Reise durch Chile, Teil 2

Erhabenes Araukanien

Seite 2/2: In Rio Blanco ist unser Mietwagen beinahe zu Bruch gegangen, da wir nur Zweiradvorderantrieb hatten. Wer also in einen Geländewagen mit Vierradantrieb investieren möchte, ist nicht nur hier, sondern auch in den Kordilleren, von denen später noch die Rede sein soll, besser aufgehoben.

Von Franz Cardew

Rio Blanco ist ein völlig abgeschiedener Ort inmitten der Berge, circa 50 Kilometer Sand- und Schotterpiste hinter Currarehue. Rio Blanco, das waren auch einmal drei zerstrittene Brüder, die nun Cabañas vermieten, jeder für sich, mit Zugang zu natürlichen Thermen. Es sind heiße Quellen, die direkt aus dem Berg kommen. In mehreren Natursteinbecken kann man hier wie in einer großen Badewanne liegen, leider durch einen weniger hübschen Stacheldraht vom Nachbargrundstück getrennt – aus besagtem Grund. Doch der kleine Schönheitsfehler ist nicht weiter der Rede wert. Dahinter fließt der eiskalte Bergbach. So kann man also zwischen heiß und kalt wechseln – Kneipp lässt grüßen!

Campen direkt neben den Thermalquellen

Die Thermen erreicht man durch eine abenteuerliche Holzbrücke. Vor allem in einer kühlen, klaren Nacht mit Sternenhimmel ist das Erlebnis einzigartig. Camper finden hier ein wunderschönes Plätzchen direkt neben den Thermen. „Rico“ sagen die Chilenen zum Wasser, „lecker“. Es soll viel Magnesium und Zink enthalten. Wir haben es nicht probiert.

Die Nacht in der geräumigen Cabaña kostete umgerechnet 65 Euro, hat aber Platz für sechs Personen. Die Einrichtung ist schlicht, aber das spielt an solch einem unvergesslichen Ort keine Rolle. Señora Gladys ist eine herzliche Gastgeberin, die abends für uns kocht. Ihre Tochter, Enkeltochter und Urenkelin sind auch im Haus, in den Regalen stehen Einmachgläser mit Obst. Eine sehr familiäre Atmosphäre. Wer möchte, kann auch für 20.000 Pesos, circa 24 Euro, in einem Zimmer im Haus schlafen. Telefon und Netz gibt es nicht, der Strom kommt aus dem Generator, das Licht flackert wie Kerzenlicht. Romantisch.

Am Tag darauf fahren wir mit unserem völlig eingestaubten Auto (doch kein Achsenbruch!) über wackelige, baufällige Brücken, die wirklich kurz vor dem Einsturz sind. Leider haben auch hier ein paar Privatleute das Geschäft mit dem Holz gewittert. Die schweren Laster fahren nun über dieselben Holzplanken, die im Grunde kaum als Brücken zu bezeichnen sind. Hier würden im Ernstfall auch keine vier Räder weiterhelfen. 40 Kilometer weiter schlängelt sich der Lago Colico um den Berg, ein wunderschöner See, direkt am Fuß des Vulkans Villarica.

Der Lago Colico

Foto: Franz Cardew

Schwimmen am Fuße des Vulkans Llaima

Neben den spärlichen Privatgrundstücken gibt es einige schöne Camping-Möglichkeiten, allerdings wenige Cabañas. In Cunco angekommen, entscheiden wir uns, in den Nationalpark Conguillío zu fahren. Hier auf 1500 Metern, am Fuß des Vulkans Llaima (letzter Ausbruch 2008), liegt ein Bergsee, kristallin, tiefblau, auf der einen Seite umgeben von einer bewaldeten Bergkette, zumeist Araukanienwälder, auf der anderen Seite Magmafelder, zum Vulkan hin, der schneebedeckt ist. Trotz Hauptsaison sind wir nur zu siebt am See. Das Wasser ist unglaublich toll, genau richtig zum Schwimmen. Die Sonne ist allerdings sehr stark.

Araukanien, die heiligen Bäume der Mapuche

Enrique, ein humorvoller Chilene, den wir im Nationalpark kennengelernt haben, zeigt mit dem Finger Richtung Horizont: „Das Ozonloch? Ist gleich da vorne!“ Also unbedingt mehrfach mit Faktor 50 eincremen! Am anderen Ende des Sees befinden sich Unterkünfte. Hier beginnen auch die Urwälder. Die Araukanien, das sind die heiligen Bäume der Mapuche, Jahrhunderte lang Nahrungsgrundlage, hier stehen sie in voller Pracht. Enrique hat Forstwissenschaften studiert und zeigt uns die ältesten Exemplare, manche bis zu tausend Jahre alt. An einem bleibt er stehen, um ihn zu umarmen.

Der heilige Baum der Mapuche: die Araukanie

Foto: Franz Cardew

Abends übernachten wir bei Enrique in Temuco, weil wir sonntags auf den Markt wollen. Hier gibt es eine große Auswahl an Kunsthandwerk, handgewebte Teppiche und Ponchos, Originalinstrumente der Mapuche, außerdem Kräuter und Gewürze (ich würde jedem die Gewürzmischung „Merkén“ – Chilli, Koriander, Salz – empfehlen!).

Enrique und der 1000-jährige Baum

Foto: Franz Cardew

Die besten Unterkünfte in Chile

Vom Whirlpool auf zwei Vulkane blicken

Tags darauf fahren wir nach Panguipulli. Direkt am See finden wir die Cabañas El viejo roble. Wir scheinen dem Besitzer Rogelio sympathisch zu sein. Drei Tage später erfahren wir von der Putzfrau, dass er uns einen Spezialpreis gemacht hat. Trotz Hauptsaison nur 55.000 Pesos pro Nacht (das Ganze mal 1,4, weniger drei Nullen und man kennt den Preis in Euro) statt den üblichen 100.000. Und die Cabañas sind ausgesprochen luxuriös. Wer Kinder dabei hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Spielplatz und Trampolin befinden sich vor der Tür, es gibt außerdem eine Bootsanlegestelle mit Kayaks, Whirlpool, Fitnessstudio, Sauna. Abends im Whirlpool liegend, können wir gleich auf zwei Vulkane blicken, Villarica sowie Choshuenco. Mit dem Kayak fahre ich um eine Insel herum (leider ist die Insel von einem Immobilienhai aus Santiago bewohnt, betreten ist streng verboten!) und erblicke die vollen 28 Kilometer Länge des Panguipulli-Sees.

Der Vulkan Villarica

Foto: Franz Cardew

Märchenhafte Seen und verschmutzte Flüsse

Die ganze Region umfasst insgesamt sieben Seen (großartig auch: Lago Calafquén), einer so märchenhaft wie der andere. Man kann hier mit eigenen Augen sehen, was der amerikanische Sozialhistoriker Mike Davis vermutlich unter den „grünen Inseln“ versteht, auf die sich die Reichen flüchten werden, sollte der Planet in nicht allzu ferner Zukunft von Stürmen, Hochwassern und weiteren Naturkatastrophen heimgesucht werden.

Schneebedeckte Vulkane, mal tiefblaue, mal türkisfarbene Seen, umgeben von umwaldeten Bergen, Horste für unzählige Vogelarten in Richtung der Kordilleren, verschmutzte Flüsse, gigantische Staudammprojekte und kahl gerodete Flächen, so weit das Auge reicht, auf der anderen Seite, in Richtung Pazifik.

Für die Mapuche hat sich seit der Conquista kaum etwas verändert

Um das Wirtschaftswachstum kontinuierlich zu steigern, unternehmen der Staat Chile sowie multinationale Konzerne alles (von megalomanen Staudammprojekten soll heute nicht mehr die Rede sein!). Folge: Weite Teile der Region werden für immer zerstört. Die umliegenden Flüsse (hauptsächlich betroffen ist der Fluss Biobio) werden außerdem regelmäßig mit Abwässern kontaminiert. Nicht nur die Kleinfischerei leider sehr unter der Entwicklung. Für die Mapuche hat sich seit der Conquista, den Eroberungsfeldzügen des Landes, nichts Wesentliches geändert, sie beschreiben eine kontinuierliche Geschichte der Zerstörung durch die „Huincas“, die weißen Männer.

In der Umgebung von Valdivia starb beispielsweise bereits der Großteil der blütenweißen Schwäne einen qualvollen Tod. Aus Wahrzeichen werden Warnzeichen.

So hat eine Reise immer zwei Seiten. Wer in Zukunft auf seinen ökologischen Fußabdruck achten möchte, wird auf Langstreckenurlaube verzichten oder viel Zeit einplanen und das Schiff nehmen müssen. Die anderen werden weiterhin Papier konsumieren und möglichst günstige Flieger nutzen und so ein klein wenig dafür sorgen, dass gerade die Reiseziele für immer verschwinden, die im Moment noch vergessen machen, auf welchen ökologischen Abgrund die Welt zurast.

Trip durch Chile, Teil 1 - im Reich der Mapuche

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Gut zu wissen

Land: Chile

Hauptstadt: Santiago de Chile

Währung: Chilenischer Peso (CLP)

Fläche: 755.696 km²

Einwohner: 16,6 Millionen

Sprachen: Spanisch

Religion: römisch-katholisch 70%

Strom: 220V/50Hz

Zeitzone: UTC -4 – UTC -3 (September bis April)

Telefonvorwahl: +56

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