World Naked Bike Ride feiert 10-jähriges Jubiläum

Nacktradeln – freie Fahrt für freie Körper

In diesen Wochen schwingen sie sich wieder aufs Rad: die Nacktradler aller Länder, vereinigt für den World Naked Bike Ride, der auf der Nordhalbkugel immer am oder um den 14. Juni zelebriert wird – und das in immer mehr Metropolen der Welt. TRAVELBOOK über das freizügige Phänomen, das Ihnen auch an Ihrem Urlaubs-, wenn nicht Heimatort begegnen könnte.

Im Prinzip ist es die Steigerung vom Flitzer. Denn bei dieser Art von Protest geht es wie beim individuellen FKK-Sprint darum, durch nackte Tatsachen Aufmerksamkeit zu erzeugen – und das im besten Fall verbunden mit einer Message. Nur sind es beim World Naked Bike Ride nicht nur einer, sondern sehr, sehr viele Flitzer. Und diese bewegen sich, sofern sie wollen, denn auch sehr viel schneller als der Nackte per pedes. Schließlich fahren sie Rad.

Doch eilig haben es die Nacktradler auf ihren Touren durch die Metropolen der Welt in der Regel nicht. Im Gegenteil, schließlich wollen sie gesehen werden – und zeigen: wenn vielleicht nicht den bloßen Körper, so doch das liebevolle Bodypainting, die fantasievolle Kostümierung, die aussagekräftigen Plakate. Denn die Botschaft fährt schon noch mit beim Nacktradel-Event, das erstmals 2004 in Saragossa stattfand und nunmehr sein zehnjähriges Jubiläum feiert.

So sah es 2013 in London aus

Foto: getty

Anfangs ging es den Radlern noch in erster Linie um den Kampf für erneuerbare Energien und gegen die Abhängigkeit von Erdöl. 2006 hatte man die Botschaft reduziert auf das Radeln. Der World Naked Bike Ride will demnach das Radfahren in Metropolen promoten und ist somit für alles, was damit zu tun hat: für eine bessere und sichere Welt, für saubere Luft und weniger Autos, für mehr Freiheit und weniger Stau. Und: für mehr körperliche Bewegung, mehr Selbstbewusstsein zum eigenen Körper und – weniger Scham.

Vor allem Letzteres zog viele weitere Teilnehmer an: aus dem Lager der Nudisten und FKK-Jünger. Das sicherte dem Protest reichlich Zulauf, veränderte aber auch dessen Charakter. Inzwischen müssen die Veranstalter immer wieder klar machen, dass es auf ihren Touren zwar auch um freie Körperkultur gehe, wichtiger sei aber die Forderung: freie Fahrt!

So nackt wie du magst!

Dabei ist das Zweirad auf den Protestaktionen gar nicht Pflicht. Teilnehmen kann jeder, der sich durch eigene Kraft vorwärts bewegt. Das muss nicht das Fahrrad sein, auch Tretroller, Inlineskates oder Skateboards sind erlaubt. Auch Fußgänger dürfen mitmachen. Zudem ist das Adamskostüm kein Dresscode. Das Motto lautet vielmehr: „as bare as you dare“ – so nackt wie du dich traust. Anders als beim FKK-Strand, wo in jedem halb bis ganz Bekleideten ein potentieller Exhibitionist vermutet wird, darf hier also jeder so viel oder so wenig anziehen, wie er will.

Das in jeder Hinsicht freizügige Konzept scheint viele anzusprechen. Sahen im Jahr 2004 insgesamt 28 Städte in zehn Ländern auf vier Kontinenten die nackten Radler in ihren Straßen, waren es 2010 schon 74 Städte in 17 Ländern – von den USA über England und Ungarn bis Paraguay. In diesem Jahr, dem zehnjährigen Jubiläum, dürften es denn auch ein paar mehr sein.

Kein World Naked Bike Ride ohne Bodypainting, hier in Sydney 2010

Foto: getty

Die Fahrrad-Demos finden in der Regel an einem bestimmten Datum statt – auf der Nordhalbkugel am 14. Juni, auf der Südhalbkugel am 8. März – beziehungsweise in den Wochen davor oder danach (Termine siehe Kasten in der rechten Spalte). In manchen Städten wird die Demo bei schlechtem Wetter sogar verschoben, in anderen wiederum wird geradelt, egal, was sich am Himmel zusammenbraut.

Anstoß erregen die nackten Radler natürlich immer wieder, schließlich wird Exhibitionismus im öffentlichen Raum nicht überall einfach so geduldet. Die Aktionen müssen angemeldet werden, oft gibt es Auflagen, wonach die Demonstranten vielleicht nicht völlig nackt sein dürfen oder zumindest die Intimbereiche bedecken müssen. Nicht immer wird die FKK-Radtour genehmigt, so muss etwa die in Glasgow in diesem Jahr ausfallen.

Eine lange Tradition?

Zu Konfrontationen mit der Polizei kommt es denn auch eher selten. 2005 wurden etwa zwei männliche Radler in North Conway, New Hampshire, festgenommen – wegen unzüchtigem Zurschaustellen und Erregung öffentlichen Ärgernisses – und mussten am Ende 300 Dollar zahlen, allerdings nur noch wegen Ruhestörung. In Chicago wurden im selben Jahr sechs Radler festgenommen und ebenfalls verurteilt: manche sogar auf drei Monate Bewährung.

Übrigens hat das Nacktradeln vermutlich eine lange Tradition. Zumindest wird das auf der Seite der Organisatoren behauptet, wo man davon ausgeht, dass nach der Erfindung des Fahrrads im frühen 19. Jahrhundert so mancher Radler seine Kleider lieber auszog, schließlich waren diese zu dieser Zeit nicht sehr bequem und vermutlich sogar gefährlich für das abenteuerliche Vorhaben, sich auf zwei Rädern oben zu halten. Belegen lässt sich diese Vermutung hingegen nicht.

Impressionen von den freizügigen Radtouren gibt es oben in der Bildergalerie. Klicken Sie sich durch – und radeln Sie mit von London bis Mexiko-Stadt, von Kapstadt bis Melbourne.

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World Naked Bike Ride 2014

Es gibt zwei Termine für den World Naked Bike Ride 2014: für die Länder auf der Nordhalbkugel der 14. Juni, auf der Südhalbkugel der 8. März. An diesen beiden Tagen finden in den meisten Städten diese besonderen Radtouren statt, in manchen Städten und Ländern aber auch in den Wochen davor oder danach. Hier ein paar ausgewählte Termine für 2014:

7. Juni: München, Leipzig, Bristol
8. Juni: Brighton
12. Juni: Helsinki
14. Juni: London, Vancouver, Chicago, Dresden, Toronto, Mexiko Stadt, New Orleans
15. Juni: Oxford
20. Juni: York (GB)
5. Juli: Folkestone (GB), Montreal
19. Juli: Clacton on Sea (GB)
21. Juni: Brüssel
28. Juni: Exeter, Amsterdam
2. August: Montreal (hier wird nachts geradelt)

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