Ruhe in Unfreiheit

Was macht das Grab hinter Gittern?

In Fort Sumner in New Mexico liegt ein Grab hinter schweren Eisengittern. Aber warum? Fürchtet man, dass der Tote wiederaufersteht und sein Unheil treibt? Oder will man einfach jemanden über den Tod hinaus im Knast sehen? Wer hat so eine letzte Ruhe in Unfreiheit verdient? Henry McCarty heißt der Mann, besser bekannt als Billy the Kid – Revolverheld und Westernlegende. TRAVELBOOK erklärt, was es mit dem Stahlkäfig auf sich hat.

Sein Leben liefert den Stoff, aus dem die Western sind. Und tatsächlich wurde die Biografie – oder besser: die Legende – von Henry McCarty, den sie Billy the Kid nannten, mehrmals verfilmt. Und worum geht es darin?

Um einen Jungen, den die Streitereien mit dem Stiefvater früh in die Saloons trieben, wo er ein beachtliches Spielertalent entwickelte. Der mit zwölf Jahren bei einer Schlägerei einen Mann erstach, weil der zuvor seine Mutter beleidigt hatte. Der sich danach – und eigentlich bis zu seinem gewaltsamen Tod – auf der Flucht befand. Der in Schießereien verwickelt wurde, Siedlerfamilien vor Indianern rettete, sich Gangs anschloss, weitere Menschen ermordete, Rinder stahl, zum Tode verurteilt wurde, aus dem Gefängnis floh – und schließlich von dem Sheriff Pat Garrett hinterhältig erschossen wurde. Da war the Kid gerade mal 21.

Zeitgenössische Darstellung von Henry McCarthy alias Billy the Kid

Foto: dpa

Wie sich das abspielte, hatte ausgerechnet der Mörder selbst in einem Buch detailliert geschildert. Demnach war Billy the Kid nach dem Sex mit seiner Geliebten, der mexikanischen Prostituieren Celsa Gutiérrez, rüber ins Haus seines Freundes Pete Maxwell gegangen, um sich dort ein Stück Fleisch zu holen. Auf der Veranda entdeckte er schemenhaft zwei Gestalten und fragte auf Spanisch: „Quién es? Quién es?“ („Wer da?“). Mit seinem Fleischermesser im Anschlag betrat er Maxwells Schlafzimmer, wo schon sein Mörder lauerte und auf ihn zielte. Der zweite Schuss traf Billy ins Herz.

Lebte Billy the Kid weiter?

Wie viele Leichen umgekehrt auf das Konto von Billy the Kid gehen, ist bis heute nicht geklärt. Manche reden von 21, andere von neun. Überliefert sind vier Morde, zwei davon in Notwehr. Unklar ist auch, welche all der Geschichten, die man sich erzählt, tatsächlich wahr sind. Sicher ist nur, dass nichts sicher ist. Der Mann wurde schon zu Lebzeiten zur Legende. Und nach seinem Tod: erst recht.

Zum Beispiel ist bis heute fraglich, ob er denn wirklich erschossen wurde. Zwei Männer behaupteten später, Billy the Kid zu sein. Der Gedanke dahinter: Der Sheriff war ein früherer Freund des Revolverhelden und habe ihn nicht wirklich erschossen, sondern laufen gelassen und später die Leiche eines Fremden für die von Billy ausgegeben. Und bei dem Mann namens Jim Miller, der fließend Spanisch sprach und Billy the Kid auch ähnlich sah, konnte das sogar gut möglich sein. Unglücklicherweise hatte dessen Familie ihn erst nach seinem Tod enttarnt, sodass der Mann sein Geheimnis mit ins Grab nahm.

Ob der Mord an Billy the Kid so geschah wie auf dieser Zeichnung dargestellt, ist fraglich – wie überhaupt so vieles an der Geschichte des Revolverhelden

Foto: dpa

Ob Billy the Kid also tatsächlich auf dem kleinen Friedhof in Fort Sumner liegt, ist nicht sicher. In einem Gemeinschaftsgrab soll er ruhen, zusammen mit zwei seiner Bandenmitglieder, die ebenfalls von Sheriff Pat Garrett zur Strecke gebracht worden waren. Und selbst wenn deren Gebeine wie behauptet auf diesem Friedhof ihre letzte Ruhe fanden, ist nicht gewiss, dass sie tatsächlich dort lagern, wo ein Grabstein die Stelle markiert.

Im Jahr 1904 trat nämlich der nahe gelegene Fluss Pecos über seine Ufer und spülte die Knochen durcheinander. Als die Kommission, die in den 1930er-Jahren den Grabstein aufstellen ließ, sich für einen Begräbnisort entscheiden musste, hatte sie die Wahl zwischen vier verschiedenen Plätzen – und nahm den fünften.

Der Grabstein von Billy the Kid

Foto: dpa

Wenn der Grabstein also ohnehin nicht verbindlich ist, so mögen sich Anhänger des Revolverhelden gedacht haben, dann könne er auch überall stehen – und nahmen ihn kurzerhand mit. Nicht nur einmal passierte das, sondern zweimal. Danach beschloss die Gemeinde, die Grabstelle zu schützen – und baute einen Stahlkäfig über das Grab. Die Touristen hält das nicht ab: 35.000 kommen jährlich her, um die vermeintlich letzte Ruhestätte von Billy the Kid zu sehen.

Wie ein Mini-Knast für einen Toten sieht das Grab aus. Wie eine späte Rache der Justiz an einem, der seinem Todesurteil durch Flucht entkommen wollte. Nun ruht der Revolverheld also hinter Gittern – nicht lebenslänglich, sondern bis in alle Ewigkeit. Wenn, ja, wenn er denn da überhaupt liegt.

In Fort Sumner gibt es natürlich auch ein Museum über Billy the Kid. Bereits 1953 wurde es eröffnet, inzwischen beherbergt es 60.000 Exponate. Öffnungszeiten und Anfahrt auf der Homepage des Billy The Kid Museums.

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