Gegen illegale Dynamit-Fischer

So kämpft dieser Deutsche für sein Tauch-Paradies in Indonesien

Vor mehr als 20 Jahren eröffnete Jochen Schultheis aus Deutschland in Indonesien seine Tauchschule. Doch das wunderschöne Riff vor seiner Haustür droht immer mehr zu verfallen. Jetzt kämpft Schultheis für den Erhalt des Riffs – vor allem gegen die illegalen Dynamit-Fischer.

Eigentlich sah alles so aus, als würde dies wieder einer dieser herrlich ereignislosen Mittagspausen werden – müdes Abhängen im Palmenschatten. Plötzlich aber springt Jochen Schultheis auf, rennt über den Strand zum Steg, springt ins Motorboot und brettert aufs Meer hinaus. Irgendetwas ist da draußen passiert.

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Nach einer halben Stunde ist Jochen wieder da. Zusammen mit seinen Mitarbeitern hievt er meterlange Gartenschläuche mit Lungenautomaten auf den Steg. Dazu Plastikflaschen und Kanister, beschwert mit Steinen und gefüllt mit weißem Granulat: die Ausrüstung von Dynamitfischern, die mit Sprengsätzen Fische töten. Tag und Nacht müsse man auf der Hut sein, sagt er. „Sonst ist das Riff hier bald auch kaputt.“

Gartenschläuche und die mit weißem Granulat gefüllten Flaschen gehören zur Ausrüstung der Dynamit-Fischer, die mit diesen Sprengsätzen Fische töten und so auch das Riff vor Sulawesi gefährden

Foto: dpa/Arnd Petry

Auch interessant: An diesem Strand tauchen immer wieder Menschenknochen auf

Das legendäre Korallendreieck

Kaputtes Riff? Wer nur Jochen Schultheis' Tauchresort im Herzen der indonesischen Inselwelt besucht, kann das nur schwer glauben. Die Tauchplätze genügen höchsten Ansprüchen. Das dem Resort vorgelagerte Korallenriff bietet eine große Artenvielfalt, denn die Insel Selajar liegt im sogenannten Korallendreieck. Dieses Gebiet umfasst in etwa die Philippinen, Papua-Neuguinea und die östlichen Inseln Indonesiens und ist eine meeresbiologische Schatzkammer. Bei jeder globalen Bioinventur liegen die Riffe des Korallendreiecks in puncto Vielfalt vorne.

Das Riff vor der Küste ist eine meeresbiologische Schatzkammer

Foto: dpa/Selayar Dive Resort

Dass das Saumriff vor der Südostküste Selajars überhaupt noch in so einem guten Zustand ist, ist auch Jochen Schultheis zu verdanken. Der Tauchlehrer aus Franken kam vor mehr als 20 Jahren eher zufällig vorbei. Eigentlich wollte er eine Tauchbasis im rund 60 Kilometer südöstlich von Selajar gelegenen Meeresnationalpark Taka Bonerate aufmachen. Doch das Tauchen dort habe ihn enttäuscht, sagt er. „Auf dem Rückweg nach Sulawesi haben wir hier geankert – und einfach mal einen Tauchgang gemacht.“

Perfekte Bedingungen: Die Tauchschule des Selayar Dive Resort liegt nur ein paar Schritte vom Steg entfernt

Foto: dpa/Selayar Dive Resort

Auch interessant: Tauchen mit Haien – dieser Mann hat ein gefährliches Hobby

Plötzlich Explosionen unter Wasser

Seit der Jahrtausendwende betreibt Schultheis sein Selayar Dive Resort. Das Riff, ein Küstenabschnitt von etwa sieben Kilometer Länge, wurde damals auf sein Drängen hin per Gesetz geschützt. Fischen ist verboten. Aber was heißt das schon in Indonesien? Die Armut ist groß auf abgelegenen Inseln wie Selajar. Solange zahlungskräftige Taucher kommen, hält sich die Zahl der illegalen Dynamit-Fischer hoffentlich in Grenzen.

Für Taucher bieten die Riffe des Korallendreiecks eine enorm hohe Biodiversität

Foto: dpa/Selayar Dive Resort

„Heute Mittag tauchen wir an der Grenze des Schutzgebietes“, sagt Jochen, während das Motorboot vom Steg ablegt. Dann legt er den Hebel um. Nach fünf Minuten Gleiten ist der Tauchplatz erreicht, die Szenerie unter Wasser ist deprimierend. Das Riff hat seine Farben verloren, es gleicht einer Halde. Abgebrochene, kalkweiße Korallenstücke bedecken trostlos den Boden.

Auch Clownfische können Taucher vor der Südostküste Selajars beobachten

Foto: dpa/Selayar Dive Resort

Zwischen dem Schutt schwimmen vereinzelt kleine Fische. Interessanter wird es erst wieder im Schutzgebiet: Eine Seeschlange stellt Riffbarschen nach. Unter einem Überhang döst eine Schildkröte. Dann rummst es dumpf. Zwei mal. Schall breitet sich unter Wasser viel besser aus als in der Luft. Die Explosionen sind weit entfernt. Wieder sind Dynamit-Fischer illegalerweise am Werk, zerstören weiter die einst paradiesische Unterwasser-Welt...

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