Fredericksburg a.k.a. Fritztown

Die deutscheste Stadt der USA

Mitten in dem vielleicht amerikanischsten aller US-Bundesstaaten gibt es einen Ort, der deutscher ist als mancher deutsche. Das Motto des Städtchens, das Fredericksburg heißt, aber kurz Fritztown genannt wird: „Texanische Gastfreundschaft, deutsche Kultur“.

Es gibt eine „Vereinskirche“ am „Marktplatz“, ein Restaurant namens „Lindenbaum“ gegenüber vom „Biergarten“, ein Bavarian Inn namens Friedhelm's:  Fredericksburg ist deutscher als manches deutsche Städtchen, weshalb man es hier kurz auch „Fritztown“ nennt. Und nach dem Leitmotiv „Texanische Gastfreundschaft, deutsche Kultur“ will man sich das auch bewahren.

In Fredericksburg steht auch die „Vereinskirche“. Im 19. Jahrhundert zogen viele deutsche Einwanderer in das texanische Städtchen

Foto: Getty Images

„Texas ist einer der deutschesten Staaten der USA“, sagt Michael W. Hagee. Der hat es bei den Marines bis zum General gebracht, jetzt ist er Direktor des Nationalen Museums für den Pazifikkrieg. „Das ist in Fredericksburg, weil Chester Nimitz hier geboren wurde“, erklärt er. Und die Stadt ist stolz auf den Admiral, der im Zweiten Weltkrieg Japan besiegte. „Bei ihm zu Hause wurde Deutsch gesprochen. Bei mir auch“, sagt Hagee. „Selbst mitten im Zweiten Weltkrieg: Wer hier beim Friseur oder in der Kneipe einen Plausch hielt, tat es auf Deutsch.“

General Michael W. Hagee ist Direktor des Nationalen Museums für den Pazifikkrieg in Fredericksburg. Er ist in der Stadt aufgewachsen. In seiner Kindheit wurde auf den Straßen des Ortes noch Deutsch gesprochen

Foto: Chris Melzer

Das Museum steht am „Nimitz-Platz“ – nicht am „Square“, wie sonst in den USA. Der Antiquitätenladen heißt „Der alte Fritz“, und wer ein Zimmer sucht, findet vielleicht etwas im „Gästehaus Schmidt“.

Warum ist Fredericksburg so deutsch? „Weil die deutschen Einwanderer hier sehr gute Bedingungen fanden“, erklärt Ex-General Hagee. „Und weil der Adelsverein sie schützte und unterstützte.“

Der Verein war eine Initiative von Adligen, die deutsche Siedlungen in Texas gründeten. „Allen voran ging Baron Otfried von Meusebach“, sagt Hagee. „Er legte hier zwar den Adelstitel ab, nicht aber die Attitüde eines Adligen.“ Doch den Deutschen schien es zu gefallen. In alten Briefen liest man: „Wenn Du hier nur halb so viel arbeitest wie in Deutschland, kannst Du ohne Probleme leben. Und wir sind hier frei!“

„Wir haben das Deutsche hier immer hochgehalten, und wir sind sehr stolz darauf“, sagt Fredericksburgs Bürgermeisterin Linda Langerhans. „Es hat sich sogar eine eigene Sprache entwickelt. Es ist ein Mix verschiedener deutscher Dialekte, aber mit dem Stand der 1840er-Jahre.“ Kam etwas Neues hinzu, musste ein eigenes Wort erfunden werden. „Ein Flugzeug ist zum Beispiel ein 'Luftschiff'.“ Und was andere Amerikaner „Skunk“ (Stinktier) nennen, heißt hier „Stinkkatze“. Texas German ist ein Leckerbissen für Sprachforscher.

Ein Test auf der Main Street, gleich am „Stadt Friedhof“. Wie reagieren die Texaner, wenn man ihnen ein freundliches „Guten Tag!“ zuruft. „Guden Tack“, ruft eine Frau lachend zurück und setzt, auf Englisch, hinzu: „Das ist aber alles Deutsch, was ich kann.“ Ein paar Brocken fallen Linda (46) doch noch ein. „Aber schade, dass meine Generation das nicht pflegt. Wir lernen eher Spanisch“ – vielleicht keine schlechte Idee, so dicht an der Grenze zu Mexiko.

Linda Langerhans ist die Bürgermeisterin von Fredericksburg

Foto: Chris Melzer

Daniel (29) reagiert auf das „Guten Tag!“ mit einem englischen „Kann ich helfen? Suchen Sie etwas?“ Dann bedauert auch er, dass es mit dem Deutschen nicht weit her ist. „Meine Großeltern sprachen das noch fließend. Bei mir würde es vielleicht noch reichen, um ein Bier zu bestellen.“

Auch die Bürgermeisterin fürchtet, dass ihre Generation als letzte Texas German (mehr dazu unten) spricht. „Es hat zwei Weltkriege überstanden, aber die Zuzüge aus anderen Teilen der USA oder aus Lateinamerika verdrängen es jetzt.“ Aber so wie sie noch einige Möbelstücke hat, mit denen ihre Vorfahren vor fast zwei Jahrhunderten kamen, so hält sie auch die Tradition hoch. „Und das macht jeder hier, selbst wenn er kein Deutsch mehr spricht. Es macht uns einzigartig und deshalb kommen jedes Jahr Hunderttausende Menschen zu uns.“

Für die Kinder hat alles noch einen besonderen Vorteil: Überall in den USA bekommen sie am Morgen des 25. Dezember die Weihnachtsgeschenke. „Bei uns nicht“, sagt Langerhans lächelnd, „bei uns ganz deutsch schon am Abend vorher.“

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Die Kuh jumpt über den fence – Das einzigartige Texas German

Texas German (Texanisches Deutsch) wurde von den deutschen Einwanderern in Texas vor mehr als eineinhalb Jahrhunderten geformt. Es ist ein Sammelsurium der unterschiedlichen Dialekte, die die Deutschen mitbrachten.

Die Grammatik orientierte sich auch am Englischen. Hinzu kommt, dass neue Wörter für neue Dinge erfunden wurden, die es um 1830 einfach noch nicht gab. Für Deutsche klingt Texas German fremd – ist aber ohne Probleme zu verstehen.

In Fredericksburg bestellt man „gemahlenes Fleisch“, wenn man Hackfleisch will, „moved nach New Braunfels“ oder geht „Kegeling“, während man im Rest der USA zum Bowling geht. Oft werden also Englisch und Deutsch vermischt.

Manche kämmen sich mit der „Haarbrush“ (Haarbürste), gehen dann „in die Office“ (ins Büro) oder „machen den Rase(n) mit dem Lawnmower“ (Rasenmäher). Das „Ü“ gibt es für viele nicht, sie beklagen dann, dass „Hihner und Kihe totgegangen“ seien.

Zum Chicken gibt es „Sisskartoffeln“ (auch „Sisspodädo“). Warum? Weil „das Bread alle gegangen ist“.

Der Linguist Hans Boas fürchtet, dass der Dialekt bald ausgestorben sein wird, weil er seit Jahrzehnten nicht mehr gepflegt werde. Sein Lieblingssatz, wenn ein Weidentier sich über den Zaun aus dem Staub gemacht hat: „Die Kuh ist über den fence gejumpt.“

In der Johnson Library in Stonewall (Texas) kann man sich Zitate von deutschen Einwanderern aus Briefen nach Hause durchlesen

Foto: Chris Melzer

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