Von Spanien bis Südpazifik

Die 10 spektakulärsten Tauchspots der Welt

Tauchen mit Haien, unter dem Packeis oder in einem unterirdischen Wald. Taucher finden weltweit faszinierende Orte für ihr Hobby. Hier eine Auswahl von zehn spektakuläre und beliebten Tauchrevieren.

1. Raja-Ampat-Archipel (Indopazifik, Indonesien)

Manche Riffe sind wertvoller als andere. In puncto Artenvielfalt suchen die Korallenriffe von Raja Ampat weltweit ihresgleichen. Nirgendwo sonst wurden mehr Fisch- (rund 1300) und Korallenarten (rund 550) gezählt – ein echter Hotspot der Evolution. Die Gründe der Vielfalt? Eine wechselvolle (Erd)-Geschichte und viele Lebensräume auf kleiner Fläche: ufernahe Saumriffe, vorgelagerte Barriereriffe, flache Lagunen, tiefe Steilwände und an den Küsten Mangroven, die als Kinderstube für viele Meerestiere dienen. Der beste Spot: Cape Kri.

Die Riffs der Region Raja Ampat zählen zu den artenreichsten der Welt

Foto: dpa picture alliance

2. Medas-Inseln (Mittelmeer, Spanien)

Hier hat der moderne Tauchsport seinen Anfang genommen: Im Mittelmeer entdeckten die Pioniere um Jacques Cousteau und Hans Hass in den 1930er- und 40er-Jahren die Unterwasserwelt. Die Medas-Inseln an der Küste der Costa Brava in Spanien lassen heute noch erahnen, was die Pioniere einst im klaren blauen Wasser begeisterte: metergroße Zackenbarsche, Muränen, Fische in Schwärmen, Felswände, an denen gelbe und rote Hornkorallen wuchern und grüne Seegraswiesen. Dazu: Oktopusse und Langusten, plus Höhlen und Wracks. Der Grund für diese Vielfalt: Die sieben Inseln sind seit 1990 ein Unterwasser-Naturschutzgebiet. Fischen wurde 1983 verboten.

Ein Brauner Zackenbarsch vor den Medas-Inseln

Foto: Getty Images

3. Südsinai (Rotes Meer, Ägypten)

Auch wenn sich Tauchtouristen dort in friedlicheren Zeiten auf den Flossen stehen: An der Südspitze der Sinai-Halbinsel liegen einige der besten Tauchplätze der Welt. Die Haie dort sind zwar seltener geworden, aber Ras Mohammed fasziniert immer noch durch seinen einzigartigen Charakter. Hier prallen karge Wüstenberge auf farbenprächtige Korallenriffe und öffnen dabei ein Fenster in den offenen Ozean. Am Shark Reef und am Jolanda Reef – benannt nach einen hier versunkenen Frachter, dessen Ladung noch zu sehen ist: Kloschüsseln! – fällt die Steilwand des Riffs fast senkrecht auf eine Tiefe von 750 Metern ab.

Taucher im Roten Meer bekommen an der Südspitze der Sinai-Halbinsel wunderschöne Korallenformationen zu sehen

Foto: Getty Images

4. Carriacou (Karibik, Grenada)

Auf Carriacou scheinen sich die Zeiger der Uhr jedes Mal zu überlegen, ob sie vorrücken sollen. Wozu auch? Viel passiert hier eh nicht – nicht an Land. Unter Wasser am Tauchplatz Sister Rocks bietet die Insel aber alles, was die Korallenriffe der Karibik besonders macht – und sie mehr noch als die Riffe im Indopazifik als Unterwassergärten erscheinen lässt: buschgroße Hornkorallen und Schwämme, deren Röhren wie Stämme ins Wasser wachsen. Dazu: Schwärme violetter Kreolenfische, Langusten, Franzosen-Kaiserfische und dösende Ammenhaie. Und wem die Riffe nicht reichen: Die Schwesterinsel Grenada lockt mit einem der imposantesten Wracks der Welt: das 180 Meter lange Kreuzfahrtschiff „Bianca C“. Vom hellen Sandgrund in 55 Meter Tiefe drängt ihr mächtiger Bug ins blaue Freiwasser. Es wirkt, als würde sie noch fahren. Bei diesem atemberaubenden Anblick wird auch der Zweitname des Ozeanriesen verständlich: Titanic der Karibik.

Vor Grenada haben Schiffswracks eine einmalige Unterwasserwelt gebildet

Foto: Getty Images

5. British Columbia (Nordpazifik, Kanada)

Es muss nicht immer tropisch sein: Als das beste Kaltwassertauchgebiet der Welt gilt die Küste von British Columbia in Kanada. Und – wer würde das nicht in Nordamerika erwarten? – alles ist hier irgendwie größer: die Anemonen, die Seenelken und auch die bis zu drei Meter großen pazifischen Riesenkraken. Ein Top Spot für das pralle Leben: Row and Be Damned, eine Steilwand bei Quadra Island, an der die starke Gezeitenströmung immer reichlich Nahrung bringt. Unvergleichlich sind die Tangwälder – die Kelp Forests – der nordamerikanischen Pazifikküste. Auch sie sind ein Brennpunkt der globalen Artenvielfalt. Aber wer will schon Schnecken und Würmer zählen, wenn er durch einen Dschungel schweben kann, dessen Bäume aus bis zu 45 Meter Tiefe bis an die Oberfläche reichen, und er vielleicht einen Seeotter trifft?

Ein Krake lässt sich an der Küste von British Columbia von einem Taucher anscheinen

Foto: Getty Images

6. Norwegen (Nordatlantik)

Warum in die Ferne fliegen? Gut mit dem Wagen zu erreichen sind die Weltklassetauchplätze entlang der norwegischen Küste. Im Land der Fjorde geht es auch unter Wasser ebenso dramatisch zu wie oberhalb. Außergewöhnlich ist ein Tauchgang im Saltstraumen bei Bodø: Er gilt als der weltweit stärkste Gezeitenstrom. Mit bis zu 48 Kilometer pro Stunde werden hier etwa alle sechs Stunden mehr als 375 Millionen Kubikmeter Wasser durch eine schmale Meerenge gedrückt. Wer hier taucht, sieht Pflanzen und Tiere, die auch typisch für unsere Nordsee sind: Seelachs-Schwärme und Dorsche in Massen, Seewölfe, Seeteufel und Heilbutte – dazu Nacktschnecken, bunte Anemonen und an den Felsen mannshohe Seetangwälder.

7. Südafrika (Indischer Ozean)

Nichts für Warmduscher sind die meisten Tauchplätze an der südafrikanischen Küste. Allen voran Protea Banks erfordert Überwindung. Die versteinerte Sandbank erhebt sich rund sieben Kilometer vor der Küste der Provinz Kwazulu-Natal aus einer Tiefe von 60 Metern. Auf das Kommando des Skippers hin, lassen sich die Taucher vom Rand des Schlauchboots rücklings ins Wasser fallen – und sacken durch auf das Plateau in 27 bis 40 Meter Tiefe. Erst danach hat man Zeit sich zu sortieren. Und dann sieht man sie: die Zambezis (Bullenhaie), Raggies (Sandtigerhaie), Hammer- oder Tigerhaie. Wer Glück hat, trifft sogar den Großen Weißen – oder einen Manta, Fuchs-, Blau-, Mako-, oder Walhai. Damit nicht genug: Fast jährlich findet an der Küste Südafrikas „Das große Fressen“ statt. Dann formiert sich während des Sardine Run der größte Fischschwarm der Welt. Den Milliarden Sardinen folgen alle Räuber: Haie, Delfine, Wale, Robben, Vögel und Thunfische.

Ein großer Weißer Hai an der Sandbank Protea Banks am Shelley Beach

Foto: Getty Images

8. Galapagos-Inseln (Pazifik, Ecuador)

Wie das alles zu überbieten ist? Mit Galapagos! Die Inseln, deren Tierwelt Charles Darwin auf die Idee mit der Artentstehung durch natürliche Selektion brachte, werden in vielen Listen als das Nonplusultra der Tauchwelt geführt. Vor allem die Inseln Wolf und Darwin locken mit Hammer-, Tiger-, Wal-, Galapagos- und Weißspitzenhaien. Aber Darwins Trauminseln haben mehr zu bieten: Wo sonst kann man mit Seelöwen, Pinguinen und Meeresechsen tauchen?

Eine Begegnung mit dem ungefährlichen Walhai – wie hier vor den Galapagosinseln – gehört für Taucher zu den Highlights

Foto: Getty Images

9. Südlicher Ozean, Antarktis

Und, schon fast alles gesehen? Sicher nicht! Ganz im Süden gibt es einen Ozean, den nur wenige als solchen kennen: Unter dem Packeis des Südlichen Ozeans (auch: Südpolarmeer) an den Küsten der Antarktis lebt eine einzigartige Tierwelt, die sich deutlich von den angrenzenden Ozeanen unterscheidet und erstaunlich farbenfroh daherkommt. Und durch ein Loch in der Eisdecke ins Dämmerlicht des Meeres einzusteigen, ist eine Erfahrung, die Tauchenthusiasten begeistern wird – trotz Wassertemperaturen um den Gefrierpunkt.

Direkt unter dem Packeis der Antarktis tun sich für Taucher einzigartige Kulissen auf

Foto: Waterproof Expeditions

10. Rangiroa-Atoll (Südpazifik, Französisch-Polynesien)

Wer hier nicht taucht, muss Nasebohren: Die kargen Koralleninseln des Rangiroa-Atolls  mitten im größten Ozean bieten nichts außer Himmel und Meer – letzteres aber im Überfluss. Der berühmteste Tauchplatz des zweitgrößten Atolls der Welt ist der Tiputa Pass, ein Kanal, der die Lagune mit dem offenen Meer verbindet. Wer dort im klaren, warmen Wasser auf Taucher wartet? Viele, viele Graue Riffhaie, plus Hammerhaie, Adlerrochen, Mantas, Delfine, Schildkröten und bunte Fische in großen Schwärmen. Ach ja: Die Korallenriffe sollen auch ganz schön sein.

Am Rangiroa-Atoll können Taucher direkt unter der Wasseroberfläche die buntesten Fischarten bestaunen

Foto: Getty Images

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