Die gefährlichste Stadt Mexikos

Acapulco – das blutige Ende eines Urlauberparadieses

Acapulco – das war einst ein Hotspot für den Jetset. Ein Ort wie St. Tropez, Capri, Mykonos, nur eben in Mexiko. Doch wo sich früher Prominente, Reiche, Schöne trafen, herrscht heute Krieg. Acapulco hat mittlerweile die vierthöchste Mordrate der Welt, und ist damit eine der gefährlichsten Städte der Erde.

Es hat sich sehr viel verändert in Acapulco. Leider. Über Jahrzehnte war die Stadt ein Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt, und vor allem aus den USA. Brigitte Bardot und Gunter Sachs verbrachten hier einst ihre Flitterwochen, Tarzan-Darsteller Johnny Weissmüller zog es gar ganz in den Ort, der so etwas wie die mexikanische Version von St. Tropez war – bekannt für gutes Wetter, schöne Menschen, Luxushotels und ein ausschweifendes Nachtleben.

Der Strand von Acapulco

Foto: Getty Images

Doch damit ist es vorbei. Acapulco ist in einem Land, das von Drogenkartellen beherrscht wird, die Hauptstadt des Todes. Keine andere Metropole in Mexiko weist eine höhere Mordrate auf: Im Jahr 2015 kamen 104,73 Tötungsdelikte auf 100.000 Einwohner. Im weltweiten Vergleich haben drei Städte, die nicht in Kriegsgebieten liegen, eine noch höhere Mordrate (siehe Grafik unten). Und das Morden in Acapulco hört nicht auf.

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„Es gibt fast kein Nachtleben mehr“

Erst Mitte Mai überfielen Bewaffnete ein Restaurant mitten im Touristenviertel und töteten drei Kellner. Kurz zuvor hatte ein Auftragskiller sein Opfer am Strand ermordet und war anschließend per Jet-Ski geflüchtet.

„Abends ist Acapulco nicht mehr, was es einmal war. Es gibt fast kein Nachtleben mehr“, sagt die Geschäftsfrau Laura Caballero Rodríguez der Deutschen Presse-Agentur. „Die Leute, die hier leben oder von außerhalb kommen, haben Angst, auszugehen.“ Doch ohnehin kommen immer weniger von außerhalb. Caballero Rodríguez: „Wir haben nicht mehr dieselbe Menge ausländischer Touristen, und der Kampf der Regierungen gegen die Gewalt hat bislang keine Resultate gebracht.“

„Es gibt keinen besseren Unterdrücker als die Angst. Das ist das Werk der Narco-Regierung“. Die Politik wird beschuldigt, mit den Kartellen zusammenzuarbeiten.

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Acapulco ist abhängig vom Tourismus

Von den 17 Geschäften, die Caballero Rodríguez früher auf der Küstenstraße Miguel Alemán, der wichtigsten Straße der Stadt, besaß, ist ihr kein einziges geblieben. Sie alle fielen der Erpressung, Entführungsversuchen und anderen Aktivitäten krimineller Gruppen zum Opfer.

Seit 2007 nimmt die Gewalt in Acapulco zu, 2012 explodierte sie, und Angst und Unsicherheit bedrohen heute das Leben und den Tourismus, der noch immer die wichtigste Einnahmequelle ist. Hauptsächlich sind es mexikanische Touristen, die hier urlauben. Doch auch die halten sich nach neuen Gewaltausbrüchen fern. Und je weniger Urlauber kommen, desto größer werden die sozialen Probleme – was wiederum zu mehr Kriminalität und Gewalt führt. Ein Teufelskreis.

Einwohner fordern: Frieden für Acapulco

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Rund 50 Banden sind für die Gewalt verantwortlich

Angefangen hat alles mit einem Krieg zwischen den Drogenkartellen, die um ihr Geschäft kämpften. Acapulco, rund 400 Kilometer südlich von Mexiko-Stadt, ist aufgrund seiner Lage einer der Knotenpunkte für den Schmuggel von Kokain und Heroin. Zudem haben sich immer mehr Verbrechergruppen gebildet, die mit Entführungen und der Erpressung von Unternehmern ihr Geld verdienen.

„Rund 50 Verbrecherbanden haben die Gewalt in Acapulco wieder aufleben lassen“, sagt der Staatsanwalt von Guerrero, Xavier Olea Peláez. Laut der Justizbehörde des Bundesstaates, in dem Acapulco liegt, befinden sich Gruppierungen wie La Barredora oder das Kartell CIDA in einem Dauerstreit über das Touristenviertel der Küstenstadt.

„Das Hauptproblem der Unternehmer und Geschäftsleute ist, dass eine Bande kommt und Geld für die Nutzung der Räumlichkeiten fordert, und kurz darauf kommt eine andere und fordert nochmal dasselbe. Wenn du nicht zahlst, töten sie dich“, erklärt Geschäftsfrau Caballero Rodríguez. Viele zahlen mehrfach Schutzgeld – doch Schutz garantiert niemand.

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Acapulco ist die neue Ciudad Juárez

„Das Problem sind die Gewalt und ihre Ursachen“, sagt Bürgermeister Evodio Velázquez. Nur eine umfassende Strategie könne der Stadt helfen, glaubt er. Staatliche und private Initiativen müssten zusammenarbeiten, um die örtliche Wirtschaft zu reaktivieren, das soziale Gefüge zu heilen und Infrastrukturprojekte auf den Weg zu bringen. Ein Plan, der in Anbetracht von Korruption und Bedrohungen von Medien und Beamten nur schwer umzusetzen ist.

Mittlerweile ist Acapulco so etwas wie die neue Ciudad Juárez, die von 2008 bis 2010 als gefährlichste Stadt Mexikos galt. Ein umfassender Plan half damals, die Situation in der Stadt an der Grenze zu den USA in den Griff zu bekommen. „Acapulco muss eine ähnliche Lösung suchen“, sagt Velázquez.

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Eine Touristenattraktion: die Klippenspringer von Acapulco am Felsen La Quebrada

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Behörden setzen mehr Polizisten ein

Seit Januar haben die Behörden die Sicherheitskräfte mindestens dreimal verstärkt. In der Ostersaison kamen 13.000 Soldaten und Marine-Infanteristen hinzu. Laut Angaben aus Sicherheitskreisen sind derzeit mehr als 6000 Beamte der Bundespolizei im Einsatz, um den Hafen zu schützen. Weitere Beamte der städtischen und staatlichen Polizei sowie Armeetruppen bewachen die Schulen.

Soldaten sollen Badeurlauber schützen

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Am 24. April kam es zu einer der schlimmsten Schießereien der vergangenen Jahre. Fast zwei Stunden lang lieferten sich Polizisten im Touristenviertel mit den Verbrechern eine Verfolgungsjagd. Drei Wochen später wurden drei Männer am helllichten Tag erschossen – ganz in der Nähe des Strandes, der am Pazifischen Ozean liegt, dem „friedlichen“ Ozean.

Am 24. April 2016 kam es zu einer Schießerei zwischen Polizisten und Kriminellen

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Gewalt in Mittelamerika: So sollten sich Reisende verhalten

Die Gewaltkriminalität in Mittelamerika ist sehr hoch. Länder wie El Salvador, wo die als Maras bekannte Jugendbanden agieren, haben die höchsten Mordraten der Welt. Der Einsatz von Schusswaffen ist bei Überfällen zwischen Mexiko und Panama weit verbreitet, zeigen die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes.

Touristen müssen daher besonders umsichtig sein. Sie sollten sich nur in sicheren Stadtteilen aufhalten, keinen Schmuck und andere Wertsachen mit sich tragen, ihre Dokumente im Hotelsafe aufbewahren und nur lizenzierte Taxis benutzen.

Kommt es dennoch zu einem Überfall, sollten Reisende unter gar keinen Umständen Widerstand leisten. Denn die Räuber machen oft schon bei kleinsten Anlässen von ihrer Waffe Gebrauch, warnt das Auswärtige Amt. Die Alltagskriminalität in Mittelamerika unterscheidet sich von Land zu Land: Während etwa Guatemala und Honduras besonders gefährlich sind, liegt Costa Rica „auf einem mittleren Platz“, so die deutsche Behörde. In Mexiko kommt es sehr auf den Landesteil an.

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