein eher betrübliches Bild ab. Im Souk versuchen es viele Händler erst gar nicht mehr mit ausgefeilten Verkaufstaktiken. „Ich akzeptiere jeden Preis“, sagt einer und hält ein Tuch in die Luft.

Die Händler im großen Souk von Luxor sind verzweifelt: Es kommen einfach zu wenig Touristen an den Nil

Foto: dpa / Philipp Laage

Ägypten hofft, bis Ende des Jahres wieder auf 850.000 deutsche Gäste zu kommen – das ist der Wert von 2013. Er liegt immer noch deutlich unter den 1,2 Millionen Reisenden in 2012. Die deutschen Veranstalter sind überzeugt, dass ein Ende der Flaute unmittelbar bevorsteht. FTI-Geschäftsführer Dietmar Gunz ist sicher: „Die Touristen haben wieder Vertrauen.“

Tourismusminister Zaazou beklagt, die deutsche Reiseindustrie habe das Rote Meer viele Jahre als alleinstehendes Zielgebiet verkauft, „so als wäre es ein eigenes Land für sich“. Dabei sei es zwischen Luxor und Assuan absolut sicher. Auch das Auswärtige Amt hat derzeit „keine Bedenken“. Zaazou verweist auf Libyen, Syrien und den Irak: „Wir sind eine grüne Oase inmitten eines Sandsturms.“

Datteln über Datteln werden auf dem Markt in Assuan angeboten. Hier können Urlauber auf kulinarische Erkundungstour gehen

Foto: dpa / Philipp Laage

Ahmed Mohamed, der Shop-Verkäufer vom Karnak-Tempel, interessieren die Weltlage und politische Absichtserklärungen wenig. Doch vor Kurzem wurde der Eintrittspreis für den Karnak-Tempel von sechs auf acht Euro erhöht. „Warum senkt man die Preise in der Krise nicht, sondern erhöht sie?“ Mohamed kann das nicht verstehen.

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