Militär räumt an den Stränden auf

Thailand – das Ende der Beach-Partys

Ruhig ist es geworden um Thailand. Fast unbemerkt haben die Militärs, die seit dem Putsch am 22. Mai an der Macht sind, dem Land eine Art Generalkur verpasst. Einige Maßnahmen haben auch direkte Auswirkungen auf den Tourismus. So wurde nun beschlossen, die Strände zu säubern. Buden wurden abgerissen, Sonnenschirme und Liegen dürfen nicht mehr aufgestellt werden. Ist die große Party an Thailands Stränden vorbei?

So ganz durchschaut haben Thailand-Touristen ohnehin nicht, welche Bars, Clubs, Restaurants, Snackbuden und Massage-Hütten an Thailands Stränden legal waren bzw. sind und welche nicht. Zumal einige der Lokalitäten bereits seit Jahren in Betrieb waren und als feste Institution galten.

Und so wunderte sich so mancher Urlauber, als er bei einem Besuch seiner Lieblings-Beach-Bar plötzlich feststellen musste: Sie ist weg. Abgerissen! Genauso wie viele andere Bars, Restaurants, Jetski-Verleiher, Souvenirstände und sonstige Betriebe: entfernt – auf Anordnung der Militärjunta, die seit dem Putsch im Mai 2014 an der Macht ist. Seit einigen Monaten werden nun schon die Strände gesäubert, wobei zunächst Phuket im Fokus stand; die Maßnahmen wurden schließlich auf das restliche Land ausgeweitet. Bei einer groß angelegten Aktion seien einmal gar 1500 Militärpolizisten, -offiziere und -soldaten im Einsatz gewesen, berichtet das Online-Magazin „Thaizeit“.

Solche Stände wie hier am Haad Rin Beach auf Koh Phangan fand man früher an den meisten Stränden Thailands. Viele mussten nun schließen, weil sie keine Genehmigung hatten

Foto: Getty Images

Ziel sind „unberührte Strände“

Der beliebte Strand Laem Singh Beach auf Phuket wurde laut eines Berichts von „Clever reisen“ sogar komplett gesperrt. Betreiber mussten binnen kürzester eine Lizenz vorlegen, andernfalls wurde ihre Bude beseitigt. Auch das Vermieten von Sonnenschirmen und Liegen wurde untersagt bzw. eingestellt, denn die Küsten zählen zum öffentlichen Raum – bis auf wenige private Abschnitte, die von Hotels genutzt werden. „Unberührte Strände“ seien das Ziel, wie ein in Thailand lebender Deutscher gegenüber TRAVELBOOK erklärt.

Die Sonnenschirme und Liegen am Nai Yang Beach in Phuket sind verschwunden. Foto: www.thaizeit.de

Das Militär will die Gesetzlosigkeit an den Stränden des Landes stoppen. Wo man bisher immer ein Auge zudrückte, greifen die neuen Machthaber jetzt durch – und argumentieren mit einem landesweiten Kampf gegen die Korruption. Die Strände sind mittlerweile zum Symbol für die Lage im ganzen Land geworden. Das zeigt auch eine entsprechende TRAVELBOOK-Anfrage beim thailändischen Fremdenverkehrsamt. Dort wurde bei dem Thema direkt an die Botschaft verwiesen. Eine Anfrage dort blieb unbeantwortet. Fast meint man, die Militärs wollten im Stillen, aber mit aller Macht, das Land sanieren und es dann erst wieder der Welt präsentieren, wenn es vorzeigbar ist.

Die Reaktionen auf den „Beach clean-up“, wie er von vielen bezeichnet wird, sind widersprüchlich. Aus Sicht vieler Touristen und Naturliebhaber bedeutet das Durchgreifen, dass die Strände endlich wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden. „Doch gleichzeitig verschwanden auch die Strandliegen und Sonnenschirme, und jeglicher Service war dahin“, schreibt das Magazin weiter – und viele Thailänder wurden über Nacht ihrer Existenzgrundlage beraubt. Während es für manche bedeutete, dass sie lediglich die „illegale“ Vermietung von Liegen und Sonnenschirmen einstellen mussten, ihren „legalen“ Bar-Betrieb jedoch aufrechterhalten durften, war es bei anderen gleich das ganze Restaurant, das verschwinden musste.

Die Händler haben ihre Stände auf die Straße verlagert, wie hier am Nai Thon Beach. Allerdings kaufen hier wesentlich weniger Touristen ihre War. Foto: www.thaizeit.de

Viele Thailänder verlieren die Existenzgrundlage

In Khao Lak etwa traf es das Restaurant Elicious, das auf immerhin Tripadvisor 4,5 von 5 möglichen Sternen hat und von Urlaubern für seine Lage „direkt am Strand“ geschätzt wurde. In diesem Fall jedoch fanden die Betreiber zum Glück schnell eine neue Location rund 500 Meter vom Strand entfernt, wie sie TRAVELBOOK erzählten. Auch andere etablierte Locations wie zum Beispiel der Catch Beach Club passten sich an, verlagerten das Treiben und die Party vom Strand weg weiter nach hinten, wie „Thaizeit“ berichtet. Anstelle von Liegen bieten sie ihren Gästen am Strand nun Handtücher an. Penibel wird darauf geachtet, die Gesetze einzuhalten, regelmäßig finden Kontrollen durch die Polizei statt.

Thailands Strände sollen wieder in ihrem ursprünglichen Zustand erscheinen, so wie der Layan Beach in Phuket. Foto: www.thaizeit.de

Obgleich es auch Fälle von Schließungen langjähriger Clubs gab, zeigen die Beispiele, dass größere, bekannte Einrichtungen, die bislang gute Einnahmen zu verzeichnen hatten, meist eine Lösung für die neue Situation finden. Kleinere Händler und mobile Imbissbuden traf es härter, da sich viele keine Genehmigung leisten können, ganz zu schweigen davon, ein Strandgrundstück zu pachten oder gar zu kaufen.

Beach-Party-Verbot im Strandparadies

Touristen haben sich mittlerweile damit arrangiert, einige bringen nun ihre eigenen Liegen und Schirme mit, die meisten haben sich damit abgefunden, dass der schnelle Snack oder Cocktail nicht mehr an den Platz gebracht wird. Wo einst zum Teil wild gefeiert wurde, ist nun Ruhe eingekehrt. Denn in manchen Provinzen wie etwa Surat Thani, wo sich Hotspots wie Koh Samui oder Koh Phangan befinden, wurden nach dem Mord an zwei britischen Touristen am 15. September auf Koh Tao auch Beach Partys verboten – zur Sicherheit der Touristen. Die berühmte Full Moon Party auf Koh Phangan ist davon allerdings ausgenommen, noch. Auch da gibt es mittlerweile strengere Kontrollen durch die Gesetzeshüter. Die große Party, die jedes Mal etwa 30.000 Menschen anzieht, ist den Machthabern ein Dorn im Auge. Immer wieder kommt es bei der Orgie zu Schlägereien, die Besucher nehmen zum Teil harte Drogen. Und nach der Party sieht der Strand Haad Rin aus wie eine Müllkippe. 

Solche Bilder gehören zu jeder Full Moon Party auf Koh Phangan: Touristen, die neben dem Müll ihren Rausch ausschlafen

Foto: Getty Images

Der „Nationale Rat für Frieden und Ordnung“ (NCPO), wie sich die Militärregierung nennt, hat sich scheinbar fest vorgenommen, mit aller Macht Thailands Image aufzupolieren. Klare Botschaft: Drogen-, Party- und Sex-Touristen haben in Thailand nichts zu suchen. Ein ambitioniertes Ziel. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass freie Wahlen in dem Land, in dem seit Mai das Kriegsrecht gilt, kürzlich wieder verschoben wurden: auf 2016.

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