Die Hai-Hauptstadt des Planeten

Das ist der gefährlichste Strand der Welt

Es ist eine Urangst des Menschen, beim Schwimmen plötzlich von einem Hai angefallen zu werden. Wissenschaftler haben ermittelt, an welchem Strand die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist. Wo er liegt (Tipp: nicht in Australien!), wieso Haie überhaupt angreifen – und warum es mitunter gefährlicher sein kann, am Strand liegen zu bleiben.

Von Maike Grunwald

Schon der berühmte Horrorfilm von Steven Spielberg aus dem Jahr 1975, „Der Weiße Hai“, spielte mit der archaischen Angst des Menschen, von dem riesigen Meeresraubtier angegriffen zu werden. Die Furcht vor einer Attacke, die aus der Tiefe kommt – und daher zwangsläufig wie aus dem Nichts.

Der Weiße Hai ist Titelheld des gleichnamigen Films von Steven Spielberg, der mit den Urängsten der Menschen spielt

Foto: Getty Images

Doch wie hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit? Der Strand, der statistisch gesehen die meisten Angriffe von Haien auf Menschen vorweist, liegt nicht in Australien oder in Südafrika, sondern in Florida, genauer gesagt in der Stadt New Smyrna Beach. Der dortige Strand zählt seit Beginn der Aufzeichnungen rund 250 Hai-Attacken. Damit sei dies der Strand mit der höchsten Anzahl von Hai-Angriffen pro Quadratmeter und gilt deshalb als weltweite Hai-Hauptstadt, berichtet unter anderem die australische Plattform „news.com.au“ unter Berufung auf Zahlen der ISAF. Es gibt Schätzungen, wonach jeder, der dort schon mal im Wasser geschwommen ist, rein statistisch nur 3 Meter von einem Hai entfernt gewesen sein muss.

Dennoch zieht es nach wie vor Urlauber nach New Smyrna Beach – und dort auch ins Wasser, wo vor allem der Bullenhai für die Angriffe verantwortlich sein soll.

Dieses Instagram-Foto zeigt einen gestrandeten Hai in New Smyrna Beach:

Der Surfer Gary Miller, der aus New Smyrna Beach kommt, und schon viel rumgekommen ist, sagte dem „Daytona Beach News Journal“: „Hier ist es am schlimmsten, was die Haie angeht. Ich sehe sie ständig.“

Wagen sich ins Revier der Raubfische: Surfer am New Smyrna Beach in Florida, wo es weltweit die meisten Hai-Angriffe gibt

Foto: dpa picture alliance

Haie verwechseln Menschen mit BeuteTieren

Bei den Angriffen durch Haie muss es sich um ein Versehen handeln – darin sind sich Forscher einig. Der Grund dafür: Menschen stehen nicht auf der Speisekarte der Raubfische.  „Sie beißen aus Neugier oder um sich zu verteidigen“, so die Experten der International Shark Attack File (ISAF), der berühmten Hai-Forschungsstelle der Universität von Florida.

Paddelnde Surfer sollen für Haie ähnlich klingen wie Beutetiere

Foto: Getty Images

Weltweit gab es im Jahr 2014 insgesamt 72 „unprovozierte Haiangriffe“, heißt es im jüngsten Report der ISAF, wovon drei, zwei in Australien und einer in Südafrika, tödlich endeten. „Unprovoziert“ bedeutet, dass es sich nicht um Fälle handelt, in denen Menschen die Initiative ergreifen, etwa wenn Taucher die Tiere anfassen oder wenn ein Hai, der in einem Netz verheddert ist, nach dem Fischer schnappt.

Für das Jahr 2015 liegt die Zahl höher, glaubt man den Daten, die von der Webseite www.trackingsharks.com erhoben werden. Dort sind für das vergangene Jahr 106 Attacken dokumentiert, wovon neun tödlich endeten. Zuletzt starb ein Venezolaner am 21. Dezember in der Nähe von Aruba in der Karibik. Sein Boot war gekentert, und während des Rettungsversuchs durch die Küstenwache verletzte ihn ein Hai tödlich. 

Hier sind die Hai-Attacken von 2015 zusammengefasst auf einer Karte:

Nordamerika führend

Sowohl die Vorfälle für das Jahr 2015 als auch 2014 zeigen, dass die Strände Nordamerikas in puncto Hai-Attacken weltweit zu den Spitzenreitern gehören. 52 der für 2014 auf der ISAF-Liste dokumentierten „unprovozierten Hai-Angriffe“ passierten hier, davon mehr als die Hälfte (28) in Florida. In Australien wurden „nur“ elf Angriffe (zwei davon tödlich) dokumentiert, zwei in Südafrika (einer davon tödlich), dazu Einzel-Vorfälle jeweils vor La Reúnion, Japan, Spanien, Neuseeland, Neukaledonien, Polynesien und den Galápagos-Inseln.

Insgesamt sei die Anzahl der Angriffe seit 1900 stetig gestiegen, berichtet die ISAF. Das bedeute aber nicht, dass die relative Wahrscheinlichkeit, gebissen zu werden, heutzutage höher sei, so die Experten. „Die steigende Zahl spiegelt nur wieder, dass immer mehr Menschen immer mehr Zeit im Wasser verbringen.“

Durch steigende Anzahl an Badegästen, neue Wassersportarten und Neoprenanzüge, die ein längeres Verweilen im Wasser erlauben, gäbe es inzwischen einfach mehr Begegnungen von Menschen und Haien. „Wir dringen in das Territorium der Haie ein“, betonen auch bekannte Surfer immer wieder.

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Selfies gefährlicher als Haie

Die Gefahr, von einem Hai gebissen zu werden, ist nüchtern betrachtet allerdings „extrem gering“, erklären Wissenschaftler regelmäßig, etwa der Forscher Tobey Curtis von der Meeres- und Klimabehörde NOAA in einem Interview mit der „Welt“.

Tatsächlich gibt es für Touristen statistisch gesehen weitaus größere Gefahren. Zum Beispiel Selfies machen: Von Januar bis September 2015 kamen dabei zwölf Menschen ums Leben, weil sie spektakuläre Fotos von sich schießen wollten, berichtete unter anderem das englischsprachige Magazin „Mashable“. Todesursache Nummer eins waren dabei Abstürze. Durch Hai-Angriffe starben im selben Zeitraum weltweit lediglich acht Menschen.

Mehr Tote durch Hunde oder Blitzeinschlag

Mancherorts ist es am Strand sogar gefährlicher als im Wasser. „Herabfallende Kokosnüsse töten 150 Menschen im Jahr, das sind 15-mal mehr Todesfälle als durch Haie“, zitiert die „Daily University Science News“ vor einigen Jahren George Burgess, Direktor ISAF der Universität Florida.

Auch ein Tod durch einen Blitz ist wahrscheinlicher als durch einen Hai. Ein langfristiger Vergleich der Universität Florida ergab, dass von 1959 bis 2010 in den USA 1970 Menschen durch Blitzschlag starben. Im selben Zeitraum gab es in den Vereinigten Staaten nur 26 tödliche Hai-Angriffe.

Sieht harmlos aus, ist aber tödlicher als Hai-Attacken: eine herabfallende Kokosnuss

Foto: Getty Images

Hunde waren zwischen 2001 und 2013 in den USA für 364 Todesfälle verantwortlich, Haie hingegen nur für insgesamt elf, ergab ein weiterer Vergleich der Universität. Alligatoren waren im Zeitraum 1948 bis 2005 mit 18 verstorbenen Menschen in den USA doppelt so tödlich wie Haie (neun Fälle, acht davon in Florida).

Skurril: An Amerikas Stränden starben von 1990 bis 2006 insgesamt 16 Menschen, weil sie in einstürzenden Sandlöchern verschüttet wurden – fünf Menschen mehr als durch Haie.

Ein Hai als Twitter-Star

Dass Haie weitaus mehr den Menschen zu fürchten haben als umgekehrt, ist mittlerweile bekannt. „Von mehr als 375 verschiedenen Haiarten gibt es nur 30, die jemals Menschen angegriffen haben. Von ihnen sind nur etwa ein Dutzend für Menschen gefährlich“, so die Forscher des Meeresmuseums der Florida University.

Den rund 100 Hai-Angriffen pro Jahr stehen auf der anderen Seite massive Zahlen gegenüber: Etwa 73 Millionen Haie werden jährlich von Menschen getötet, schätzen Naturschutzorganisationen wie die „Australian Marine Conversation Society“. Schuld daran sei vor allem die große Nachfrage nach Haifischflossen auf dem Asiatischen Markt. Grausamerweise werden den Tieren oft die Flossen bei lebendigem Leib abgeschnitten, die sterbenden Fische dann zurück ins Meer geworfen.

Zur Erforschung und zum Schutz der faszinierenden Tiere hat die Forschungsorganisation „Osearch“ Haie mit Satellitensendern ausgestattet, darunter auch den Weißen Hai „Mary Lee“. Die fast fünf Meter lange Raubfischdame, der man unter anderem auf „Twitter“ folgen kann, hat dort inzwischen mehr als 90.000 Fans.

Ein Drittel aller Haifischarten der Meere sei mittlerweile vom Aussterben bedroht, schätzt die Weltnaturschutzunion IUCN. Da die hochspezialisierten Räuber unverzichtbar für das natürliche Gleichgewicht der Ozeane sind, hätte ihr Verschwinden weitreichende Folgen – auch für den Menschen. Langfristig gefährlicher als Haie sind: keine Haie mehr im Meer.

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