Trip durch Araukanien in Chile, Teil 1

Unterwegs im Land der Mapuche

Im Süden Chiles liegen einige der schönsten Gegenden des Planeten. Man bekommt eine Ahnung davon, weshalb die Menschen bisher in der Lage waren, die Erderwärmung und die damit einhergehende Klimakatastrophe weitestgehend zu verdrängen. Warum sollte man angesichts der Erhabenheit der schönen Natur sofortige Maßnahmen zu ihrer Rettung ergreifen? Man sieht ja nichts! Also: Hat es nicht noch Zeit bis morgen? Und vor allem: Gibt es nicht noch viel zu viele schöne Orte, scheinbar unberührte Flecken, zeitlose Oasen, die man besser heute als morgen bereisen möchte? Also heißt es: Geld verdienen, schaffen, schaffen, Reisen machen!

Von Franz Cardew

Während Feuerland als eine der wenigen Regionen gilt, die vom Klimawandel verschont bleiben soll, geht es hier im Folgenden um die Regionen weiter nördlich: Araukanien (XIII.) und Los Rios (IX.) liefern. Die Reise beginnt in Santiago de Chile, der Hauptstadt des Andenstaats, die Anfang November immer staubiger wird und im Dezember vollends im Smog versinkt.

Wer Las Condes, den Stadtteil der oberen Mittelklasse, auf einer der kurvigen, hügeligen Straßen in Richtung Nordosten verlässt, kann sich nicht nur einen Überblick über die enorme Dunstglocke verschaffen, sondern wird sich auch noch ein wenig an Hollywoods Twin Peaks erinnert fühlen. Wer das Glück hat, einen Mietwagen zu ergattern, der keinerlei zusätzliche Kosten abverlangt, verlässt die Stadt zu dieser Jahreszeit also voller Vorfreude Richtung Süden. Achtung: Rentalcars hat zwar unschlagbare Angebote, allerdings kann es sehr gut passieren kann, dass nachträglich noch erhebliche Kosten für z. B. Straßensteuern hinzukommen.

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Entgegen der Prognosen von Google Maps reisen wir (zwei Erwachsene plus Kind) flotter als vorgesehen, obwohl wir die vorgeschriebenen 120 km/h kaum merklich überschreiten. Wir verlassen die Panamerica hinter Chillan in Richtung Küste (ca. 10 Euro Mautkosten) und schaffen es weit über Concepcion hinaus. Die erste Nacht verbringen wir inmitten der Anbau- und Industriegebiete des Forstwirtschaftskonzerns Arauco, in der gleichnamigen Stadt.

Die meisten Cabañas (Holzhäuser) sind in dieser Jahreszeit ohnehin von Saisonarbeitern belegt. Hier bekommt man einen Eindruck von den Verheerungen der Holz- und Zellstoffproduktion. Sämtliche native Wälder mussten weichen, Eukalyptus-Monokulturen bestimmen das Bild südlich von Concepcion.

Die am besten bewerteten Unterkünfte in Chile

In Cañete machen wir am nächsten Tag Halt. Hier lässt sich der originale Urwald bestaunen, allerdings nur im Inneren eines Museums und auch das nur unter den Bedingungen einer Raumhöhe von ca. 3,50 Meter. Es ist das größte Museum des Volks der Mapuche, deren Kultur zuletzt auch durch die Expansion der Forstwirtschaft immer mehr bedroht wird. Im Museum, ein wenig außerhalb von Cañete, befinden sich großartige Exponate der Handwerkskunst. Es lässt sich außerdem ein Eindruck der Weltanschauung, Kosmovision und des spirituellen Vermächtnisses der Mapuche gewinnen.

Das indigene Volk der Mapuche stellt circa sechs Prozent der chilenischen Bevölkerung dar. Hier begehen sie ihr traditionelles Fest Nguillatún

Foto: Getty Images

MANCHERORTS SIEHT ES AUS WIE IN DEUTSCHLAND

Über Nacht bleiben wir für sagenhafte 24 Euro am Lanalhue-See, in den wunderschönen Cabañas Los Boldos. Wir sind nur zufällig darauf gestoßen, einem Schild an der Straße folgend (Valle de la luna), und genießen nun von unserer Terrasse aus einen herrlichen Ausblick. Der See lädt zum Baden ein. Man ist von hier aus zwar gleich am Pazifik, wer aber schon mal etwas vom Humboldtstrom gehört hat, weiß, dass zum Schwimmen ein Neoprenanzug vonnöten ist.

Die Cabañas Los Boldos am Lanalhue-See. Hier schläft man für ca. 24 Euro die Nacht

Foto: Franz Cardew

Eine Freundin, der ich ein Bild schicke, schreibt zurück, das sehe ja aus wie im Schwarzwald. Tatsächlich gibt es immer wieder Orte und Regionen, die nicht nur sehr stark von der deutschen Kolonisation seit 1848 geprägt sind, sondern auch landschaftlich an Süddeutschland erinnern. Kein Wunder also, dass sich die Deutschen hier nach wie vor sehr wohl fühlen und in großer Anzahl vertreten sind. 

DIE KULTUR DER MAPUCHE

Auch die Mapuche haben hier, südlich des Flusses Biobio, die meisten comunidades. Wer Glück hat, kann auch außerhalb des Museums einen Eindruck der Kultur bekommen, wenngleich meistens einen eher touristischen. Und wer näher hinsehen möchte, muss schon viel Zeit mitbringen und vor allem das Vertrauen eines der Einwohner einer Kommune gewinnen. Es wird aber auch häufig die Frage gestellt: Warum sollte ich dir meine Kultur zeigen? Was bekomme ich von dir? Und damit ist nicht Geld gemeint. Die Mapuche sind aufgrund der kompromisslosen Maßnahmen des Staates Chile sehr vorsichtig und verschlossen geworden – verständlicherweise. In den letzten Jahren wurde viele der ursprünglichen Mapuche-Ländereien und -Wälder privatisiert, um der Forstwirtschaft hohe Gewinne zu bescheren. Wer sich dagegen zur Wehr gesetzt hat, wurde häufig für Jahre weggesperrt, ohne fairen Prozess. Die Polizei untersteht dem Militär und greift hart durch. Es gilt immer noch das Anti-Terror-Gesetz aus Zeiten der Diktatur.

Doch auch hier bestätigen wie immer Ausnahmen die Regel. Die Küche der Mapuche ist größtenteils vegetarisch, die Sopaidillas (gebackenes Brot) und frischen Säfte sind köstlich. Am besten haben wir in Curarrehue, außerhalb Pucons gegessen.

Auf diesem Schild steht: „Mapuche-Küche – zum Kennen- und Schätzenlernen und genießen“. Drunter ist zu lesen: „Mapuche-Territorium ohne Wasserkraftwerke“

Foto: Franz Cardew

In einer Kurve, kurz vor dem Ortseingang, befindet sich das Restaurant auf der rechten Seite. Die Inhaberin und Köchin Anita (ja, deutsche Namen kommen bei den Mapuche häufig vor!) hat uns außerdem einen sensationellen Tipp gegeben. So sind wir nach dem Mittagessen nach Rio Blanco gefahren.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Erhabenes Araukanien – die Reise durch Chiles Süden

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Sehenswürdigkeiten in Chile

Wussten Sie, dass...

... es in Chile „Chile-Deutsche“ und „Deutsch-Chilenen“ gibt? Seit dem 19. Jahrhundert wanderten viele Deutschsprachige aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach in das südamerikanische Land ein. Die „chileno-alemanes“ bilden auch heute noch eine starke Minderheit. Sie werden je nach ihrem Integrationsgrad benannt. „Chile-Deutsche“ sind nach Chile ausgewandert und besitzen noch die deutsche Staatsbürgerschaft. „Deutsch-Chilenen“ wurden in Chile geboren, sind aber die Kinder deutscher Eltern. Sie haben die chilenische Staatsbürgerschaft und evtl. noch eine zweite Staatsangehörigkeit.

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