In der Karibik

Guadeloupe – die wohl schönste Insel Frankreichs

Frankreich hat einige Überseegebiete, zu denen auch viele Inseln zählen. Guadeloupe in der Karibik gehört zu den schönsten – trotz ihrer unrühmlichen Vergangenheit als Sklaveninsel.

Abgetretene Steinstufen führen hinauf zu einem Platz, auf dem heute die weiß getünchte Kirche von Petit-Canal thront. Hier wurden früher Sklaven für die Arbeit auf den Zuckerrohr- und Kaffeefeldern der weißen Plantagebesitzer verkauft.

Les marches des esclaves, die Stufen der Sklaven, wird die Treppe genannt. Man sagt, die Leibeigenen hätten die 49 Stufen erbaut. „Das beruht auf einer Legende, denn die Geschichte der Sklaverei basiert auf mündliche Überlieferungen der Abkömmlinge“, erklärt Marie Moutou.

Hort für Ökotouristen: die Plantage Habitation La Grivelière in den Bergen. Dort herrschte einmal der Habitant, der weiße Besitzer, über die mittellosen schwarzen Sklaven – ein Stück Geschichte wird dort heute noch erlebbar.

Foto: CTIG/Jad Davenport

Marie ist Reiseführerin und wohnt in Petit-Canal, einer Kleinstadt im Norden von Grande-Terre, einer der beiden Hauptinseln von Guadeloupe. Sie bildet den östlichen Flügel des französischen Überseedepartements mitten in der Karibik, das zusammen mit Basse-Terre, dem westlichen Flügel, die Umrisse eines Schmetterlings darstellt.

Der Strand von Saint-François auf Guadeloupe

Foto: Getty Images

Beide werden nicht nur durch die Brücke Pont de la Gabarre verbunden, sondern auch durch die Sklavenroute Route de l'esclave.

Die Insel Guadeloupe in der Karibik gehört zu Frankreich. Das europäische Land war viele Jahre Kolonialmacht.

Foto: Atout France/Richard Soberka

Der Handel mit Sklaven aus Afrika erreichte vor allem unter den Franzosen, die 1635 Guadeloupe kolonialisierten, seinen Höhepunkt. „Ab 1640 führten die Franzosen für ihre Plantagenwirtschaft massiv Sklaven ein“, erzählt Marie. Guadeloupe zählt gut 400.000 Einwohner, 90 Prozent sind Schwarze und Mulatten.

Von der Kirche aus schweift der Blick geradeaus auf einen kleinen Hafen. Fischerboote schaukeln an den Stegen. Inmitten dieser Idylle aus Mangobäumen, roten Bougainvillea und dem glitzernden Meer fällt es schwer, sich vorzustellen, dass hier einer der bedeutendsten Umschlagplätze für Sklaven war.

Am Fuß der Marches des esclaves erhebt sich auf einem Steinsockel eine riesige Ka, eine Handtrommel, auf der die Ewige Flamme für den unbekannten Sklaven brennt. Das Denkmal wurde 1994 anlässlich der 200. Jahresfeier zur Abschaffung der Sklaverei in den französischen Kolonien am 4. Februar 1794 errichtet.

Die Ewige Flamme für den unbekannten Sklaven brennt auf einer überdimensionierten traditionellen Handtrommel und erinnert an die Abschaffung der Sklaverei

Foto: Sabine Glaubitz

Die Ka ist afrikanischen Ursprungs und hat sich auf Guadeloupe bis heute erhalten. „Die Klänge und Rhythmen der Handtrommeln waren lange verrucht“, sagt Marie. Heute sei die Musik die Seele Guadeloupes.

In Petit-Canal ist die Geschichte des Menschenhandels allgegenwärtig – auch wenn allmählich die Natur von ihr Besitz ergreift. Die nur wenige Meter weiter liegende Ruine ist das Überbleibsel eines Sklavengefängnisses. Die Gemäuer, um die sich die kräftigen Wurzeln einer uralten Würgefeige legen, stehen seit 1991 unter Denkmalschutz.

Die Natur holt sich das Gemäuer zurück: Eine Würgefeige in den Mauern des alten Sklavengefängnisses in Petit-Canal

Foto: Sabine Glaubitz

Die Route de l'esclave führt auf der Nationalstraße N1 weiter nach Basse-Terre und über den nur 50 Meter breiten Meeresarm Rivière Salée. Das Ziel: Fort Louis Delgrès. Es erhebt sich auf einem Felsvorsprung an der Südspitze von Basse-Terre.

Das Fort Delgrès wurde von den Franzosen sternenförmig angelegt – es wurde zur Verteidigung gegen die Engländer genutzt. Benannt ist die Festung nach dem Freiheitskämpfer Louis Delgrès.

Foto: CTIG/Ph. Giraud

Errichtet wurde das massive Bauwerk aus dem 17. Jahrhundert zur Verteidigung der Franzosen gegen die Engländer.

Im Fort Delgrès können Besucher zwischen den Gemäuern der alten Kolonialherren herumlaufen. Die Franzosen nutzten die Festung, um Guadeloupe zu verteidigen.

Foto: Sabine Glaubitz

Delgrès ist der Nationalheld der Insel. Überall stehen Büsten des Widerstandskämpfers, der gegen die Wiedereinführung der Sklaverei kämpfte.

Louis Delgrès kämpfte gegen die Sklaverei auf Guadeloupe. Heute gibt es wie hier im Fort auf der Insel viele Statuen, die den Nationalhelden zeigen.

Foto: Sabine Glaubitz

An das Schicksal der rund 300.000 Sklaven, die bis Mai 1848 nach Guadeloupe gebracht wurden, erinnert in der Hauptstadt Pointe-à-Pitre das neue „MémorialACTe“. Das im Juli 2015 eröffnete Museum wurde auf dem Gelände errichtet, auf dem einst die größte Zuckerrohrfabrik der Insel stand – und einer der größten Sklavenbetriebe.

Futuristischer Bau: das neue Kunstmuseum Mémorial ACTe in Pointe-à-Pitre. Früher stand dort einmal eine Zuckerrohrfabrik, in der viele Sklaven arbeiten mussten.

Foto: Guillaume Arique

Auch interessant: Saba, Sint Eustatius oder Wallis-et-Futuna: Diese 23 Insel-Exoten gehören zu Europa!

Reiseinformationen für Guadeloupe

Anreise: Über Paris Charles-de-Gaulles unter anderem mit Air France, Air Caraibes und Corsair nach Guadeloupe. Die Flugzeit beträgt rund neun Stunden. Vor Ort weiter mit dem Mietwagen.

Unterkünfte: Die am besten bewerteten Hotels auf Guadeloupe

Reisezeit: Die Durchschnittstemperatur auf Guadeloupe liegt bei 29 Grad. Das Klima ist tropisch. Die Insel kann wie alle Inseln der Karibik ganzjährig bereist werden.

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