Warum will keiner bei den „Bounty“-Nachfahren leben?

Traumhafte Meuterer-Insel sucht verzweifelt Einwohner!

Ende des 18. Jahrhunderts ließen sich die Meuterer der Bounty auf Pitcairn nieder, heute kämpft die Insel um ihre Zukunft. Der Grund: Keiner will mehr auf dem traumhaften Eiland im Südpazifik wohnen. Jetzt werden Menschen gesucht, die auf der rund 50-Einwohner-Insel leben wollen. Sogar Land bekommen neue Siedler kostenlos.

Eine Insel abgeschottet vom Rest der Welt, mit Palmen, wilden Tieren und dem Meer vor der Haustür: Es klingt paradiesisch, wie ein Auswanderer-Traum, doch Pitcairn, die zum britischen Überseegebiet gehörende mysteriöse Insel im Südpazifik, sucht in Wahrheit händeringend nach Einwohnern – und findet keine.

Auf den ersten Blick ein echtes Paradies: Pitcairn im Südpazifik

Foto: Getty Images

Berühmt-berüchtigt ist die Insel seit Ende des 18. Jahrhundert. 1790 kamen auf dem bis dahin unbewohnten Fleckchen Erde die Meuterer der legendären Bounty an und ließen sich mit ihren polynesischen Frauen nieder. Es folgten blutige Konkurrenz-Kämpfe untereinander, die teilweise tödlich endeten. Auch Hungersnöte und Naturkatastrophen stellten die Bewohner in den nächsten Jahrzehnten vor große Herausforderungen. Immer wieder mussten sie auf das Festland gebracht werden, oder bekamen von Tahiti und Neuseeland Nahrung geliefert.

Eine Tafel erklärt die Geschichte der Insel-Entdeckung

Foto: Getty Images

Die Geschichte der Meuterei auf der Bounty diente als Stoff für mehrere Filme. Die bekannteste Verfilmung ist die von 1962, in der Marlon Brando die Rolle des Fletchers Christian übernimmt.

Eine Szene aus dem Film „Meuterei auf der Bounty“ mit Marlon Brando

Foto: dpa picture alliance

Bis heute leben auf Pitcairn die Nachfahren der Meuterer. Laut Angaben der Regierung, die sich etwa 5000 Kilometer entfernt in Neuseeland befindet, gibt es 45 dauerhafte Einwohner und neun sogenannte Übersee-Spezialisten (Stand Dezember 2012).

Das Leben auf der Insel

So weit, so gut. Doch was sollte Menschen außerhalb des Insel-Kosmos dazu bewegen, hierher zu ziehen? Ein Vorteil könnte die exklusive, abgeschottete Lage sein. Ein Südsee-Idyll, das wohl nie von Touristenscharen befürchten muss. Laut eigenen Angaben verirrten sich im Jahr 2012 nur 870 Besucher auf die Insel. Das sind zwar doppelt so viele wie das Jahr zuvor (434), doch von Ruhestörung oder gar Massentourismus kann man definitiv nicht sprechen.

Hier verirrt sich so schnell keiner hin: Die Insel ist etwa 5000 Kilometer von Neuseeland entfernt

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Auch das Wetter könnte auswanderwillige Menschen auf die Insel locken: Die Temperaturen betragen im Sommer zwischen 20 und 30 Grad. Im Winter (Mai bis Oktober) wird es nicht kälter als 17 Grad. Dann können allerdings die unbefestigten Straßen matschig und rutschig werden.

Was Pitcairn sonst zu bieten hat? Einen Baumarkt, ein Postamt und einen Haushaltswaren-Laden, in dem man – wenn auch nur vierteljährlich – Essen von Neuseeland ordern kann. Aber es gibt einen Haken: Alle Geschäfte haben nur dreimal die Woche geöffnet, und das Angebot ist eher spärlich. Ansonsten gibt es ein kleines Krankenhaus, eine Bücherei, eine Kirche und für die Insel-Kinder eine Schule. Die Lehrer arbeiten hier für ein Jahr.

Hervorzuheben sind auch die sehr niedrigen Lebenshaltungskosten, die laut eigenen Angaben bei umgerechnet 6300 Euro im Jahr liegen.

Unbefestigte Straßen, dichter Dschungel: Zum Fortbewegen nutzen die Einheimischen Quads

Foto: Getty Images

Laut Regierung haben alle Häuser auf der Insel Internet- und WLAN-Zugang. Das ist allerdings limitiert: Große Downloads sind also kaum möglich. Zwei Satelliten-Telefone können im Notfall genutzt werden, ansonsten sieht es mit der Kommunikation eher mau aus; ein eigenes Handynetz gibt es auf der Insel nicht. Man kann sich aber auf Neuseeland registrieren lassen und anschließend Textnachrichten empfangen und senden.

Wer sich an Meer, Strand und Palmen satt gesehen hat, für den stehen einige Fernsehsender bereit, allerdings können derzeit pro Haushalt nur zwei davon empfangen werden. Ein kleiner Trost: Die Kirche hat einen eigenen Channel, der den Namen „Hope“ trägt. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Wohnen und arbeiten auf Pitcairn

Häuser stehen derzeit nicht zum Verkauf, doch man kann kostenlos ein Stück Land pachten und auf diesem Grundstück ein eigenes Haus bauen. Kostenpunkt für letzteres: knapp 100.000 Euro für 160 Quadratmeter. Auch Land zum Anbau von landwirtschaftlichen Erzeugnissen könne gepachtet werden, natürlich ohne weitere Kosten.

Wer sich nicht sicher ist, ob er wirklich für immer bleiben will, kann auch erst mal bei einer Gastfamilie unterkommen.

Das größte Problem ist jedoch, auf der Insel Arbeit zu finden. Denn die gibt es nicht. Zwar gäbe es von Zeit zu Zeit Stellenangebote, schreibt die Regierung, doch auf die kann man lange warten. Die Regierung weist daraufhin, dass man auf Pitcairns nicht arbeiten muss – solange man finanziell abgesichert ist. Immerhin sollten die Lebenshaltungskosten (bei Selbstversorgung) relativ gering sein.

Das müssen Sie bei einer Auswanderung tun

Wen das alles überzeugt – oder anders herum: nicht abschreckt –, der kann sich für das Leben auf Pitcairn Island bewerben. Zwar ist es dafür nicht notwendig, vorher auf der Insel gewesen zu sein, doch die Regierung empfiehlt einen Besuch, bevor man sich für das Eiland entscheidet: „Das Leben in einer winzigen Gemeinschaft auf einer der abgelegensten Inseln der Welt sollte wohl überlegt sein“, steht auf der offiziellen Webseite.

Mit diesem Schild werden die Neuankömmlinge auf der Insel begrüßt

Foto: Getty Images

Wer Interesse hat, kann sich per Mail (immigration@pitcairn.gov.pn) bewerben. Liegen alle notwendigen Dokumente vor, müssen sich die Bewerber in einer Art Bewerbungsgespräch beweisen. Nach einem Monat wird eine Entscheidung gefällt, und es wird eine Bearbeitungsgebühr von circa 330 Euro fällig. Wie die britische Zeitung „The Telegraph“ schreibt, hat es bislang erst einen Bewerber gegeben. Die Regierung hofft aber, dass sich in den nächsten fünf Jahren insgesamt 80 Bewohner auf der Insel ansiedeln.

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