Mit der Sea Spirit nach Ost-Grönland

Reise zur einsamsten Siedlung der Welt

Die Sea Spirit ist mit nur 90 Metern Länge das kleinste Expeditionsschiff mit Deutsch als Bordsprache. TRAVELBOOK fuhr mit nach Öst-Grönland, zu den einsamsten Plätzen der Welt.

Von Volker Herzig

Aus den Lautsprechern dudelt „Rivers of Babylon“ von Boney M. Schwarzer Kaffee dampft aus einer Tasse, daneben verglimmt eine Marlboro im Aschenbecher. Kapitän Oleg Tikhvinsky (57) setzt sein Fernglas ab. „Zwei Grad backbord“, sagt der kräftige Ukrainer. „Zwei Grad backbord“ bestätigt der Rudergänger.

Haarscharf gleitet das Expeditions-Kreuzfahrtschiff Sea Spirit an einem etwa zwei Meter langem und breiten Eisberg vorbei. Rechts, links, rechts, rechts, links. Ruhig und geschickt steuert der Kapitän sein Schiff durch das Treibeis-Feld. Die Passagiere auf den Außendecks staunen, wie er seinen Weg findet durch das Eis-Labyrinth, das für das ungeübte Auge undurchdringlich scheint.

Kapitän Oleg Tikhvinsky hält auf der Brücke der Sea Spirit Ausschau nach Eisbergen

Foto: Volker Herzig

Die Sea Spirit ist unterwegs im Scoresbysund. Es ist das größte Fjordsystem der Welt – in einer der abgelegensten Gegenden der Erde: Öst-Grönland. Kaum ein Schiff verirrt sich hierher, erst recht kein Kreuzfahrtschiff.

Seit Mai fährt die Sea Spirit für „Poseidon Expeditions“, einem der führenden Anbieter von Expeditions-Kreuzfahrten in die Arktis und Antarktis mit Sitz in Hamburg. Neben Englisch ist Deutsch die Bordsprache. Alle Durchsagen erfolgen auf Deutsch. Vorträge in anderen Sprachen werden simultan übersetzt und per Kopfhörer übertragen.

Die Deutschen Dr. Franz Gingele und Anja Erdmann leiten das zehnköpfige internationale Expeditionsteam. „Die geringe Größe ist eine der Stärken des Schiffs“, sagt Gingele, der schon auf vielen Expeditionsschiffen gearbeitet hat, jeweils mehr als 100 Mal in Arktis und Antarktis war. „Wir können Gebiete erreichen, die größeren Schiffen versperrt sind.“ Eine weitere Besonderheit ist die Marina am Heck der Sea Spirit. „Sie ermöglicht den Gästen das bequeme Einsteigen in unsere Schlauchboote, mit denen sie an Land gebracht werden“, sagt Anja Erdmann, die seit 15 Jahren im Eis unterwegs ist.

Alle zehn Schlauchboote (Marke Zodiak), in denen zusammen maximal 114 Passagiere Platz finden, können mit zwei Kränen innerhalb von nur 20 Minuten zu Wasser gelassen werden. Schneller geht das auf keinem Schiff. Gingele: „So können wir fix reagieren und sind sehr flexibel.“ Denn der Fahrplan der Expedition wird bestimmt durch das Wetter und die Eisverhältnisse. Und beides kann sich schnell ändern.

Die Passagiere steigen am Heck des Schiffs aus ihrem Zodiak-Schlauchboot

Foto: Volker Herzig

Die Zodiaks werden jeden Tag genutzt – manchmal sogar bis zu dreimal! So gab es allein während der sieben Tage in Ost-Grönland zwei Rundfahrten und neun Anlandungen (keine Extrakosten). Die Gäste konnten jeweils mehrere Stunden lang die Tundra-Landschaft erkunden und wandern, Fotos von Schneehasen schießen oder in  Trapper-Hütten stöbern. Mitglieder des Expeditions-Teams sind bei Exkursionen immer dabei – mit einem Gewehr über der Schulter. Eisbären-Gefahr!

Nicht weitergehen! Ein Schild warnt auf Spitzbergen vor Eisbären

Foto: Volker Herzig

Eisbären sahen die Passagiere nur aus sicherer Entfernung: von Bord ihres Schiffes aus auf einem Treibeisfeld vor der Küste des Nationalparks Nordost-Grönland. Er ist mit einer Fläche von 972.000 Quadratkilometern der größte der Welt.

Am Rand des Nationalparks gibt es nur eine Siedlung: Ittoqqortoormiit. Der Ort ist eine der einsamsten Siedlungen Grönlands, einer der einsamsten Siedlungen der Welt. Das Meereis versperrt neun Monate pro Jahr den Schiffszugang zu den 450 Bewohnern. Für sie war es eine große Abwechselung, als sie Besuch von der Sea Spirit bekamen. Ein lokaler Reiseleiter empfing die Gäste am Strand, verteilte Stadtpläne, auf denen die Sehenswürdigkeiten eingezeichnet waren: Kirche, Museum und Supermarkt. Alles nur auf Schotterwegen zu erreichen.

Die Siedlung Ittoqqortoormiit (450 Einwohner) in Ost-Grönland

Foto: Volker Herzig

Zurück an Bord erwartete die Passagiere wieder der Luxus: Alle ihre Kabinen haben Bullauge, Fenster oder sogar Balkon. Sie sind mit mindestens 23 Quadratmeter außergewöhnlich groß. Das bieten selbst doppelt so große Kreuzfahrtschiffe selten.

Die Kabinen sind mindesten 23 Quadratmeter groß, haben Marmorbad und Sitzecke

Foto: Volker Herzig

In der gemütlichen Lounge gibt es eine kleine Bar (Cocktail des Tages 5,50 Dollar). In der abgeteilten Bibliothek stehen Bücher über die Polarregionen in drei Sprachen. Auf dem Sports Deck befindet sich ein kleiner Fitnessraum, dahinter im Außenbereich gibt es einen Whirlpool und ein Bistro, in dem Frühstück und Mittag unter freiem Himmel serviert werden.

Frühstück und Mittagessen werden auch im Hauptrestaurant angeboten. Zusätzlich gibt es hier das Abendessen. Zur Auswahl stehen: Vorspeise, zwei Suppen, Salat, vier Hauptgerichte, vier Desserts.

Im Hauptrestaurant gibt es freie Tischplatzwahl. Alle Passagiere können gleichzeitig speisen.

Foto: Volker Herzig

Die nächste Reise der Sea Spirit führt ab 31. Oktober von Buenos Aires über die Falkland-Inseln und Südgeorgien in die Antarkis (22 Tage, ab 7170 Euro). Nach Ost-Grönland geht es wieder ab 31. August 2016 (14 Tage ab 5846 Euro).

Hier geht es zu der offiziellen Website von Poseidon Expeditions

Flagge: Bahamas
Baujahr: 1991, renoviert 2010
Passagiere max.: 114
Besatzung: 72
Länge: 90,60 m
Breite: 15,30 m
Tiefgang: 4,16 m
BRZ: 4.200 t
Geschwindigkeit max.: 14,5 Knoten
Eisklasse: 1D
Stromspannung: 110 V
Zahlungsmittel an Bord: US-Dollar


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