Trendsport Ziplining

Drahtseilakt in Costa Ricas Regenwald

Wer in Costa Rica das Abenteuer sucht, muss in die Region Guanacaste fahren. Keine Brücke, von der man nicht springen kann. Kein Fluss, dessen Wellen nicht zum Rafting einladen und keine Bäume, zwischen denen kein Drahtseil gespannt ist. Besonders Ziplining lockt immer mehr Touristen auf die Bäume. TRAVELBOOK hat den Drahtseilakt selbst ausprobiert.

Von Stephan Flohr

Unter mir rauscht das Blätter-Dach vorbei. Meine Angst- und Freudenschreie lassen Vögel auffliegen, bringen Affen zum Toben. Mit 70 Sachen rase ich über den Dschungel Costa Ricas. Mein Leben hängt nur an einem dicken Drahtseil. Angst, Abenteuer, Adrenalin: Das ist Ziplining in Costa Rica.

Nach einer kurzen Instruktion zieht unsere Gruppe los. Fünf Guides betreuen zehn, noch zumeist großmäulige, Touristen. Doch die Angeberei weicht ganz schnell der Ehrfurcht. Wir besteigen die erste Plattform und schauen in eine Schlucht.

Noch habe festen Boden unter den Füßen und gut lachen: Ein Guide sichert mich am Kabel, gibt mir letzte Instruktionen

Foto: Stephan Flohr

Der Betreuer hakt mich am dicken Drahtseil fest und befestigt eine Rolle auf dem Seil. In perfektem Englisch erklärt er mir, wie ich 50 Meter über dem Boden die Balance halte und bremse. Ich nicke, verstehe aber kein Wort. Wahrscheinlich, weil mein Herz zu laut klopft.
„Vamos“, lächelt er mir zu und gibt mir einen leichten Schubs. Es reicht, dass ich die Plattform verlasse und mit baumelnden Füßen über der Schlucht hänge. Die Rolle nimmt Fahrt auf, das schräg gespannte Seil bringt mich ganz schnell auf Höchstgeschwindigkeit. Nach 30 Sekunden ist der Adrenalin-Kick vorbei. Am Ende der Bahn empfängt mich ein anderer Guide, koppelt mich ab.

Kurze Verschnauf-Pause, dann geht's zum nächsten Drahtseilakt. Insgesamt schieße ich über 13 Seile durch den Urwald. Eines davon ist nicht gespannt. Warum, wird mir schnell klar. Ich stehe auf einer Plattform und schaue 20 Meter in die Tiefe. Das dichte Blätterdach lässt kaum Licht in den Dschungel. Es reicht aber, um zu sehen, was mich erwartet: der Tarzan-Schwung.

Wieder werde ich in ein Gestell gehängt, wieder höre ich ein lächelndes „Vamos“. Keine Ausreden, schließlich sind die drei Teeanger-Mädchen aus den USA gerade auch gesprungen: Ich springe, ich schreie, ich zittere. Nach fünf Metern freiem Fall spannt sich das Seil mit einem Ruck. Jetzt weiß ich, warum es Tarzan-Schwung heißt. Ich schaukele durch den Urwald. 40 Meter hin, 40 Meter zurück. Das Einzige, was an Tarzan erinnert, ist mein Schrei. Der hat aber weniger mit Freude als mit Angst zu tun.

Nach dem Held des Urwalds geht's weiter zum nächsten Super-Helden, dem „Superman-Flight“ – der krönende Abschluss dieses Adrenalin-Abenteuers im Urwald. Ich werde wieder in ein Gestell gehängt, diesmal aber kopfüber. Die Schlucht ist breiter, höher und grüner. Der Guide gibt mir den obligatorischen Stoß und ich rausche los. Das Seil ist über ein Kilometer lang – und in 70 Metern Höhe gespannt.

Mit nach vorne ausgestreckten Armen rase ich wie Superman meinem Ziel entgegen. Ein Ruck bremst nach einer knappen Minute die Fahrt und weckt mich unsanft aus meinen Superman-Träumen.

Alles über das Reiseziel Costa Rica finden Sie hier.

Die besten Hotels in Costa Rica auf einen Blick: Bitte hier entlang.

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Reisetipps

Wie hinkommen?
Die Flughäfen von San José und Liberia sind beide ca. vier Stunden entfernt. Die Fahrt nach Monteverde führt durch die Berge. Zwischenzeitlich geht es über Schotterpisten. Ist aber kein Problem, weil man in einem Jeep mit maximal drei weiteren Touristen fährt. Egal von wo man kommt, die Fahrt lohnt sich. Herrliche Aussichten auf Vulkane und Nebelwälder. Viele reisen vom Vulkan Arenal aus dem Norden an. Da geht's mit dem Van los, dann mit dem Boot über den Vulkan-See und anschließend per Jeep nach Monteverde
Die Infrastruktur in Costa Rica ist super. Man kann überall Busreisen buchen. Wer es etwas schneller und komfortabler haben möchte, sollte mit einem privaten Minivan fahren.

Wo kann ich Ziplining buchen?
Das beste Angebot macht Monteverdo Extremo Canopy: 13 Kabel, Tarzan-Schwung und der ein Kilometer lange Superman-Flight. Eine halbe Stunde vor Beginn wird man mit dem Bully an der Unterkunft abgeholt und hingefahren. Nach dem Spaß wird man natürlich zurück zum Hotel gebracht.

Wo übernachten?
Ein kleines, ganz tolles Guesthouse ist die in der Manakin Lodge in Monteverde. Das Doppelzimmer mit Blick in den Wald und einem typischen Frühstück (Gallo Pinto – Reis, Bohnen, Rührei) kostet ca. 30 Euro . Mit etwas Glück  turnen Affen vor dem Fenster. Die  Betreiber der Lodge organisieren auf Wunsch auch die Ziplining-Tour oder eine Nachtwanderung durch den Dschungel (mit Taranteln, Gürteltieren, Ozelots).

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