Durch den unbekannten Norden des WM-Landes

In den Bettlaken Brasiliens – und auf der Route der Emotionen

Lençois Maranhenses heißt die fantastische Dünenlandschaft im Norden Brasiliens – zu Deutsch: „Bettlaken“ von Maranhão. Denn von oben betrachtet wirken die Dünen wie riesige weiße Tücher, die sich über das Land legen. Von hier führt die „Rota das Emoções“ zum legendären Strand von Jericoacoara. Und diese Tour macht ihrem Namen alle Ehre: Auf der Route der Emotionen werden tatsächlich die verschiedensten Gefühle freigesetzt. Eine Reise nach Gefühlsbarometer.

Cornelia Tomerius Von Cornelia Tomerius


Als Buna über seine Heimat spricht, bekommt er feuchte Augen. Das würde nicht weiter verwundern, läge sie etwa am anderen Ende der Welt und er müsste sie schmerzlich vermissen. Aber nein, Buna ist nicht fern seiner geliebten Heimat. Er steht mittendrin.

Genauer: in dem kleinen Garten seiner Pension, der Rancho do Buna, die er hier in Atins vor einigen Jahren aufgebaut hat. Und dekoriert hat mit Palmenblättern und Mangrovenwurzeln, die zuweilen als Tisch herhalten. Wir ahnten ja, dass auf der „Route der Emotionen” Gefühle reichlich sind und vielfältig. Aber wie nennt man das, was den massigen Mann vor uns gerade überwältigt? Heimweh in der Heimat? Heimatliebe? Das Glück des Maranhensers?

Staunen über die Wüste

Auch wenn man Bunas Gefühle vielleicht nicht benennen kann, so doch zumindest verstehen. Denn der Ort, an dem er lebt, ist einzigartig schön. Lençois Maranhenses heißt die unwirkliche Dünenlandschaft im Norden Brasiliens – zu Deutsch: „Bettlaken“ von Maranhão. Denn von oben betrachtet wirken die Dünen wie riesige weiße Tücher, die sich über das Land legen und dabei leichte Dellen machen, so wie die Laken in einem soeben benutzten Bett. Eine unwirkliche Naturschönheit sind die Lençois Maranhenses: vom Wind zusammengeweht, vom Regen mit Wasser gefüllt, vom Besucher mit Staunen betrachtet.

Ewig möchte man durch den Sand stapfen, Dünen hochklettern und wieder herunterrutschen, ins Wasser springen und sich dort treiben lassen. Und theoretisch könnte man es wohl auch: Bis zu 40 Kilometer ziehen sich die Dünen vom Meer ins Hinterland, 80 Kilometer entlang der Küste. 1981 wurden 155 000 Hektar Sandberge zum Nationalpark erklärt.

Doch für Touristen ist nur ein kleiner Teil davon zugänglich: Die beiden Seen in der Südostspitze, Lagoa Azul und Lagoa Bonita, und ein Teil im Norden, dort wo sich die letzten Dünen vor dem Meer aufbäumen – und wo Buna seine Pension betreibt. Dessen Gefühle sind uns inzwischen übrigens reichlich egal, wir haben genug mit unseren eigenen zu tun: Fasziniert sind wir, überrascht und überwältigt, vergnügt und – glücklich.

Allerdings: Das soll sich bald ändern.

Zwischen zweifel und zuversicht

Die „Rota das Emoções“ verbindet die touristischen Highlights der Küste im Norden Brasiliens – die Lençóis Maranhenses, das Parnaiba-Flussdelta und den Strand von Jericoacoara, allesamt aufregende Orte. Doch auch der Weg zwischen den Stationen ist ein Abenteuer, das viele Gefühle freisetzt. Mal auf Buckelpisten, mal quer durch die Dünen geht es, selten auf richtigen Straßen.

Bis Parnaiba nehmen wir einen Jeep, der uns die andere Seite der Rota das Emoções beibringt: „Com emoção“ sagen die Anbieter von Jeeptouren dazu, wenn es auch mal etwas gewagter zur Sache geht. Und so fliegen wir über die Huckel, rasen durch Flüsse und Sandberge und kämpfen währenddessen mit den unterschiedlichsten Emotionen: mit Euphorie und Sorgen, mit Angst und Adrenalinschüben, mit Zuversicht und Zweifel. Als wir unser Ziel endlich erreicht haben, nur noch ein Gefühl: Erleichterung.

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Im drittgrößten Flussdelta der Welt

Das Delta do Parnaíba ist das angeblich drittgrößte Flussdelta der Welt. In einer kleinen Barkasse geht es zur Mündung des Parnaíba-Flusses in den Atlantik. Gemächlich tuckert das Boot durch schmale Wasserarme. Mangroven säumen die Ufer: mit Wurzeln wie Äste, als hätte man den Baum mit der Krone nach unten ins Wasser gesteckt.

Im Parnaíba-Flussdelta

Foto: Cornelia Tomerius

Doch dann verlässt das Boot die geschützten Wasserarme, begibt sich hinaus auf das offene Meer – und der Kahn gerät ganz schön ins Wanken. „Com emoção“, mal wieder. Ständig flutscht eine Welle über Bord, gerät das Boot ordentlich in Schräglage. Doch wir kommen unbeschadet an. Vor einer Landzunge klettern wir an einen unberührten, menschenleeren Strand, an dem alle Sorgen sofort vergessen sind – und ganz anderen Gefühlen Platz machen.

Sich einheimisch fühlen

Für die Strecke von Parnaíba nach Jericoacoara nehmen wir öffentliche Verkehrsmittel. Busse verkehren in dem Sand natürlich nicht, dafür aber Jeeps mit verschraubten Brettern auf der Ladefläche. Rückenlehnen gibt es nicht und so suchen wir hilflos Halt. Mit uns an Bord: 18 Einheimische und zwei weiße Hühner in einem Käfig.

Doch statt wie richtige Einheimische fühlen wir uns dem Geflügel merkwürdig nah: Eingezwängt einer ungewohnten Situation ausgesetzt, phänotypisch etwas heller als der Rest; und auch wir gackern aufgeregt, wenn der Fahrer mit Verve einen Sandhuckel nimmt und uns von der Stange hüpfen lässt – in einer Sprache, die außer uns niemand versteht.

Nach ein paar Zwischenstopps, weiteren Jeepfahrten und einer abenteuerlichen Flussquerung auf winzigen Floßen, die den Tonnen schweren Gefährten kaum gewachsen zu sein schienen und nicht nur beim Autobesitzer gewisse Gefühle freisetzten, sind wir am Ziel: Jericoacoara. Je-ri-coa-coa-ra. Der Name geht uns alles andere als locker über die Lippen. „Ganz einfach: Je-ri-coa ...,“ lehrt uns nette Mann in unserer Pousada, „ach, sagt doch Jeri. Machen sowieso alle.“ Und entspannen sollen wir uns. Das machen hier auch alle.

Blick auf den Strand von Jericoacoara von der Terrasse einer Pousada – mit der obligatorischen Hängematte

Foto: Cornelia Tomerius

Nichts fällt leichter. Denn Hektik oder Schnelligkeit wird ohnehin im Sand erstickt. Der liegt hier nämlich nicht nur am Strand, sondern hat den ganzen Ort ausgelegt, sogar in den Geschäften macht er sich breit – und bremst jeden aus, der ein bisschen zügiger vorankommen will.

Bob, der Australier, versucht es gar nicht erst. Er steht vor einer Bar und zeigt auf die Hunde im Schatten, die man Straßenhunde nennen würde, wenn, ja, wenn es hier denn Straßen geben würde. Schau, sagt Bob, wie gesund die aussehen. Und dass es immer etwas über einen Ort aussage, wie es den Hunden gehe. „Das hier“, schließt Bob, „ist ein guter Ort.“

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Das wird dem Reisenden spätestens dann klar, wenn sich die Sonne anschickt, am Horizont ins Meer zu tauchen und plötzlich Bewegung in die träge Masse kommt. Dann zieht es die Sportlichen zu den Volleyballnetzen und die Romantiker auf die Düne. Mit eisgekühlten Bierflaschen in den Händen erklimmen sie den großen Sandberg, um sich – oben angekommen – einen Platz gleich an der Kante zu sichern und damit den besten Blick auf den Strand. Auf die Capoeira-Tänzer, die Reiter, die Fischerboote – die Sonne am Horizont. Verliebte liegen sich in den Armen, Freunde prosten sich zu, jemand macht Musik.

Zieleinlauf der Emotionen.

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Die Route der Emotionen

Der Zusammenschluss: Seit 2005 vermarkten die drei Bundesländer Maranhão, Piauí und Ceará gemeinschaftlich ihre touristischen Naturwunder – die Lencois Maranhenses, das Delta von Parnaíba und den Strand von Jericoacoara – als „Rota das Emoçoes ”.

Pauschal oder individuell:
Reiseveranstalter bieten entsprechende Touren an. Man kann sich aber auch einfach einen Jeep mieten und losfahren. Wer es abenteuerlich mag, nimmt die öffentlichen Verkehrsmittel.

Unbedingt beachten:
Die Entfernungen sind nicht zu unterschätzen, von einer Station zur nächsten braucht man zuweilen Tage. Eine gute Reiseplanung, vor allem der Zwischenunterkünfte, ist sinnvoll. Nicht überall gibt es Pousadas und Hotels, und oft sind diese in einem sehr einfachen Zustand.

Beste Reisezeit:
Nach der Regenzeit, von Juni bis Oktober, wenn die Seen wieder Wasser haben.

Die Highlights der Route

São Luís: Anreise über den Flughafen São Luís und Start der Tour. Die Stadt ist bekannt für eine sehr lebendige Reggae-Szene und das hübsche Zentrum, das seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe ist.

Die Lençóis Maranhenses:
Die Wüste Brasiliens liegt etwa 250 Kilometer südwestlich von São Luís. Sie zieht sich etwa 80 Kilometer an der Küste entlang und 10 bis 30 Kilometer ins Landesinnere.

Das Flussdelta von Parnaiba:
Das drittgrößte Flussdelta der Welt – nach Mekong und Nil – hat einen Durchmesser von ca. 100 Kilometern.

Der Strand von Jericoacoara:
Der Strand ist eine Legende, einst Hippi-Paradies, heute Ferienort. Jericoacoara liegt 300 km westlich von Fortaleza.

Fortaleza:
Hauptstadt des Bundesstaates Ceará und touristisches Zentrum mit zahlreichen Stränden und Hotels. Hier endet die Tour, Rückflug vom Flughafen Fortaleza.

Wussten Sie, dass...

... es in Rio im Jahr 1947 einen Anti-Bikini-Verein gab? Noch 1961 ließ Brasiliens Präsident Janio Quadros den Bikini verbieten.


... der brasilianische Schönheitsmarkt nur noch hinter den USA und Japan liegt? Seit 2010 kann man die Kosten für die meisten plastischen chirurgischen Eingriffe, auch medizinisch nicht notwendige, von der Steuer absetzen.


... vieles, wofür wir Brasilien kennen und lieben, einst ein Diktator zur Nationalkultur erklärt hat? Getúlio Vargas war es, der die brasilianische Identität in den 1940er-Jahren definierte – zum Beispiel über den Samba, den Fußball und die Feijoada, den deftigen Bohneneintopf.


... um die Zusammensetzung der Kautschuksohle der Havaianas so ein Geheimnis gemacht wie um das von Coca Cola oder Nutella? Die brasilianische Gummisandale wurde 1962 erfunden und galt als „Sandale der Armen“. Ihr ohnehin niedriger Preis wurde in den 1980ern von der Regierung sogar kontrolliert, so wie der von Reis und Bohnen und anderen Waren des täglichen Bedarfs. In den 1990ern wurde die Schlappe schließlich hipp – erst in Brasilien, bald auf der ganzen Welt.


... die erste Favela Brasiliens in Rio entstand? Ehemalige Rekruten des großen Canudos-Feldzugs von 1897 ließen sich auf einem Hügel Rios nieder und benannten ihn nach einer Anhöhe in Bahia: Alto da Favela. Favela wiederum heißt eine dornige Pflanze, die dort wuchs.


... der Strand in Brasilien ein öffentliches Gebiet ist und für alle zugänglich sein muss? Laut einem Gesetz von 1831 gilt das für den Streifen von 33 Metern landeinwärts – und zwar auch für Hotelstrände oder auf Privatinseln. Einzige Ausnahme: Marinegebiet.


... Brasilien nach Nigeria die zweitgrößte dunkelhäutige Bevölkerung der Welt hat?


... es in São Paulo wohl das beste Sushi außerhalb Japans gibt? Vor mehr als hundert Jahren wanderten die ersten Japaner nach Brasilien ein, heute sind 1,5 Millionen Brasilianer japanischer Abstammung. Das Viertel Liberdade in São Paulo gilt als das Zentrum japanischer Kultur in Brasilien.


... Brasilien laut Umfragen zu den Ländern gehört, die am meisten Zeit für Sex verwenden? Der Gesundheitsminister José Gomes empfahl sogar Geschlechtsverkehr gegen Bluthochdruck, Diabetes und Cholesterin.


Sicher durch Brasilien – 8 Tipps

Europäer scheuen sich aus Angst vor Armut und Kriminalität oft vor einer Reise nach Brasilien. Dabei hat das Land wichtige Maßnahmen getroffen, um die Sicherheit seiner Bürger und auch der Urlauber zu gewährleisten, z. B. wurden in Rio viele „Favelas“ befriedet, sodass sie mittlerweile selbst für Touristen als sicher gelten.

Dennoch sollten Sie in Brasilien einige Dinge beachten:

1. Nicht mit wertvollem Schmuck und teuren Accessoires (Spiegelreflexkameras) behangen Städte erkunden oder am Strand spazieren gehen.

2. Kleiden Sie sich am besten bescheiden: Sandalen, T-Shirt, (kurze) Hose.

3. Nehmen Sie immer etwas Bargeld mit, zwischen umgerechnet 20 und 50 Euro, um bei einem Überfall nicht mit leeren Händen dazustehen.

4. Ziehen Sie in Städten Metros den Bussen vor.

5. Erkundigen Sie sich vorher, in welcher Gegend sich Ihre Pension oder das Hotel befindet, lesen Sie Bewertungen und Erfahrungsberichte im Internet.

6. Meiden Sie nachts dunkle Gassen, besonders in größeren Städten.

7. Wenn Sie vorhaben, mehr zu trinken, sorgen Sie dafür, dass jemand dabei ist, der Sie sicher in ein Taxi setzen kann.

8. Sollten Sie jemals überfallen werden, verhalten Sie sich ruhig und tun Sie das, was von Ihnen verlangt wird.


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