Von Monstern und hoch ansteckenden Viren

Plum Island – die gefährlichste Insel New Yorks

Plum Island liegt dicht an Long Island, wo die reichen und schönen New Yorker in den Hamptons gerne ihren Urlaub verbringen. Doch der Zutritt zu der nur sieben Quadratkilometer kleinen Insel ist streng reglementiert: Hier kommt nur rauf, wer auch befugt ist. Und verirren sich versehentlich Säugetiere nach Plum Island, werden diese sofort erschossen. TRAVELBOOK erklärt, was die Insel so gefährlich macht – und warum manch einer überzeugt ist, dass auf Plum Island Monster erschaffen werden.

Angelika Pickard Von Angelika Pickardt

Am 12. Juli 2008 tauchte an einem Strand in der Nähe von Montauk im US-Bundesstaat New York eine Kreatur auf, die man so noch niemals zuvor gesehen hatte: die Größe eines Hundes, aber fast haarlos, spitze Zähne und dazu eine Art Schnabel, der dickliche Körper in Teilen braun, in Teilen rosafarben. Vier Freundinnen hatten das unheimliche Wesen, das tot ans Ufer angespült worden war, während eines Strandspaziergangs auf Long Island entdeckt. Kurz darauf veröffentlichte die US-Zeitung „The Independent“ ein Foto des mysteriösen Kadavers – und die Welt begann zu rätseln, was das Meer da bloß ausgespuckt hatte.

Das „Montauk Monster“, wie die Kreatur schnell getauft wurde, sei eine Schildkröte ohne Panzer, vermuteten die einen. Ein kranker Kojote oder ein Hund, der längere Zeit im Meer gelegen hatte, meinten die anderen. Und schnell machte eine weitere Spekulation die Runde: Möglicherweise war es irgendein mutiertes Wesen, das bei Experimenten auf Plum Island entstanden und dann von dort entflohen war. Beweisen konnte diese Theorie letztlich niemand. Aber der Argwohn der Menschen gegenüber dem, was auf der kleinen Insel 2,5 Kilometer vor Long Island vor sich ging, wurde durch den Fund nicht unbedingt beseitigt – im Gegenteil.

Die langgezogene Plum Island liegt vor der nordöstlichen Spitze von Long Island

Foto: dpa Picture Alliance

Gefährliche krankheiten

Die Furcht der Menschen rührt daher, dass sich auf der Insel ein Hochsicherheitszentrum zur Erforschung von Tierseuchen und -krankheiten befindet. Gegründet wurde das Plum Island Animal Disease Center (PIADC) bereits im Jahr 1954, um insbesondere die Maul- und Klauenseuche zu erforschen. Die hoch ansteckende Viruserkrankung befällt vor allem Rinder und Schweine. Einmal ausgebrochen, verbreitet sich die Krankheit rasend schnell und das betroffene Vieh ist nicht mehr zum Verzehr geeignet. In den USA, in denen besonders viel Fleisch konsumiert wird, wollte man durch die Einrichtung des Forschungszentrums verhindern, dass die Maul- und Klauenseuche und andere Krankheiten zur Gefahr für die wirtschaftliche Stabilität werden.

„Die Maul- und Klauenseuche ist die ansteckendste Krankheit dieses Planeten und könnte zu einem Schaden in Höhe von 60 Milliarden Dollar für die US-Viehwirtschaft führen“, erklärt John S. Verrico, ein Sprecher des für Plum Island zuständigen U.S. Department of Homeland Security, auf TRAVELBOOK-Nachfrage. Das PIADC ist das einzige Labor in den USA, in dem die Erforschung der Maul- und Klauenseuche überhaupt möglich ist, denn auf dem Festland ist die Forschungsarbeit mit lebenden Viren dieser Krankheit per Gesetz verboten.

Auch die Rinderpest wird am PIADC erforscht und konnte durch die Erkenntnisse der Wissenschaftler weltweit zum Erliegen gebracht werden. „Das Labor bewahrt die einzigen Rinderpest-Erreger in ganz Nordamerika auf“, erklärt der Sprecher weiter und ergänzt: „Wie Sie sich sicher vorstellen können, wird die Insel absolut streng gesichert, damit das Risiko so gering wie möglich gehalten wird, dass diese oder andere gefährliche Krankheiten versehentlich oder absichtlich freigesetzt werden.“

Die Forschungseinrichtungen auf Plum Island werden unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen betrieben.

Foto: Google Maps

Höchste Sicherheitsstufe

Deshalb wird im Plum Island Animal Disease Center unter der biologischen Schutzstufe 3 gearbeitet. Das bedeutet, dass nur geschultes Personal in spezieller Schutzkleidung überhaupt Zutritt zu den Forschungslaboren hat und dieser Zutritt unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen stattfindet. Unter anderem herrscht in den Laboren Unterdruck, so dass nichts von innen nach außen gelangen kann. Mitarbeiter müssen beim Betreten und Verlassen durch eine Schleuse und werden am Ende eines Arbeitstags mittels einer speziellen Dusche vollständig dekontaminiert. Selbst Brillen werden mit einer speziellen Lösung bearbeitet, bevor sie das Labor verlassen dürfen.

„Manche Mitarbeiter mussten an einem einzigen Tag ein Dutzend Mal oder noch öfter duschen, je nach dem, wo sie gearbeitet haben“, sagt John S. Verrico vom U.S. Department of Homeland Security. „Wir haben außerdem rund um die Uhr bewaffnete Wachleute da, die speziell darauf geschult sind, die Anlage und unsere Mitarbeiter zu schützen.“ Wie hochsensibel und gefährlich die Aktivitäten auf Plum Island sind, zeigt auch die Tatsache, dass die Insel laut FBI auf einer Liste mit möglichen Anschlagszielen stand, die eine mutmaßliche Al-Qaida-Terroristin bei ihrer Verhaftung 2008 in Afghanistan bei sich trug.

Gefährliche Zwischenfälle

Die Insel selbst funktioniert weitgehend autark vom Festland, verfügt über ein eigenes Kraftwerk und ein eigenes Abwassersystem. Verirren sich wild lebende Säugetiere nach Plum Island, werden sie erschossen – zu groß ist das Risiko, dass sie sich mit gefährlichen Krankheitserregern anstecken und diese aufs Festland einschleppen. Mindestens drei Mal kam es in der Vergangenheit zu Zwischenfällen, bei denen Erreger der Maul- und Klauenseuche auf Plum Island freigesetzt wurden – zum Glück ohne eine weitere Verbreitung auf das Festland.

Nummerierte Forschungsrinder auf Plum Island

Foto: Keith Weller

Auch Erreger, die sich vom Tier auf den Mensch übertragen können, werden auf Plum Island eingefroren aufbewahrt. Nach einem schweren Hurrikan im Jahr 1991, der zu einem Stromausfall führte, fürchtete man, dass die Erreger nach draußen gelangt sein könnten. Im Jahr 2000 konnten Aktivisten aus Long Island verhindern, dass die Forschung im PIADC auf Krankheiten ausgeweitet wurde, die den Menschen betreffen.

Woher stammt das Montauk-Monster?

Bis heute gibt es nach wie vor Menschen, die behaupten, auf Plum Island fänden geheime, ja gar illegale Forschungen statt. Erhärten ließ sich ein solcher Verdacht nie. Aber wenn in der Nähe der Insel plötzlich ein deformierter Kadaver wie der von Montauk auftaucht, verwundert es nicht, dass ein solcher Fund von vielen sogleich mit dem Animal Disease Center in Verbindung gebracht wird. Der Sprecher des U.S. Departments of Homeland Security versichert: „An der Montauk-Monster-Geschichte ist nicht ein Fünkchen Wahrheit, und eine Verbindung zu Plum Island gibt es schon gar nicht. Das Forschungszentrum führt keine Experimente mit Tiermutionen durch.“

Weil nur ein einziges Foto von dem merkwürdigen Wesen existiert und der Kadaver gleich nach dem Fund spurlos verschwand, hatte nie ein Forscher die Gelegenheit, das Wesen eingängig zu untersuchen. Im selben Jahr des Fundes kam der „History Channel“ für seine TV-Serie „Monster Quest“ nach Plum Island, um dem Mysterium auf den Grund zu gehen.

„PIADC-Chef Larry Barrett konnte schließlich, indem er die Bilder von diversen Tierschädeln mit den Fotos des angeblichen Monsters verglich, nachweisen, dass der Kadaver vom Strand der eines Hundes der Rasse Boxer war“, sagt der Sprecher des US-Innenministeriums zu TRAVELBOOK. Und mit Hunden oder anderen Haustieren forsche man auf Plum Island schließlich gar nicht. „Der Kadaver wurde beschädigt, vermutlich durch eine Schiffsschraube oder ein Raubtier. Deshalb war er etwas zersetzt und aufgedunsen, was ihm ein einzigartiges und deformiertes Aussehen verliehen hat.“

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Weitere mysteriöse Funde

Doch der Argwohn der Menschen blieb. Vor allem auch, weil nach diesem ersten Fund 2008 noch weitere seltsam aussehende Kreaturen in New York aufgetaucht sind. Nur ein Jahr später berichtete Fox News von einem „neuen Montauk-Monster“, das auf Long Island angeschwemmt worden sei.

Foto: Pinterest

Im März 2011 dann fand ein Student am Strand von Northville auf Long Island einen aufgedunsenen Kadaver. Der US-Zeitung Riverhead News-Review sagte der Student damals: „Das Wesen, das ich fand, scheint dem Montauk-Monster in vielerlei Hinsicht zu ähneln.“ Und im Juli 2012 tauchte unter der Brooklyn Bridge ein weiteres ähnlich aussehendes Geschöpf auf, das den Namen „East River Monster“ erhielt. Obwohl letzteres eindeutig als Schweinekadaver identifiziert wurde, brachte man es erneut mit Plum Island und dem „Montauk-Monster“ in Verbindung.

Verschwörungstheoretiker werden wohl immer etwas finden, was die geheimnisvollen Gerüchte um die kleine Insel im Atlantik nährt. Fakt ist indes nur eines: Gefährlich ist das, was auf Plum Island passiert, auf jeden Fall. Solange aber die Sicherheitsmaßnahmen so hoch sind wie heute, dürften keine Krankheitserreger nach außen dringen. Und selbst wenn, liegt immer noch das Meer zwischen der Insel und dem Festland.

Doch genau das könnte sich bald ändern. Das U.S. Department of Homeland Security plant nämlich, das Tierseuchen-Forschungszentrum nach Kansas mitten auf den amerikanischen Kontinent zu verlegen. Spätestens 2024 soll das neue Labor, natürlich rundum modernisiert, seinen Betrieb aufnehmen.

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Insel wird nie bewohnt sein

Und was passiert dann mit Plum Island? „Plum Island wird letztlich von der Regierung an den höchsten Bieter verkauft“, sagt Ministeriumssprecher Verrico. Nach dem Verkauf wird die Insel dann zum Gemeindegebiet der Stadt Southold in New York gehören. Allerdings wird wohl niemand jemals auf Plum Island wohnen. „Es ist ausdrücklich vereinbart, dass die Insel nicht zu Wohnzwecken genutzt wird“, sagt Verrico. Zwar gebe es keinerlei Umweltgefahren, die eine Besiedlung verhindern würden. Allerdings hätten sich auf der Insel diverse Vogelarten angesiedelt, darunter einige seltene und vom Aussterben bedrohte. Man hoffe deshalb, dass der potentielle Käufer Plum Island in ein Naturschutzgebiet verwandelt.

Wer Plum Island besuchen möchte, kann an geführten Gruppen-Touren teilnehmen, die das PIADC regelmäßig organisiert. Mehr Infos und Kontakt hier.

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