Quantum of the Seas

Hinter den Kulissen des modernsten Kreuzers der Welt

Am 23. November legt die Quantum of the Seas, das drittgrößte Kreuzfahrtschiff der Welt und das größte, das jemals in Deutschland gebaut wurde, in New York zu ihrer Jungfernfahrt ab. TRAVELBOOK war vorab an Bord und hat sich dort umgesehen, wo normalerweise kein Passagier hinkommt. Hinter den Kulissen eines Kreuzfahrtriesen.

Angelika Pickard Von Angelika Pickardt

18 Restaurants, mehrere Pools, diverse Bars und Diskos, ein Fallschirmsimulator, eine Kletterwand, Autoscooter: Den Gästen des neuen Vorzeigeschiffs der US-amerikanischen Reederei Royal Caribbean wird so einiges geboten, damit es auf hoher See nicht langweilig wird. Rund 1500 Crew-Mitglieder kümmern sich darum, dass es den Passagieren an nichts mangelt – und sorgen für ihre Sicherheit. Vieles davon geschieht im Verborgenen, für die Augen der bis zu 4180 Gäste unsichtbar. TRAVELBOOK gibt einen Einblick hinter die Kulissen des nach eigenen Angaben modernsten Kreuzfahrtriesen der Welt.

DIE UNTERSTEN DECKS

Haben Sie sich schon immer gefragt, was in den untersten Decks des Schiffs so los ist? Im Grunde ist es der wichtigste Teil des Schiffes, denn hier befindet sich nicht nur der Maschinenraum, sondern von Deck 1 bis 3 aus wird quasi die gesamte Logistik des Schiffs gesteuert: Lagerräume für Lebensmittel und andere Güter, Stromversorgung, Wäscherei, Müllsortierung und -entsorgung, Kläranlagen für das Abwasser. Man darf nicht vergessen, dass ein Kreuzfahrtschiff losgelöst von der Infrastruktur des Festlandes funktionieren muss, ein bisschen wie ein autonomes Dorf.

Entsprechend viel los ist in den langen Gängen, die ein bisschen an eine Fabrik erinnern: Filipinos, Inder, Pakistanis und Menschen aller möglichen anderen Nationalitäten wuseln hin und her, tragen Kisten und Kartons und kümmern sich um alles, was auf einem Kreuzfahrtschiff eben so anfällt. Insgesamt besteht die Crew der Quantum of the Seas aus etwa 1500 Mitarbeitern.

Ein Blick in den Müllsortierungsraum offenbart, welche Mengen an Abfall sich nach nur einem einzigen Tag auf hoher See angehäuft haben: Kartons stapeln sich, riesige, prall gefüllte Säcke warten darauf, abgeholt zu werden. Alles wird zerschreddert und gepresst, um das Volumen zu reduzieren, wie ein Mitarbeiter erklärt. Auch sämtliche Glasflaschen werden in einem speziellen Schredder zerkleinert. Ein Abfallsack ist fast bis oben hin mit winzigen Glasstückchen gefüllt – wenn er voll ist, wiegt er eine Tonne.

Eine Tonne wiegt dieser Sack mit Glas, wenn er voll ist

Foto: Angelika Pickardt

Und wohin kommt der ganze Müll? In jedem Hafen, in dem die Quantum unterwegs festmacht, wird der Abfall abgeholt. Doch nicht in jedem Land funktionieren die Abfallentsorgung und das Recycling gleich. So muss etwa das Glas mal schon vorab auf dem Schiff nach Farbe sortiert werden, mal kommen Bunt- und Weißglas in denselben Sack. Auch das akzeptierte Volumen der Abfallsäcke ist von Land zu Land verschieden.

Die Reederei bemüht sich nach eigenen Angaben um eine möglichst umweltfreundliche Entsorgung des Abfalls: „Alles, was möglich ist, wird auf der Quantum of the Seas recycelt, wiederverwendet, gespendet oder von Müll in Energie umgewandelt, sobald es an Land gebracht wurde“, sagt Rich Pruitt, verantwortlich für Sicherheit und Umwelt bei Royal Caribbean. Auch das Klärsystem für Abwasser arbeitet laut Pruitt besonders fortschrittlich und umweltfreundlich.

Die Brücke

Normalerweise kommt auch hier kein Passagier hin: auf die Kommandobrücke – der Ort, an dem der Kapitän regiert und von dem aus das Schiff gesteuert wird. Auf der Quantum of the Seas wirkt die Brücke recht aufgeräumt, nur wenig Fläche wird von Geräten eingenommen. In der Mitte steht der Kapitänsthron, also das Cockpit mit seinen komplizierten nautischen Instrumenten und Kommunikationsgeräten.

Das Cockpit auf der Brücke ist immer von zwei Offizieren besetzt. Hauptverantwortlicher ist der Kapitän

Foto: Angelika Pickardt

Das Cockpit ist rund um die Uhr von mindestens zwei diensthabenden Offizieren besetzt. „Von hier aus kümmern wir uns um die sichere Steuerung des Schiffs“, erklärt Kapitän Srecko Ban. Die meiste Zeit übernehmen das allerdings die Computer. Erstaunlich klein ist der Steuerhebel, mit dem das Schiff bei Bedarf, etwa wenn ein anderes Schiff kreuzt, manuell auf Kurs gehalten wird. Kaum größer als ein Finger vielleicht.

Schwindelfrei muss man sein, wenn man im linken Brückenflügel durch ein in den Boden eingelassenes Fenster schaut. Denn darunter ist nichts als das tosende Wasser. Von hier aus wird das Schiff im Hafen manövriert, das Fenster gewährt freie Sicht auf den Kai.

Ein bisschen Überwindung kostet es, sich auf das im Boden eingelassene Fenster zu stellen. Zum Glück ist das Glas sehr solide und hält sogar Sprüngen stand, wie einer der Offiziere demonstriert

Foto: Angelika Pickardt

Kapitän Srecko Ban, der hier von allen „Felix“ genannt wird, stand schon auf drei anderen Kreuzfahrtschiffen von Royal Caribbean am Ruder. „Verglichen mit den anderen Schiffen ist die Quantum das am besten zu manövrierende Schiff“, sagt der gebürtige Kroate im Interview mit TRAVELBOOK. „Etwas, das wir zum ersten Mal überhaupt nutzen, ist ein Luftschmierungssystem am Rumpf.“ Dabei werden kleine Luftblasen unter den Schiffsboden geblasen, wodurch die Reibung im Wasser reduziert wird. Durch die Technologie gewinnt das Schiff an Geschwindigkeit, und der Treibstoffbedarf wird um bis zu 15 Prozent reduziert.

Kapitän Srecko Ban (r.) auf der Brücke. Einer der diensthabenden Offiziere checkt die Lage mit dem Fernglas

Foto: Angelika Pickardt

Wer denkt, der Kapitän halte sich die meiste Zeit über auf der Brücke auf, liegt falsch: „Ich verbringe viel Zeit an Deck, mit den Gästen und mit der Crew. Es gibt viele Veranstaltungen mit den Gästen, bei denen ich anwesend sein muss. Es geht darum, Präsenz zu zeigen und Kontakte zu knüpfen.“ Ein bisschen ist es also tatsächlich wie im TV-Klassiker „Das Traumschiff“, wo der Kapitän sich ständig unter die Passagieren mischt. Aber, so betont Quantum-Kapitän Srecko Ban im Gespräch mit TRAVELBOOK, sein Hauptjob bestehe immer noch darin, das Schiff sicher zu steuern und für die Sicherheit aller Menschen an Bord zu sorgen. „Ich habe ein Team von super ausgebildeten Leuten an meiner Seite. Ich bin der Verantwortliche, muss immer ansprechbar sein und mein Team betreuen, aber besonders viel Zeit auf der Brücke verbringe ich nicht.“

Die Sicherheitszentrale

Direkt neben der Brücke befindet sich die Sicherheitszentrale des Schiffs. Im Falle eines Notfalls wird von hier aus alles gesteuert, um die Sicherheit der Passagiere zu gewährleisten. Hauptverantwortlicher für alle Gefahrensituationen ist immer der Kapitän.

Ein perfekt funktionierender Evakuierungsplan ist auf einem Kreuzfahrtschiff unabdingbar, wie die Havarie der Costa Concordia im Januar 2012 erneut bewiesen hat. Im Zweifel gilt es, fast 6000 Menschen möglichst schnell vom Schiff zu bringen – auf hoher See kein einfaches Unterfangen.

Damit im Ernstfall alles reibungslos abläuft, müssen die Gäste der Quantum of the Seas eine erste Notfallübung absolvieren, noch bevor das Schiff überhaupt ablegt. „Wir bitten alle Passagiere, sich in 15 Minuten zu ihrer für sie vorgesehenen Muster Station zu begeben!“, ertönt eine Durchsage, nachdem das Boarding komplett ist. „Muster Stations“, das sind spezielle Sammelpunkte auf dem Schiff, wo sich die Menschen im Fall eines Alarms einfinden müssen.

Insgesamt 30 solcher Sammelpunkte gibt es, die meisten davon verteilen sich auf die Restaurants und Bars des Schiffs. Jeder Passagier bekommt beim Check-in eine bestimmte Muster Station zugeteilt, die für die gesamte Dauer der Fahrt bestehen bleibt. Die Nummer der eigenen Muster Station steht gut sichtbar auf der Schlüsselkarte, die man immer bei sich trägt. Der Weg zum jeweiligen Sammelpunkt ist ausgeschildert.

Über Bildschirme haben der Kapitän und seine Crew die Muster Stations jederzeit im Blick

Foto: Angelika Pickardt

Gesteuert wird das Ganze von einer speziellen Sicherheitszentrale („Safety command centre“), die sich direkt neben der Brücke befindet. Anders als auf den bisherigen Schiffen von Royal Caribbean ist diese Zentrale in drei unterschiedliche Sektoren unterteilt, erklärt Patrik Dahlgren, Offizier auf der Quantum of the Seas. „Im sogenannten Störfallraum befasst man sich mit den Notfällen“, erklärt Dahlgren. „Wenn Alarmstufe 1 herrscht,  also zum Beispiel wenn ein Feuer ausbricht, wenn das Schiff auf Grund läuft oder es einen Blackout gibt, dann wird das alles in diesem Raum erfasst und die nächsten Schritte werden koordiniert.“ Außerdem, so erklärt der Kapitän weiter, erfolge im Störfallraum eine laufende Überwachung der elektronischen Systeme an Bord. Sollte es zu einem Stromausfall kommen, gebe es mehrere Notfall-Aggregate, die auf dem Schiff alles am Laufen hielten.

Im Kommandoraum, der in der Mitte der Sicherheitszentrale liegt, hat der diensthabende Kapitän die Oberhand. Mehrere Bildschirme übertragen die Daten aus den beiden anderen Räumen, und der Kapitän trifft gegebenenfalls die Entscheidung, was als nächstes zu tun ist. Auch Durchsagen an die Passagiere können von dieser Stelle aus erfolgen. In der Mitte des Raums steht ein langer Tisch mit detaillierten Skizzen von jedem einzelnen Deck des Schiffs.

Im dritten Raum schließlich wird im Fall der Fälle die Evakuierung koordiniert und überwacht. Monitore übertragen Bilder aus den Muster Stations und zeigen genau an, wie viele Passagiere sich dort bereits eingefunden haben. „Sollte es zu einer Evakuierung des Schiffes über Rettungsboote kommen, wird hier auch angezeigt, wer in welches Rettungsboot steigt und wer noch fehlt“, erklärt Kapitän Dahlgren.

Der Monitor zeigt eine Übersicht der Muster Stations – und wie viele Passagiere sich dort im Falle eines Alarms schon eingefunden haben

Foto: Angelika Pickardt

Insgesamt verfügt die Quantum of the Seas über 16 Rettungsboote, die alle an Deck 5 außen an der Reling befestigt sind. Laut Royal Caribbean finden darin alle Menschen an Bord Platz, also die 4180 Passagiere und 1500 Crew-Mitglieder: „Für jeden Gast ist ein Platz in einem der Rettungsboote vorgesehen, zusammen mit 12 Besatzungsmitgliedern pro Rettungsboot, die sich darum kümmern, dass das Boot sicher zu Wasser gelassen wird und den Gästen mit Rat und Tat zur Seite stehen.“

Blick von Deck 12 runter auf die Rettungsboote, die hoffentlich niemals zum Einsatz kommen müssen

Foto: Angelika Pickardt

Lesen Sie auch: Quantum of the Seas – Der größte schwimmende Vergnügungspark der Welt

Die Reise wurde unterstützt von Royal Caribbean International.

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