Was geschah in Zimmer 217?

Spukhotel inspirierte Stephen King zu „The Shining“

Kaum jemand würde vermuten, dass in der Idylle des Luxusanwesens „The Stanley Hotel” in Colorado Gruseliges vor sich geht. Und doch passieren hier merkwürdige Dinge, die rund ums Jahr Geisterjäger und Gruselfans aus aller Welt anlocken. Kultautor Stephen King soll hier gar so Schreckliches erlebt haben, dass er seine Erfahrungen im Horror-Bestseller „The Shining“ verarbeitet hat.

Es war sozusagen höhere Gewalt, die Stephen King im Jahr 1973 ins The Stanley in Estes Park (Colorado) führte: Weil ein Highway wegen starken Schneefalls gesperrt war, blieb dem 26-jährigen Autor und seiner Frau nichts anderes übrig, als in dem damals recht heruntergekommenen Hotel nach einem Zimmer zu fragen.

Es heißt, schon auf dem Serpentinenweg hoch zu dem herrschaftlichen Gebäude sei Stephen King die Idee zu seinem weltberühmten Gruselroman „The Shining“ gekommen: In der Einsamkeit eines abgelegenen, zugeschneiten Berghotels trägt sich ein schreckliches Familiendrama zu.

Das Zimmer des Grauens

Noch mehr Stoff für sein Buch fand der Autor – wohl eher unfreiwillig – im Hotelzimmer mit der Nummer 217, das der Betreiber des „The Stanley“ seinen einzigen Übernachtungsgästen damals gab. Unheimliche Dinge sollen sich in dem Raum zugetragen haben. Was genau das war, darüber sprach Stephen King niemals öffentlich.

Im 1977 erschienenen Roman „The Shining“ ist das Zimmer mit der Nummer 217 jedenfalls der Inbegriff allen Grauens. „Du musst mir versprechen, dass du dort nicht hineingehst – das Zimmer musst du meiden“, so die Warnung an den jungen Danny im Buch. Als er es schließlich doch betritt, verfolgt und würgt ihn der Geist einer Frau, die lange zuvor im Hotel gestorben ist. Am Ende gelingt es Danny und seiner Mutter in letzter Sekunde vor dem Vater zu fliehen, der dem Wahn erlegen ist, seine Familie ermorden zu müssen. Der Vater wird schließlich vom Spukhotel in den Tod gerissen.

Niemand wird wohl je erfahren, was Stephen King in Raum 217 wirklich widerfahren ist. Dem „The Stanley“, das im Roman als Vorbild für das Overlook-Hotel dient, brachte es unverhofften Grusel-Ruhm – und einen Besucheransturm, mit dem wohl niemand gerechnet hätte. Der Raum mit der Nummer 217 ist bis heute das meistgebuchte Zimmer im Stanley Hotel und praktisch rund ums Jahr von Stephen-King-Fans und Geisterjägern aus aller Welt belegt. Für 20 Dollar können Gäste eine nächtliche Geister-Tour durch das Hotel dazubuchen oder sich vom hauseigenen „Medium“ Madame Vera die Zukunft voraussagen lassen.

Und immer wieder gibt es sie: Die Berichte von unheimlichen Dingen, die im Zimmer 217 und den Hotelfluren vor sich gehen. Vom Geist des lange verstorbenen Hotelgründers ist die Rede, der vor allem in der Lobby und im Billiardzimmer sein Unwesen treibt. Die verstorbene Gattin des Hoteliers spukt vor allem gerne durch den Ballsaal und spielt manchmal sogar auf dem Piano, heißt es. Selbst Schauspieler Jim Carrey wurde Opfer des unheimlichen Spuks: Berichten zufolge stürmte er im Jahr 1994 fluchtartig aus Zimmer 217, in dem er während Dreharbeiten übernachtet hatte. Auch er schweigt bis heute vehement über die Gründe für seine Flucht.

Als filmkulisse diente ein anderes hotel

Wer heute ins „The Stanley“ eincheckt, kann im hoteleigenen Fernsehprogramm die ungekürzte Kinoversion von „The Shining“ ansehen. Der Film, der 1980 mit Jack Nicholson in der Hauptrolle in die Kinos kam, läuft in einer Endlosschleife auf Kanal 42.

Das Hotel, das man dort sieht, ist allerdings nicht das „The Stanley“. Regisseur Stanley Kubrick empfand das schneeweiße Anwesen in den Bergen Colorados als zu schön und zu wenig gruselig, als dass er es als Drehort akzeptieren wollte. Als Kulisse diente stattdessen die Timberline Lodge in Oregon. Im Film trägt das Zimmer des Grauens auch nicht die Nummer 217, sondern die 237.

Filmfans, die heute in der Timberline Lodge einchecken, suchen allerdings vergeblich nach einem Zimmer mit dieser Nummer. Überhaupt erkennt man in den gemütlichen Räumen nichts aus dem Horrofilm wieder, und auch der Irrgarten, in dem Jack Nicholson alias Jack Torrance am Ende erfriert, ist nirgends zu finden. Kein Wunder: Das Hotel lieh dem Film nur seine düstere Fassade – alle Innenaufnahmen entstanden in einem Studio in London.

Stephen King war mit der Verfilmung seines Romans übrigens nicht sonderlich zufrieden gewesen: weil Kubrick sich zu wenig an der Vorlage orientierte. Und so verfasste er 17 Jahre später selbst ein Drehbuch und brachte die Miniserie „Stephen King's The Shining“ ins TV. Als Schauplatz für den TV-Dreiteiler diente der Ort, an dem alles seinen Anfang nahm: Das „The Stanley“ in Colorado. Auch in Zimmer 217 wurde gedreht.



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