In die Augen schauen – oder 7 Jahre schlechter Sex

Wie stößt man eigentlich in anderen Ländern an?

„Oans, zwoa, drei – g’suffa!“ – so tönt es aus den Zelten beim Oktoberfest. Dabei gilt: Beim Zuprosten schaut man sich in die Augen und die Gläser dürfen sich nicht überkreuzen – sonst drohen sieben Jahre schlechter Sex. Mehr braucht man in Deutschland beim gemeinsamen Trinken eigentlich nicht zu beachten. Aber wie sieht es in anderen Ländern aus? TRAVELBOOK gibt einen Einblick in die Trinkbräuche dieser Welt.

Wenn Sie eine Reise machen, wollen Sie nicht nur die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes kennenlernen, sondern auch die Leute und ihre Mentalität verstehen? Dann sollten Sie sich unbedingt mit Einheimischen auf einen Drink verabreden. Denn nirgends lernt man die Menschen und ihre Kultur besser kennen als beim gemeinsamen (Be)Trinken. Vor allem spezielle Trinkbräuche verraten einiges darüber, wie ein Land und seine Leute so ticken. Außerdem, und das erkannten ja schon die alten Römer, liegt in Wein und Co. die Wahrheit.

Damit Sie beim Zuprosten mit Ihrem Gegenüber nicht ins Fettnäpfchen treten, zeigen wir Ihnen, welche Trinksitten in verschiedenen Ländern üblich sind. Außerdem: Was wird wann getrunken – und welchen Trinkspruch man wo verwendet.

Italien

Die Italiener trinken zum Essen entweder Wein oder Wasser, selten ein Bier. Ohnehin haben es leidenschaftliche Biertrinker in Italien schwer, denn meist gibt es nur zwei oder drei Sorten zur Auswahl, und noch dazu ist Bier relativ teuer. Nach dem Essen gibt es wahlweise Grappa oder Averna, oder einen Espresso. Eine „brutta figura“ (einen schlechten Eindruck) machen Sie, wenn Sie einen Cappuccino zum Nachtisch bestellen – den trinkt man in Italien nämlich nur morgens.

Abends beim Ausgehen sind Wein und Cocktails üblich, und auch Bier erfreut sich bei jungen Leuten wachsender Beliebtheit. Mancher Italiener schwört darauf, das Glas nach dem Zuprosten noch einmal auf dem Tisch abzusetzen, um Unglück abzuwenden. Das Zauberwort beim Anstoßen heißt in Italien „Salute!“ oder, die etwas informellere Variante: „Cin Cin!“

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Spanien

In Spanien ist es verpönt, mit Wasser anzustoßen. Tut man es doch, so glauben die Spanier, drohen sieben Jahre schlechter Sex. Ansonsten feiern die Spanier abends gerne und lange. Ein beliebter Trinkspruch dabei ist „Arriba, abajo, al centro y pa‘ dentro“ (dt. „Nach oben, nach unten, zur Mitte und dann rein damit“). Passend dazu wird das Glas erst nach oben gehalten, dann nach unten und in die Mitte, bevor man trinkt. Ansonsten prostet der Spanier mit „Salud“.

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Portugal

In Portugal gilt wie in Deutschland: Die Gläser sollten sich beim Anstoßen bloß nicht überkreuzen – denn es könnte Unheil bringen. Die meisten der sehr abergläubischen Portugiesen halten sich daran. Angestoßen wird meist zum Essen bei einem Glas Rotwein.

Der besonders im Norden des Landes verbreitete rote „Vinho verde“ (junger Wein) wird traditionell aus einer Schale getrunken. Dann gilt: hoch mit der Schale und „Saúde“!

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Frankreich

Im weltweiten Weinland Nummer 1 – Frankreich ist nach Weinanbaufläche und -produktionsmenge der größte Weinerzeuger – sind die edlen Tropfen aus Weintrauben natürlich fester Bestandteil der Trinkkultur. Während hierzulande zum Mittagessen allenfalls am Wochenende oder im Urlaub mal ein Glas Wein getrunken wird, gehört ein Gläschen Roter in Frankreich fast zu jedem Essen dazu. Selbst in Kantinen wird neben Wasser und Softdrinks auch Wein serviert; das französische Arbeitsrecht billigte seinen Landsleuten bis vor Kurzem sogar ausdrücklich das Recht zu, „Wein, Bier, Apfelwein oder Birnenmost am Arbeitsplatz“ zu trinken. Per Dekret dürfen Unternehmen seit Mitte dieses Jahres zwar Alkohol während der Arbeitszeit verbieten – doch das ist hauptsächlich Theorie.

Abends trinkt der Franzose außer Wein auch gern mal Bier oder Cocktails. Dabei wird gerne in jeder Runde auf etwas anderes angestoßen: auf die Gesundheit, auf die Anwesenden in der Runde, auf die Familien der Anwesenden usw. Gängige Trinksprüche sind „Santé“ oder „À votre santé“ (dt. „Auf Ihre/eure Gesundheit“. Darauf kann man entgegnen: „À la vôtre“ (dt. „Auf Ihre/eure“) oder „À la tienne“ (dt. „Auf deine“).

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Griechenland

Man kennt es aus dem griechischen Restaurant um die Ecke: Während des Essens stellt der Kellner jedem Gast einen Ouzo auf den Tisch. Manchmal gibt es ein Gläschen des 40-prozentigen Anisschnapses auch vor dem Essen, manchmal noch ein drittes danach. Wenn man dann auch noch einen Retsina oder Bier dazu bestellt hat, wankt man unter Umständen am Ende ziemlich betüddelt aus dem Restaurant. Aber trinken die Griechen wirklich so gerne Ouzo? Tatsächlich wird der Hochprozentige in Griechenland allenfalls als Digestif pur getrunken. Ansonsten wird Ouzo meist mit Wasser verdünnt zu den sogenannten „Mezedes“ gereicht, kleinen Speisen wie Tintenfisch, Käse oder Oliven.

In Griechenland wird Ouzo mit Wasser verdünnt und zu kleinen Gerichten gereicht

Foto: Getty Images

Viel beliebter ist der schon von Udo Jürgens besungene griechische Wein, der in Tavernen als viertel, halber oder ganzer Liter in Kannen serviert wird. Da kann man schon mal ganze Abende lang mit Griechen zusammensitzen und bei jedem neuen Glas „Jamas!“ rufen.

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Ungarn

Wenn Sie Urlaub in Ungarn machen, sollten Sie es tunlichst vermeiden, mit Bier anzustoßen – denn man könnte Sie ziemlich schief angucken. Vor allem, wenn Sie aus Österreich kommen...

Der Hintergrund: Nach der Niederschlagung der Ungarischen Revolution im Jahr 1848 stießen die Österreicher ausgiebig mit Bier auf ihren Erfolg an. Außerdem ließ der österreichische Kaiser Kaiser Franz Joseph I. ein Jahr später mehrere ungarische Generäle hinrichten. Nach den Exekutionen stießen die Henker ebenfalls mit Bier an. Danach war das Anstoßen mit Bier in Ungarn sogar 150 Jahre lang gesetzlich verboten.

Heute gilt das Verbot zwar nicht mehr, allerdings sollte man trotzdem niemanden unnötig provozieren. Mit anderen Getränken darf man in Ungarn übrigens ohne Weiteres anstoßen, das tun die Ungarn genauso gerne und häufig wie wir. Dazu sagt man „Egészségére“.

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USA

„Cheers“ sagt man in den USA, wenn man mit Glas oder Flasche anstößt. Lassen Sie sich dabei aber bloß nicht im Freien erwischen, denn Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken, ist in den USA verboten. Wenn Sie Amerikaner mit braunen Papiertüten in der Hand draußen rumlaufen sehen, die ab und zu zum Mund geführt werden, verbirgt sich darin aller Wahrscheinlichkeit eine Flasche Alkoholisches. Auf die Weise umgeht man gerne das Alkoholverbot im Freien. Der Kauf und Konsum von Alkohol ist in den USA erst ab 21 Jahren erlaubt, die Kontrollen sind streng.

Wenn Amerikaner aber erst mal zusammensitzen und trinken, wird gerne viel gebechert. Man denke nur an die „Spring Break“-Partys im Frühling, bei denen sich Studenten während der  Semesterferien gnadenlos besaufen. In Kneipen ist es üblich, immer gleich einen ganzen „Pitcher“ zu bestellen, große Kannen mit 1 bis 2 Liter Bier, aus denen am Tisch ausgeschenkt wird. Auch Trinkspiele sind in den USA beliebt.

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Australien

In Australien machen Sie sich unbeliebt, wenn Sie nicht auch mal eine Runde ausgeben und stattdessen darauf bestehen, Ihr Getränk selbst zu bezahlen. Üblich sind nämlich die sogenannten „Shouts“: Reihum zahlt jeder in der Runde den nächsten Drink für alle. Weil jeder mal ran muss, können das je nach Größe der Gruppe ziemlich viele Drinks werden. Beim Zuprosten sagt man „Bottom's up“ oder „Cheers“, wobei „Cheers“ eines der in Australien am häufigsten benutzten Wörter ist und je nach Anlass auch „Tschüss“, „Hab einen schönen Tag“ oder „Danke“ bedeutet.

Praktisch ist, dass man in Australien in vielen Restaurants seine eigene Flasche Wein mitbringen kann. Dann zahlt man nur ein kleines Entgelt für das Entkorken der Flasche und die Gläser. Achten Sie auf den Hinweis „BYO“ („Bring your own“) außen an den Restaurants.

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Dubai und Abu Dhabi

Die Vereinigten Arabischen Emirate werden als Reiseziel immer beliebter. Gerade in arabischen Ländern sollte man sich aber besser vorab über bestimmte Verhaltensregeln informieren, um nicht unangenehm aufzufallen oder gar festgenommen zu werden. Thema Alkohol: Muslime entsagen aus religiösen Gründen dem Alkohol gänzlich – zumindest in der Öffentlichkeit.

Dennoch muss man als Tourist in Abu Dhabi oder Dubai nicht gänzlich auf alkoholische Getränke verzichten. Die meisten Hotels besitzen eine Lizenz zum Ausschenken von Alkohol, weshalb man sich in Restaurants oder in der Hotelbar guten Gewissens einen Drink bestellen kann. Auch in Clubs oder Diskotheken, die an ein Hotel angeschlossen sind, wird Alkohol ausgeschenkt. Man sollte sich aber aus Respekt vor der Kultur nicht übermäßig betrinken.

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Brasilien

In brasilianischen Bars ist es typisch, eine große Bierflasche (1 Liter) für den ganzen Tisch zu bestellen. Weil die Brasilianer es lieben, ihr Bier eiskalt zu genießen, wird die Flasche in einer Art Thermoshülle serviert, die das Bier kalt hält. Am Tisch wird das Bier auf kleine Gläser verteilt und weggetrunken. Dann kommt die nächste Flasche. Den Brasilianern geht es dabei um den Akt des Teilens. Das ist ähnlich wie beim Mate-Tee, der ebenfalls rumgereicht wird. „Prost!“ heißt in Brasilien „Saúde!“ (Gesundheit) oder „Tim tim“.

Auch beim Caipirinha ist es bei den Churrascos, wie die Grill-Nachmittage genannt werden, durchaus nicht unüblich, eine große Karaffe zu mixen, die dann ebenfalls in der Runde ausgeschenkt wird.

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China

In China sollten Sie vor allem eines sein: trinkfest. Ob bei offiziellen Anlässen, Geschäftsessen oder privaten Einladungen: Überall wird gerne hochprozentiger Reis- oder Hirseschnaps (Maotai) serviert, und zwar sehr viel. Weil es als unhöflich gilt, angebotene Speisen und Getränke abzulehnen, hat man eigentlich keine andere Wahl, als mitzutrinken. Ein geselliger Abend artet in China schon mal schnell zu einem totalen Saufgelage aus. China-Besucher berichten gar, viele Chinesen würden sich während eines solchen Abends zwischendurch mehrmals übergeben, nur, um dann weitertrinken zu können. Vorsorgen können Sie, indem Sie auf Chinesisch den Satz  „Schenken Sie mir bitte Tee ein“ auswendig lernen, den Sie der Bedienung bei Bedarf diskret aufsagen können.

„Prost“ heißt auf Chinesisch „Ganbei“. Wörtlich bedeutet das „trockenes Glas“ – also immer schön rein mit dem Schnaps.

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Die Chinesen lieben ihren Maotai. Der Schnaps hat es in sich: Bis zu 70 Prozent Alkohol sind darin enthalten

Foto: Getty

Japan

In Japan gilt es, ein riesiges Fettnäpfchen zu vermeiden: Sagen Sie bloß beim Anstoßen niemals „Cin Cin“, weil Sie der Meinung sind, das klingt doch total asiatisch. Auf Japanisch bedeutet das nämlich „Penis“ oder „Genitalien“. Vor allem italienische und brasilianische Japan-Touristen dürften mit ihrem Trinkspruch wohl schon häufiger für verdutzte Blicke oder Gelächter gesorgt haben. In Japan sagt man korrekt „Kanpai!“ („Zum Wohl!“), üblicherweise schenken die Gastgeber nach und erheben auch als erste das Glas. Am liebsten trinken die Japaner Bier oder Sake (Reiswein), der warm serviert wird, im Sommer auch eisgekühlt.

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Ihnen fallen noch mehr Trinkbräuche dieser Welt ein? Schreiben Sie uns unten in den Kommentaren?

Lesen Sie bei unseren Kollegen von STYLEBOOK auch: 5 Gründe, öfter Bier zu trinken

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Die Ursprünge des Prosits

Warum ist es eigentlich üblich, anzustoßen? Woher stammt dieser merkwürdige Brauch? Um das zu verstehen, muss man einige Jahrhunderte zurückblicken, und zwar ins Mittelalter. Angeblich diente das Anstoßen mit vollen Gläsern dazu herauszufinden, ob ein Giftmischer unter den Anwesenden war.

Dazu ließ man die Gläser in der Mitte so schwungvoll zusammenklirren, dass von jedem Glas ein bisschen überschwappte und der Inhalt auch in die anderen Gläser gelangte. Hätte also jemand aus der Runde Gift in das Glas eines anderen gemischt, würde er Gefahr laufen, sich selbst gleich mit zu vergiften.

Das Wort „Prosit“, das umgangssprachlich eingedeutscht zum kurzen „Prost“ wurde, stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt „Es nütze“ bzw. „Es sei zuträglich“. Erstmals wurde es Anfang des 18. Jahrhunderts von Studenten als Trinkspruch beim Anstoßen verwendet.


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