Annäherung zwischen USA und der sozialistischen Karibikinsel

Kommt jetzt das Ende des alten Kuba?

„Heute ändern die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Beziehungen zum kubanischen Volk.“ Mit diesen Worten begann Barack Obama am 17. Dezember 2014 eine Rede, die einen Wendepunkt in der jüngeren Geschichte beider Staaten darstellt – und womöglich Kuba des Charmes berauben wird, der jährlich Hunderttausende Touristen auf die Insel lockt.

Wer durch die Straßen von Havanna spaziert oder sich in einem der vielen Oldtimer fahren lässt, fühlt sich zwangsläufig zurückversetzt in der Zeit. In eine Zeit, die für die Kubaner die großen Veränderungen brachte: 1959, Revolution, Machtübernahme durch Fidel Castro. Und in den Jahren darauf: Handelsembargo, Kuba-Krise, Isolation.

Eine Isolation, in der sich die Kubaner zu helfen wussten. Zwangsläufig. Weil Autos und Investitionen aus den USA ausblieben, reparierten sie die Limousinen aus den 40er- und 50er-Jahren, renovierten und überstrichen die alten Fassaden, immer und immer wieder.

Heute ist dieses oberflächliche Eingefroren-Sein in der Zeit der Revolution für viele Touristen einer der Gründe, die Insel in der Karibik zu besuchen. Obgleich dann am Ende doch einige enttäuscht sind, wenn sie schließlich da sind – sei es angesichts der nicht unter Nostalgie abzutuenden Armut der meisten Kubaner oder aufgrund der Tatsache, dass in den vergangenen Jahren auch diese Nostalgie kommerzialisiert wurde.

Das Kapitol im Zentrum Havannas wurde 1929 gebaut.

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Foto: Getty Images

Eine neue Revolution steht an

Trotzdem könnte Obamas Rede vom 17. Dezember dem sozialistischen Land einen neuen Reiseboom bringen. Denn man muss nicht einmal zwischen den Zeilen lesen, um eine Prognose dessen zu wagen, was in Kuba in den kommenden Jahren passieren wird: eine neue Revolution. Die Insel wird überschwemmt werden von US-Dollar, -Investitionen und -Touristen.

„Mit den von mir heute angekündigten Änderungen wird es für Amerikaner leichter sein, nach Kuba zu reisen, und Amerikaner werden in der Lage sein, amerikanische Kredit- und Debitkarten auf der Insel zu nutzen,“ sagte Obama in seiner Rede. Niemand vertrete Amerikas Werte besser als das amerikanische Volk selbst, „und ich glaube, dass dieser Kontakt das kubanische Volk stärker machen wird“.

Stärker – und mittelfristig finanziell besser gestellt. Derzeit beträgt der monatliche Durchschnittslohn in Kuba rund 20 US-Dollar. Auf dem Schwarzmarkt verdienen sich viele ein zusätzliches Gehalt.

Che Guevara begegnet man in Kuba überall

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Obamas Kuba-Rede im Video:

Noch ist nicht klar, wie umfassend der kubanische Präsident Raúl Castro das Land für die US-Gelder öffnen wird, und wie schnell sie die Bevölkerung erreichen. Schon 2013 schien das Ende der Oldtimer-Ära besiegelt zu sein. Damals erlaubte man den Kubanern den Kauf von Neuwagen. Doch der Staat kontrollierte den Handel und somit auch die Preise, was zur Folge hatte, dass sich praktisch niemand ein neues Auto leisten konnte, weil die Kosten dafür in die Hunderttausende US-Dollar gingen.

Die Oldtimer prägen das Stadtbild Havannas. Die Kubaner selbst wünschen sich aber Neuwagen, die sie sich leisten können

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Die Richtung ist allerdings klar: Die Wirtschaft Kubas soll nach und nach liberalisiert werden, nach dem Vorbild Chinas. Und der stärkste potentielle und angesichts der Nähe „natürliche“ Wirtschaftspartner in der Region ist die USA, wo zudem fast 2 Millionen Menschen mit kubanischen Wurzeln leben, die gern die Insel besuchen und Verwandte finanziell noch stärker unterstützen wollen, als es bislang gesetzlich möglich war.

Somit bedeutet die jetzige Wende in den Beziehungen zwischen den USA und Kuba letztlich ein praktisch unumkehrbarer Prozess, an dessen Ende die Insel im äußersten Fall vielleicht nicht mehr zu erkennen sein könnte. Es seien Schritte eingeleitet worden, „die das Reisen, den Handel und den Informationsfluss von und nach Kuba erleichtern“, sagte Obama in der Rede. Er versprach, dass es für amerikanische Exporteure einfacher würde, ihre Waren in Kuba zu verkaufen. Heruntergebrochen heißt das: Kuba muss mit Millionen US-Touristen und -Autos rechnen, was nichts Schlechtes ist, aber eben wohl bald eine sichtbare Veränderung bewirken wird.

Vor allem in puncto Reisen muss man einen Blick nach Mexiko wagen, genauer gesagt nach Cancún. Der Massentourismus aus den USA hat dazu geführt, dass Hotelburgen entstanden, die zwar viel Geld einbringen, aber aus Sicht vieler einfach nur hässlich sind und zudem auch ein Publikum anziehen, das sich nicht viel um örtliche Gepflogenheiten schert, sondern vor allem auf Sex, Partys, Sonne und Strände aus ist.

Hat der Charme eine Chance?

Nun ist es nicht so, dass Kuba touristisch bislang unberührt geblieben ist. Viele europäische Hotelbetreiber, etwa aus Spanien, haben sich bereits auf der Insel niedergelassen und einige der oben beschriebenen Hotelburgen errichtet. Varadero ist touristisch mindestens so Mainstream wie die Dominikanische Republik.

Varadero auf der Halbinsel Hicacos ist neben Havanna das ein beliebteste Touristen-Ziel in Kuba

Foto: Getty Images

Allerdings hat Kuba noch viele bislang kaum besuchte Sehenswürdigkeiten, die im Zuge einer verstärkten Reisewelle aus den USA zwangsläufig erschlossen werden müssen. Am Ende wird entscheidend sein, wie und ob die sozialistische kubanische Regierung die Öffnung des Landes und den Erhalt des ganz besonderen Charmes vereinbaren kann.

La Habana Vieja (da alte Havanna) zählt zum Weltkulturerbe der Unesco

Foto: Getty Images

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