Strippen an Hotspots: Trend oder Gag?

Warum immer mehr Touris blank ziehen

Immer mehr Touristen ziehen sich aus: und posieren nackt vor Wahrzeichen und Monumenten. In Machu Picchu in Peru waren es sogar so viele, dass die Polizei jetzt verschärfte Maßnahmen ankündigte. TRAVELBOOK über die neue Lust am Striptease vor Sehenswürdigkeiten.

Es wird immer schwieriger, mit Bildern aus dem Urlaub Aufsehen zu erregen. Da kann man sich auf den Kopf stellen – und zwar wörtlich –, aber so richtig orginell ist in der Ära des Selfis weder das, noch sind es die Posen, mit denen der Abgelichtete etwa den Turm von Pisa stemmt oder die Sonne in der Hand auffängt. Alles schon mal dagewesen, alles schon gesehen.

Da hilft eigentlich nur noch eins: die Hosen runterlassen.

Wer sich nackt vor Sehenswürdigkeiten fotografiert, hat nicht nur bereits im Akt des Aktstehens allerhand aufregende Momente, sondern kann auch sicher gehen, dass die Bilder in der Heimat ein echter Hingucker sind. Selbst wenn die anderen schon mal da waren, so haben Freunde, Follower und Verwandte den Eiffelturm oder das Taj Mahal garantiert noch nicht gesehen – auch wenn sehenswert dann wohl weniger die Sehenswürdigkeit ist, als vielmehr das eine oder andere entblößte Körperteil des Posers.

In Peru musste die Polizei eingreifen

Tatsächlich gibt es schon erste Reisende, die diesen Weg gehen und an touristischen Hotspots blank ziehen. In der Inkastadt Machu Picchu in Peru waren es sogar so viele, dass die Polizei jetzt einschritt. In einer Erklärung vor wenigen Tagen verurteilte das Kultusministerium des Landes „alle respektlosen Handlungen von Besuchern”, die nach Aufmerksamkeit heischten und kündigte an, die Überwachungsmaßnahmen zu verschärfen.

Dabei hat die Polizei in der Vergangenheit hier keineswegs tatenlos auf nackte Tatsachen geschaut: FKK-Poser wurden gejagt (siehe Video), oft über mehrere Stunden festgenommen und schließlich aufgefordert, die Aktaufnahmen auf ihren Kameras zu löschen. So geschah es etwa im November einem 18-jährigen Australier und einem 30-jährigen Neuseeländer. Auch wenn sie ihre Bilder löschen mussten, so hatten doch andere die Flucht der Flitzer gefilmt und ins Netz gestellt:

Was so schlimm daran ist, wenn junge Menschen nackt vor alten Mauern stehen? Man kann es sich denken. Zum einen wussten die Inkas nicht nur, tonnenschwere Gesteinsbrocken zu akkuraten Mauern zusammenzusetzen, sondern auch: aus der Wolle des Alpaca herrliche Gewänder zu weben. Warum also nackt herumlaufen, wo die Inkas es auch nicht taten? Doch viel wichtiger ist: Den Peruanern gilt Machu Picchu als heilige Stätte. Hier FKK zu betreiben wäre in etwa so, als würde man Weihnachten barbusig den Altar des Kölner Doms stürmen.

Auf Pferderücken und beim Ziptracking

Er wollte niemanden beschämen, stellt Amichay Rab aus Tel Aviv klar, dessen Aktfoto von Machu Picchu im Rahmen der Berichterstattung über die Stripper in Peru dieser Tage um die Welt ging – weil es auf seinem Blog My naked trip nun mal leicht zugänglich ist und Amichay Presseanfragen auch sehr schnell beantwortet. Er habe das Bild am Abend gemacht, als kaum noch Touristen in Machu Picchu waren, erklärte er der BBC. Ihm sei klar gewesen, dass die Ruinen ein heiliger Ort für die Peruaner sind. Und er habe großen Respekt davor.
 
Es war nicht das einzige Aktbild, das der Israeli auf seiner Reise geschossen hat. In seinem Blog sieht man ihn nackt in Chile, Bolivien, Nicaragua, Ecuador und Uruguay – vor Wasserfällen, Felsformationen, auf Pferderücken und beim Ziptracking (siehe Bildergalerie oben). Was ihn dazu gebracht hat, sich überall zu entblößen? Es war einfach zu heiß, erklärt er in seinem Blog. Ob das wohl auch für die Gletscher und Schneeberge galt, in denen man ihn sieht?

Für alle sichtbar: Fotoalbum der Facebook-Seite „Naked at Monuments”.

Foto: Screenshot/Facebook

Andere Nacked Traveller indes verbinden tatsächlich eine Mission mit dem Akt. Für Paul Marshall, der im März 2012 bei Facebook die Seite Naked at Monuments einrichtete, sei das Posieren vor Wahrzeichen eine Möglichkeit, „den eigenen Körper zu entgrenzen.“ Auf seinem Blog war bis vor kurzem noch zu lesen: „Wir sind glücklich, wenn wir in Spielfilmen Enthauptungen sehen, aber wenn wir einen nackten Körper sehen, werden wir nervös. Wir möchten diese Barriere gegenüber dem menschlichen Körper einreißen, und zwar auf eine lustige Art und Weise.”

Tatsächlich haben sich viele amüsiert über die Flitzer und Poser. Manche glaubten in der Bewegung gar einen richtigen Trend zu erkennen – hüllenlos reisen quasi als ebenso zukunftsweisend wie den Urlaub per App buchen oder im Weltraum-Hotel einchecken. Nur: Die Zahl der Exhibitionisten ist überschaubar, der Blog von Marshall nicht mehr erreichbar, seine Facebook-Seite: kaum gepflegt.

Wer nackt reist, braucht kaum Gepäck

Aber in gewisser Weise liegt das Nacktreisen tatsächlich im Trend: Denn wer nackt reist, braucht kaum Gepäck, was wiederum nicht nur gut ist für den Rücken, sondern auch für die Klimabilanz. Und das wiederum wäre in Zeiten, wo Nachhaltigkeit auch beim Reisen immer wichtiger wird, wahrlich trendy.

Einen Anfang in die Richtung, einfach auf Gepäck zu verzichten, machten übrigens zwei junge Menschen aus Nordamerika, die im letzten Sommer – nachdem sie sich gerade erst beim Online-Dating kennengelernt hatten – 21 Tage durch Europa tourten: und zwar nur mit den Sachen, die sie am Leibe trugen. Aber das, wiederum, ist eine andere Geschichte.

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