Urlaub im Aussteigerparadies Mal País

Costa Rica – mehr als nur Banane!

Costa Rica fristet ein Schatten-Dasein auf der touristischen Landkarte. Noch! Das kleine Land zwischen Nicaragua und Panama gilt mit seiner üppigen Fauna und Flora als das „grüne Paradies“ Mittelamerikas. Angeblich sollen in der „Bananen-Republik“ die glücklichsten Menschen der Welt wohnen. Vor allem Mal País im Westen gilt als Sehnsuchtsziel für Aussteiger. Dass man dort auch hervorragend urlauben kann, fand TRAVELBOOK-Autor Tim Röhn heraus.

Und wenn man dann kurz vor dem Sonnenuntergang im Sand sitzt, der so dunkel ist wie Karamell, und denkt, schöner könnte das Leben nicht sein, erhebt sich am Horizont aus dem Nichts ein Blauwal und klatscht einen Augenblick später auf die Wasseroberfläche. Und noch ein zweites Mal, ein drittes Mal. Es sind nicht nur die Backpacker, die aufspringen, die Augen weit aufreißen und sich einander zuraunen: „Oh, my god!“ Auch die einheimischen Surfer setzen sich auf ihre Bretter, blicken aufs offene Meer und halten einen Moment inne; die perfekte Welle lassen sie passieren. Die nächste kommt sowieso in Mal País, das ironischerweise „schlechtes Land“ heißt, einem 1000-Seelen-Örtchen auf der costaricanischen Halbinsel Nicoya, das direkt neben Santa Teresa, das nicht weniger schön ist, liegt.

die „grüne Saison“

Es ist derzeit Winter in Mal País, in diesen Breiten bedeutet das: Es ist trotzdem fast täglich über 30 Grad warm, und die Sonne scheint in der Regel immerhin mindestens den halben Tag. „Grüne Saison“ hat das Tourismusministerium die von Mai bis November andauernde Regenzeit getauft, und das trifft es sehr gut.

Das staubige Land wird in dieser Zeit freigewaschen. Es entsteht eine Farben- und Pflanzenvielfalt, die man sich im Sommer, wenn es nur ganz selten regnet, nicht vorstellen kann. Alles blüht, alles ist grün. Blaue, grüne, gelbe Schmetterlinge, groß und klein, fliegen umher. Echsen überqueren die Straßen und Wege. Am Strand kann es passieren, dass Papageien den Touristen ihre Essensreste auf den Kopf spucken oder ein Waschbär auftaucht, der in den Taschen der Sonnenanbeter nach Essbarem sucht.

Die Vorzüge der grünen Saison Costa Ricas haben sich auf diesem Planeten noch nicht
wirklich herumgesprochen, und so dienen die Monate, in denen kaum ein Tourist hierher kommt, der Erholung. Niemand klaut den jungen einheimischen Surfern, die auf dem Wasser Haken schlagen und Salti springen, ihre Wellen. Die Einheimischen können es sich erlauben, ihre Surfshops und Quad-Verleihe statt um sechs erst um neun Uhr in der Früh aufzuschließen. Und viele jener Europäer und US-Amerikaner, die sie hier „Gringos“ nennen, verriegeln ihre Restaurants und Hotels mit dem Verweis auf eine Winterpause.

Wer es also nicht auf einen Party-Urlaub mit viel Reggaeton und halbnackt tanzenden „Ticos“
und „Ticas“ abgesehen hat, sondern sich nach tranquillidad, nach Ruhe sehnt, der ist in diesen Wochen und Monaten richtig an diesem Flecken Erde. Es gibt ja auch so genug zu tun: Angeln, Kayak fahren, Bootstouren. Man kann auch mit dem Quad hoch fahren in die Berge und sich mit den Brüllaffen austauschen. Es ist tatsächlich so: Wenn man in den Wald hinein brüllt, brüllt es auch wieder heraus. Oder die Affen brüllen ganz alleine, morgens um fünf, wenn die
Sonne aufgeht.

Pura Vida

Wer in Mal País lebt oder Urlaub macht, braucht keine Uhr; er lebt nach der Sonne und den
Wellen. Das macht Lila, 35, so, die vor fünf Jahren aus ihrer Heimat Belgien hierher kam und nicht mehr weg wollte. Sie hat in den Hügeln des Ortes zwei Häuser mit Meerblick bauen lassen. In einem wohnt sie selbst, eines vermietet sie, es ist eine Luxusimmobilie. Lila steht morgens um halb sechs auf dem Surfbrett, falls die Wellen sehr hoch sind. Sie sagt: „Ich lebe tatsächlich im Paradies.“

Es ist ein locker-leichtes Leben, und die Gefahr ist riesig, hier hängen zu bleiben. So viele konnten der Versuchung nicht widerstehen. Es gibt den Schweden Martin, der vor vier Jahren alle Zelte in der Heimat abgebrochen hat, um in Mal País und Santa Teresa Kayak-Touren anzubieten und Fischen zu gehen. Es gibt Jörg, den Berliner, der seit zwölf Jahren hier ist und für einen reichen US-Amerikaner Häuser vermietet. Sie alle sagen, dass ihnen der Gedanke, in die Heimat zurückzukehren, sehr fremd vorkomme. Dass sie sich das nicht mehr vorstellen können, den ständigen Stress, die ständige Gier nach mehr. Dass Costa Rica jetzt ihr zuhause sei: die Strände, der Urwald, die freundlichen Menschen, pura vida – volles Leben eben.

„Früher war hier alles so schön ruhig“

Auch die internationale Prominenz ist angetan von dieser Gegend: Der US-Schauspieler Mel
Gibson und das brasilianische Top-Model Gisele Bündchen besitzen Villen mit Meerblick in den Bergen über den Dörfern. Bündchen und der US-Footballer Tom Brady haben vor vier Jahren sogar in Santa Teresa geheiratet. Gibson, so erzählen es die Bewohner, fliegt meist mit Freunden per Helikopter ein; auf seinem Anwesen hat er eigens einen   Hubschrauberlandeplatz errichten lassen. Alex, ein Taxifahrer, erzählt, dass sich der Schauspieler und seine Entourage während ihrer Trips nach Costa Rica fast jeden Abend in den Restaurants und Bars von Mal País und Santa Teresa blicken ließen. Alex' Kollege Miguel
erzählt, wie er einmal einen Freund von Mel Gibson mit dem Taxi zum Flughafen gefahren hat: „Ein ganz netter Kerl. Und nach seiner Rückkehr hat er mir ein Autogramm von Gibson mitgebracht.“

Miguel freut sich, seine Gleichung lautet: je mehr Besucher, desto mehr Einnahmen. Viele Einheimische aber und sogar jene Ausländer, die vor 20 Jahren nach Mal País und Santa Teresa kamen, sind genervt davon, dass ihre Gegend in der Liste der weltweiten Hotspots mittlerweile sehr weit oben steht. „Früher war hier alles so schön ruhig“, sagt James, ein Neuseeländer, der im Jahr 1995 mit seiner Ehefrau die Heimat zurück – und sich in Santa Teresa niederließ. Das Ehepaar stand damals kurz vor der Rente, gemeinsam betreibt es heute einen kleinen Surfshop. „Wir sind nicht mehr darauf angewiesen, viel Geld zu verdienen. Wir brauchen all die Menschen nicht. Wir sind damals ja gekommen, weil hier kaum einer war. Aber heute, wo jeder bei Facebook schreiben kann, wie schön es hier ist, kommt natürlich jeder mal vorbei.“ Im Sommer, sagt James, da ist es besonders schlimm.

In jenen Monaten platzen Mal País und Santa Teresa aus allen Nähten. Hostels und Strände
sind dann voll von Leuten aller Couleur. Von blassen Europäern auf der Jagd nach hervorragenden Wellen zum Surfen über Besucher in Wanderschuhen, die die Berge hinaufsteigen wollen, bis zu Rentnern, die sich ein paar Tage die Sonne auf den Bauch scheinen lassen wollen. Fünf Mal so viele Touristen wie Einwohner sind im Sommer da. Eine dicke Staubschicht liegt dann über den Dörfern, was daran liegt, dass es hier keine asphaltierten Straßen gibt. Da helfen auch die Schilder der Anwohner nicht viel, auf denen geschrieben steht, dass man doch bitte nicht schneller fahren solle als 25 Stundenkilometer: „Genug Staub! Denkt an unsere Kinder!“

Kein Ziel für Billig-Touristen

Restaurantbesitzerin Gabriela, die im Sommer alle 30 Minuten die Tische auf der Terrasse vom Staub befreien muss, ist genervt: „Seit Jahrzehnten wird uns versprochen, dass hier
endlich eine vernünftige Straße gebaut wird, aber nichts passiert. Ich glaube mittlerweile nicht mehr dran.“ Es ist tatsächlich skurril: Von Paquera aus, wo die aus Puntarenas kommende Fähre anlegt, führt der Weg nach Mal País 30 Kilometer über asphaltierte Straßen. Erst hinter Cobano, der Provinzhauptstadt und dem letzten Ort vor Mal País, hört der Asphalt plötzlich auf und tiefe Schlaglöcher, an denen schon einige Autoachsen gescheitert sein dürften,
tauchen auf. Wer die Fahrt unbeschadet überstanden und ein schönes Plätzchen gefunden hat, dürfte die Strapazen schnell vergessen haben.

Ein Ort zum Altwerden ist dieser Flecken Erde indes nicht, dafür sind die Lebenshaltungskosten schlichtweg zu hoch. Mal País ist teuer, sehr teuer. Die Immobilienpreise sind seit der Jahrtausendwende in die Höhe geschnellt, PKW sind teurer als in Europa, und fünf Scheiben miserabler Käse kosten im Supermarkt vier Euro. Ohne ein Vermögen auf der Bank oder eine geniale Geschäftsidee sind die Geldreserven hier genauso schnell aufgebraucht wie in Deutschland – es sei denn, man heißt Mel Gibson oder Gisele Bündchen.

Infos & Tipps Costa Rica

Wie kommt man hin?

Flug von verschiedenen deutschen Flughäfen über Madrid/Spanien oder Atlanta/USA in die Hauptstadt San José. Von dort per Bus und Fähre nach Mal País/Santa Teresa (Dauer: 6 Stunden/Kosten: 12 Euro) oder per Flugzeug nach Tambor (25 Minuten Flugzeit, Preis bei Aufgabe von zwei Gepäckstücken pro Person ca. 65 Euro). Weiterfahrt per Taxi nach Mal País/Santa Teresa (40 Minuten Fahrzeit, ca. 35 Euro).

Wo wohnt man?

Luxus: Casa Makasi – Villa mit vier Schlafzimmern, Pool und Meerblick, in den Bergen von Mal País, ca. 380 Euro/Nacht in der Hauptsaison, Nebensaison günstiger.

Mittelklasse: Zula Inn Aparthotel , Santa Teresa, hübsche Bungalows, Pool, großer Garten, 100 Meter vom Strand entfernt, ca. 50 Euro/Nacht/Bungalow, in der Nebensaison günstiger.

Low Budget: Tranquillo Backpackers, Hostel in Santa Teresa, 50 Meter vom Strand entfernt mit Einzel- und Doppelzimmern sowie Schlafsälen (ca. 30 Euro/Nacht/Doppelzimmer, ca. 10 Euro/Nacht/Bett im Schlafsaal in der Hauptsaison, Nebensaison günstiger)

Wann kommt man her? In Costa Rica herrscht tropisches Klima. Die Trockenzeit dauert von November bis April und gilt als beste Reisezeit, die Regenzeit von Mai bis Oktober, wobei es statistisch gesehen an der Karibik- öfter regnet als an der Pazifikküste. Die regenreichsten Monate sind in der Regel September und Oktober. Allerdings: Wirklich vorhersehbar ist das Wetter nicht. Selbst im September und Oktober kann tagelang blauer Himmel sein. Wer mit einem erhöhten Regenrisiko umgehen kann, dafür aber die Ruhe schätzt, sollte in der Regenzeit nach Mal País und Santa Teresa reisen.

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