Was aus La Catedral wurde

Die Geschichte von Pablo Escobars Luxus-Knast

Man stelle sich vor, ein Drogenboss kommt ins Gefängnis, das er vorher ganz nach seinen eigenen Vorstellungen bauen durfte. Was absurd klingt und in der Netflix-Serie „Narcos“ beschrieben wird, ist in Kolumbien tatsächlich so passiert. Pablo Escobar gestaltete „La Catedral“, wie der Knast genannt wurde, mit all dem Luxus, den er während seiner Haft nicht missen wollte: Whirlpool, eine Disko und ein Fußballfeld gehörten ebenso dazu wie ungehinderter Zugang von Prostituierten und Fußballstars. Die Geschichte des Knasts – und was daraus wurde.

Auch als leidenschaftlicher „Narcos“-Fan erlebt man beim Anschauen der Netflix-Serie immer wieder diesen Moment, in dem sich das Erstaunen über das Leben von Pablo Escobar in Unglaube verwandelt. Ein Drogenboss, der sich sein eigenes Gefängnis baut? Ein Gefängnis, in dem es ein Kasino, Bars, ein Fußballfeld und eine Disko gibt? Das muss der Hollywood-Hang zur Übertreibung sein. Doch tatsächlich beruht die dekadente Ausstattung von Pablo Escobars Gefängnis „La Catedral“ aus der Serie auf Fakten.

Als die kolumbianische Armee und die US-amerikanische Drogenvollzugsbehörde DEA dem König des Kokains Ende der 1980er-Jahre immer dichter auf den Fersen waren, begann Escobar damit, Bombenanschläge auf Medellín zu verüben und Prominente zu kidnappen, um Druck auf die Behörden auszuüben. Der kolumbianische Präsident war darüber so verzweifelt, dass er heimlich begann, mit Escobar zu verhandeln. Dieser ließ sich darauf ein, weil der Fahndungsdruck durch kolumbianische Behörden und DEA-Agenten so hoch war, dass er mit einer „unfreiwilligen“ Verhaftung und der anschließenden Auslieferung an die USA rechnen musste.

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Drogenbaron Pablo Escobar

Foto: Getty Images

Pablo Escobar bot an, sich zu stellen und freiwillig fünf Jahre ins Gefängnis zu gehen. Allerdings nur unter drei Bedingungen: Erstens sollte die kolumbianische Verfassung so geändert werden, dass eine Auslieferung von kolumbianischen Kriminellen an die USA unmöglich wurde. Zweitens verlangte er, dass sein damals unerbittlichster Gegner, General Maza, seinen Posten aufgeben musste. Und drittens: dass er sein eigenes Gefängnis am Ort seiner Wahl selber entwerfen und bauen konnte. Natürlich auch nur mit Wärtern, die er selbst  ausgesucht hatte.

Wie Escobar den Ort für sein Gefängnis wählte

Ziel dieses Deals war, dass Image des Präsidenten durch einen temporären Frieden wieder herzustellen und Pablos Sicherheit vor den USA zu gewährleisten. Der wahre Plan der Regierung: Escobar erst einmal gewähren zu lassen und dann in ein anderes kolumbianisches Gefängnis zu verlegen.

Doch der Drogenbaron wähnte sich als klarer Sieger des Deals: Er machte sich auf, um einen geeigneten Ort für sein Gefängnis zu finden und entschied sich für einen Berg in der Nähe seiner Heimat Envigado, der inmitten von riesigen, dichten Wäldern liegt und die meiste Zeit des Tages von dichtem Nebel verborgen ist, was es Spähern der kolumbianischen und US-amerikanischen Behörden unmöglich machen sollte, Escobar auszuspionieren.

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Ein von Pablo Escobar (@pabloescobar_tr) gepostetes Foto am

Basketballplatz, Kasino, künstlicher Wasserfall

Dann baute Pablo das Gefängnis nach seinem eigenen Standard. La Catedral, das von den Kolumbianern auch „Club Medellín“ und „Hotel Escobar“ genannt wurde, verfügte über einen Basketballplatz, ein Fußballfeld, ein Kasino, eine Billardhalle, einen künstlichen Wasserfall, einen Hubschrauberlandeplatz und ein riesiges Puppenhaus für Escobars kleine Tochter, schließlich kam die Familie des Drogenhändlers, die nahe dem Gefängnis wohnte, regelmäßig zu Besuch.

In Escobars Schlafzimmer gab es ein rotierendes Bett und daneben einen Whirlpool. Ansonsten war das La Catedral ein Entertainment-Center für das Drogenkartell: Hier wurden Partys gefeiert (manchmal sogar Hochzeiten!), zu denen neben Escobars Freunden auch Prostituierte und befreundete Fußballstars ins Gefängnis geschmuggelt wurden. Natürlich gab es in La Catedral auch Alkohol, Marihuana und Kokain in Hülle und Fülle. Und Feinde Escobars wurden hierher gebracht, gefoltert und ermordet.

Während der Drogenpatron es sich in seinem hochkarätigen Kittchen gemütlich machte,  mussten die Bosse der ihm unterstellten Kartelle eine hohe Steuer an ihn zahlen. Pablos Sicarios, Auftragskiller, sollen die Bündel von teils einer Million US-Dollar in Milchkannen ins Gefängnis geschmuggelt haben.

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Heute ist La Catedral ein Altersheim

Der Aufenthalt von Escobar in La Catedral sollte jedoch nur etwas mehr als ein Jahr dauern: Als die Regierung plante, ihn in ein anderes Gefängnis zu bringen, floh er mit seinen Sicarios durch die Wälder. Danach war er noch einmal ein ganzes Jahr auf der Flucht, bevor er schließlich am 2. Dezember 1993 bei einem Festnahmeversuch von kolumbianischen Polizisten erschossen wurde.

Nach Escobars Tod ging La Catedral in den Besitz der kolumbianischen Regierung über. Heute werden die Überbleibsel des Gefängnisses für etwas genutzt, was kaum gegensätzlicher zu ihrem ursprünglichen Zweck sein könnte: Benediktiner-Mönche betreiben hier seit 2007 ein Altersheim. Rund 50 Senioren leben hier.

„Es hat sich viel verändert“, erzählt Rodrigo de Jesús Rivera, ein Anwohner, dem kolumbianischen Radiosender RCN. Einst hätten hier „sehr böse Menschen“ gelebt und „hat man es hier wie im Himmel, es ist sehr ruhig und friedlich“. Viele Ausländer würden kommen, um den Ort zu sehen, wo Pablo Escobar mehr residierte als inhaftiert war.

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