Laguna de los Cóndores

Das ist der geheimnisvolle Mumien-See von Peru

Laguna de los Cóndores lautet sein Name, „Kondorsee“ auf Deutsch. Doch inoffiziell nennt man ihn auch Laguna de las Momias – den „Mumiensee“. Mehr als zweihundert gut erhaltene Inka-Mumien fanden Archäologen 1997 in einer Grabstätte am steilen Ufer des nur einem Quadratmeter großen Gebirgssees, der sich auf 2.900 Metern Höhe in den Anden Nordperus verbirgt. Welche Geheimnisse sie lüften, und warum die Toten mit Grabbeigaben ausgestattet waren.

Wunderschön und majestätisch sieht er aus, der Kondorsee in Nordperu, gelegen auf fast 3.000 Metern Höhe in den Anden. Mehr als 500 Jahre lang ruhten Hunderte von Inka-Mumien in einer Grabstätte am See, bis sie 1997 von Archäologen gefunden wurden. Die Mumien lüften Geheimnisse rund um die Lebensweise einer längst versunkenen Kultur, die Forschern noch immer Rätsel aufgibt.

Spektakulärer Fund: Die Mumien vom Kondorsee sind heute im Leymembambas Museum in Peru ausgestellt

Foto: Getty Images

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Mysteriöse  „Wolkenmenschen"

Die kunstvoll präparierten Körper hatten mehr als 500 Jahre im Verborgenen geruht, bis sie zufällig von einer Hirtenfamilie entdeckt wurden. Die Mumien waren nach alter Inka-Art bestattet, in Fötus-Position gebunden, eingewickelt in mit Gesichtern bemalten Hüllen aus gewebtem Stoff. Zusätzlich konserviert waren sie durch eine dicke Schicht Pflanzen, die sie im Laufe der Jahrhunderte umwuchert hatte – ein natürlicher Schutzmantel vor Feuchtigkeit und Verwesung.

Forscher identifizierten sie als Erbe der Chachapoya, einem prähistorischen Andenvolk. Den Namen, der in der Sprache Quechua so viel wie „Wolkenmenschen“ bedeutet, erhielt das Volk von den Inkas, die sie vermutlich im 15. Jahrhundert unterwarfen. Mysteriös wie Bergnebel sind sie geblieben: Von spanischen Chronisten im 16. Jahrhundert als die „schönsten Indianer Perus“ beschrieben, gelten die Chachapoya heute laut Forschern des „British Museum“ als „eine der am wenigsten verstandenen alten Kulturen Südamerikas“.

Auf den Spuren der „Wolkenmenschen“: Blick über die Anden in Nordperu

Foto: Getty Images

Das Wunder vom Kondorsee

Der Fund vom Kondorsee gilt als spektakulär, da die Körper sehr gut erhalten sind und neue Erkenntnisse zur Kultur der Chachapoya ermöglichen. Im nahen Museum von Leymebamba, wo die 219 Mumien und ihre Grabbeigaben heute aufbewahrt und zum Teil ausgestellt werden, untersuchen die Forscher sie auch mit Röntgengeräten. Inzwischen gehen Forscher des Museums davon aus, dass die „Wolkenmenschen“ die Kunst der Mumifizierung von den Inkas übernahmen.

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„Diese Mumien sind ein Wunder“, sagt Mumien-Expertin Dr. Sonia Guillen in einem Bericht der BBC.  „Es sind die ersten, die uns zeigen, wie die Inkas ihre Toten auf königliche Weise mumifizierten. Sie trockneten die Haut, um sie haltbar zu machen, verwandelten sie in Leder und entnahmen die inneren Organe.“

Bei den Mumien muss es sich um die Leichen wichtiger Persönlichkeiten gehandelt haben, denn die typischen Spuren von damals üblicher schwerer körperlicher Arbeit fehlten. Laut der Expertin Dr. Guillen blieben solche Menschen der Gesellschaft auch nach ihrem Tod weiter enthalten  – als Mumien: „Sie nahmen an Meetings teil, hatten weiterhin Besitztümer und fällten Entscheidungen.“

Ein Schädel ruht in einer Grabstätte nahe des Kondorsees

Foto: Getty Images

Tausende weitere Mumien

Die Entdeckungen aus der Grabstätte sind auch ein Hinweis auf weitere Schätze, so die BBC: Experten vermuten, dass in der Umgebung noch Tausende Chachapoya-Mumien verborgen sind. 17 Grabstätten sind bereits bekannt, wurden wegen der hohen Kosten aber noch nicht archäologisch freigelegt.

Der Kondorsee liegt in dem weitläufigen Gebiet, das als Wirkungsstätte der Chachapoya gilt,  nur 80 Kilometer nördlich der berühmten Ruinen von Kuelap, auch bekannt als „Das Machu Picchu des Nordens”. Einst war es wohl das politische und religiöse Zentrum der „Wolkenmenschen“, doch auch hierüber gibt es verschiedene Theorien. Die gesamte Gegend gilt unter Forschern als diejenige mit der vielleicht höchsten Dichte an unentdeckten und unerforschten Orten von historischem Interesse in ganz Südamerika.

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Auch Alpakas genießen die herrliche Landschaft rings um die Ruinen von Kuelap

Foto: Flickr:Sarah Murray:CC BY-SA 2.0.

Bald ein Touristen-Hotspot?

Bislang besuchen nur 150 Touristen im Jahr den Kondorsee, heißt es im Bericht der BBC, doch das könnte sich bald ändern:  Im Juli soll bei den Ruinen von Kuelap eine neue Seilbahn  eröffnet werden, außerdem sind Flüge in die Region geplant. Dann könnte der Mumien-See vom Geheimtipp zum Touristen-Hotspot werden.

(mgr)

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