Tristan da Cunha – mehr j.w.d. geht nicht

Der entlegenste bewohnte Ort der Welt

Sie ist winzig, nur ein Klecks im weiten Ozean – und wer sie besuchen will, muss für die Schiffspassage von Kapstadt fünf bis zehn Tage einplanen, je nach Wetter. Die Insel Tristan da Cunha im Südatlantik ist der entlegenste bewohnte Ort der Welt. TRAVELBOOK erklärt, warum sich eine Reise trotzdem lohnt.

Von Beate Krause

Raues Klima, Temperaturen um 15 Grad, viel Regen. Keine Traumstrände, keine Hotels, ein kleiner Supermarkt. Statt Remmidemmi nur ein Pub im Gemeindehaus, mit unregelmäßigen Öffnungszeiten. Massentourismus ist auf Tristan da Cunha (derzeit 267 Einwohner) ein Fremdwort. Wer auf diese Insel kommt, sucht Ruhe und Abgeschiedenheit.

Und die dürfte er hier finden: Die Vulkaninsel im Südatlantik gilt nämlich als entlegenster bewohnter Ort der Erde. Der nächste Landfleck ist die Insel St. Helena, 2430 Kilometer entfernt. Nach Cabo Frio in Brasilien sind es 3200 Kilometer, nach Kapstadt im Osten gut 2800 Kilometer.

1511 Meilen sind es bis Kapstadt, verrät das Schild

Foto: getty

Dort, in Südafrika beginnt die Reise nach Tristan da Cunha. Per Schiff, denn einen Flughafen gibt es auf der Insel nicht. Wer sie besuchen will, braucht Geduld: Nur etwa zehn Schiffe pro Jahr laufen sie an, und die Passage kann bis zu zehn Tage dauern. Ein Visum für die Einreise ist nicht erforderlich, da sie britisches Überseegebiet ist.

Ohne vorherige „Erlaubnis“ des Inselrats geht allerdings gar nichts: Touristen müssen sich per Email an den Administrator, den Präsidenten des Inselrats, wenden und darin neben persönlichen Angaben auch solche zu Reisezeit und der geplanten  Schiffspassage machen. In manchen Fällen muss ein polizeiliches Führungszeugnis eingereicht werden.

Der Hafen von Tristan da Cunha

Foto: getty

Urlauber sollten auch die gewünschte Unterkunft angeben, obwohl es nicht viel Auswahl gibt. Angeboten werden Ferienhäuser mit Selbstverpflegung (rund 20 Pfund pro Nacht) oder Privatunterkünfte, denn die freundlichen Inselbewohner nehmen gern Gäste auf: Für 50 Pfund die Nacht gibt es Unterkunft und Vollverpflegung.

Entdeckt wurde die Insel 1506 vom portugiesischen Admiral Tristão da Cunha. Die Briten annektierten sie 1816. Neben der Hauptinsel gibt es weitere Inseln: Inaccessible Island, Nightingale, Middle Island und Stoltenhof sind unbewohnt. Auf der Insel Gough, etwa 400 Kilometer südöstlich von Tristan gelegen, befindet sich eine betreute Wetterstation.

Die Hauptstadt Edinburgh of the Seven Seas vom Krater aus fotografiert

Foto: dpa

Alle Bewohner der Insel leben in der Hauptstadt Edinburgh of the Seven Seas, im Sprachgebrauch nur „The Settlement“ (die Siedlung) genannt. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie sich durch Landwirtschaft und Fischerei. Nachdem die ersten Siedler ihre Kinder noch nach England oder Südafrika zur Schule schicken mussten, gibt es seit den 1830er-Jahren ein Schulgebäude auf der Insel. Seit 1971 nimmt die St. Mary's School Schüler auf.

Auf ganz Tristan da Cunha gibt es nur sieben Familiennamen: Glass, Swain, Green, Rogers, Hagan, Lavarello und Repetto. Die Bewohner stammen allesamt von den damaligen Zuwanderern ab. Es gibt aber auch ein paar wenige „Ausländer“, darunter der Administrator mit seiner Frau und und ein Arzt mit ihren Familien.

Die Insel ist fast kreisrund, misst knapp 12 Kilometer im Durchmesser und ist die Kraterspitze eines mächtigen Unterwasservulkans

Foto: getty

Doch was machen Touristen auf der einsamsten Insel der Welt? Da Schwimmen nicht wirklich zu empfehlen ist: Wandertouren. Die Aussicht vom 2062 Meter hohen Vulkankegel „Queen Mary's Peak“ ist spektakulär. Naturliebhaber freuen sich über Felsenpinguine, Moorhühner oder den Gelbnasen-Albtross. Im Meer schwimmen Barten-, Pott- und Buckelwale sowie Orcas und Delphine.

In der Hauptstadt, die man in 15 Minuten praktisch in alle Richtungen durchquert hat, locken das Museum, das seit 1987 die Inselgeschichte dokumentiert. Im Post Office werden neben Briefmarken auch Kaffee und Snacks verkauft – dort ist das Café da Cunha untergebracht. Es gibt eine anglikanische und eine katholische Kirche und sogar einen Golfclub. Dafür aber nur einen Pub, die „Albatross Bar“. An manchen Tagen kann auch die Fischfabrik besichtigt werden, wo der berühmte Tristan Rock Lobster verarbeitet wird, ein Hummer, der nur in den dortigen Gewässern vorkommt.

Eine einsame Bushaltestelle, gleich neben Kartoffelfeldern

Foto: dpa

Ein Ausflug zur Nachbarinsel „Inaccessible Island“ ist empfehlenswert: Anders als ihr Name vermuten lässt, ist sie durchaus zugänglich. 2004 wurde sie von der Unesco zur Welterbestätte erklärt, weil sie Heimat vieler seltener Vogelarten ist. Sehenswert ist der Wasserfall (230 Meter hoch) und das vor der Küste liegende Schiffswrack „Blenden Hall“, das 1821 dort zerschellte.

Trotz – oder gerade wegen – ihrer Abgeschiedenheit: Die Menschen auf  Tristan da Cunha lieben ihre Insel „far from the madding crowd“ – die weit weg ist von all den verrückten Menschenmassen. Wegziehen kommt für sie nicht infrage. Selbst als ein Vulkanausbruch 1961 ihre Hauptstadt verwüstete und alle Bewohner nach England ausgeflogen wurden, hatten diese schon bald genug von der Zivilisation. 1963 kehrten sie zurück und bauten ihr Städtchen wieder neu auf.

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