Von Cannes bis Caracas

Die unfreundlichsten Städte der Welt

Die Leser des „Condé Nast Traveler“ haben die zehn unfreundlichsten Städte der Welt gewählt. Vergangenes Jahr war mit Frankfurt auch eine deutsche Stadt dabei. Wie sieht es im neuen Ranking aus? In welcher Stadt leben die muffeligsten Menschen der Welt? Und wo die freundlichsten?

Was macht eine Stadt unfreundlich? Zum einen natürlich die schlechte Laune der Menschen. Wer an jeder Straßenecke angepflaumt und angerempelt wird und auf höfliche Fragen nur patzige oder gar keine Antworten bekommt, kann zu recht behaupten, dass das Umfeld nicht gerade zum freundlichsten zählt.

Auch das Wetter könnte eine Rolle spielen – und gewiss lässt sich ein Zusammenhang unterstellen zwischen dem Missmut der Menschen und der hohen Anzahl von Regentagen, zum Beispiel. Doch daneben spielen auch andere Faktoren bei der Wahl hinein, so erklären es die Redakteure des „Condé Nast Traveler“, die ihre Leser jetzt schon zum dritten Mal nach den freundlichsten und den unfreundlichsten Städten der Welt gefragt haben.

Sprachbarrieren und Kriminalität

Die politische Situation zum Beispiel. Ein grimmig dreinschauender Putin auf dem Roten Platz macht Moskau nicht unbedingt zu einem freundlichen Ort. Auch Sprachbarrieren – siehe China –, Größe und Unübersichtlichkeit – siehe Neu-Delhi – sind nicht zu verachtende Faktoren bei der Wahl zur unfreundlichsten Stadt, die sich am Ende wohl eher über die bekannten Wohlfühlfaktoren erklären lässt statt über die Mentalität der Menschen.

Und natürlich spielt Kriminalität eine große Rolle dabei. Das war auch der Grund dafür, warum Johannesburg im vergangenen Jahr an der Spitze des Negativ-Rankings landete. Denn Gewalt und Überfälle sind immer noch ein großes Problem in der Metropole Afrikas – trotz verschiedener Initiativen und Projekte. „Es ist nicht sicher, sich frei in Johannesburg zu bewegen“, warnte damals ein Leser. „Kriminalität und Kontraste“ prägten die Stadt, so ein anderer. Und ein Leser erzählte, dass er genötigt wurde, Trinkgeld zu geben für einen Service, den er gar nicht erhalten hatte.

Johannesburg, im Stadtteil Newtown

Foto: dpa

Mit Frankfurt am Main landete im vergangenen Jahr auch eine deutsche Stadt im Ranking. Die Frankfurter, so sagten die amerikanischen Leser, seien sehr unhöflich und gefühlskalt. Mit Ausnahme der Touristen. Einer wollte zudem beobachtet haben, „dass die gewöhnlichen Menschen dort nicht sehr glücklich sind”. Auch Paris hatte schlechte Karten bei den Lesern und landete auf Platz 4. „Bringt auf jeden Fall einen Stadtplan mit“, riet etwa ein Leser, „denn die Einheimischen werden sich keinen Zentimeter bewegen, um dir zu helfen.“ Und über Mailand (Platz 8) urteilte ein Besucher ohne Gnade: „Vergesst es. Enttäuschend.”

Die unfreundlichsten Städte der Welt

Doch wie sieht es in diesem Jahr aus? Ist Deutschland vertreten? Kommt Frankreich, in der letzten Top 10 gleich mit drei Städten vertreten, auch in diesem Jahr wieder schlecht weg? Und wo leben Sie denn nun: die unfreundlichsten Menschen der Welt? Das aktuelle Ranking in der Übersicht.

Platz 10: Cannes, Frankreich

Der Glamour der Stadt der berühmten Filmfestspiele ließ zumindest die Leser des amerikanischen Reisemagazins ziemlich kalt. Cannes sei das „Vegas Europas“, schimpfte ein Leser noch im vergangenen Jahr, wo die Metropole sogar auf Platz 2 landete. Im aktuellen Ranking ist es zwar nur auf Platz 10, aber dennoch lassen die Leser kaum ein gutes Haar an der Metropole am Mittelmeer: Cannes sei gefüllt mit „sehr reichen, dünnen Snobs“, schrieb einer – und viele hielten diese zudem für mehr als nur „ein bisschen grob“. Quel dommage!

Blick auf Cannes

Foto: dpa

Aber natürlich hat Cannes auch seinen Reiz. Lesen Sie hier, was man als Tourist dort alles erleben kann.

Platz 9: Jakarta, Indonesien

„Der schrecklichste Ort, an dem ich jemals gewesen bin“ war Jakarta für einen Leser – die Stadt sei „schmutzig und verstopft“, die Einheimischen wären gar „aggressiv“. Auf den Straßen gehe es oft nur schleichend vorwärts: „Wir brauchten zwei Stunden vom Flughafen zum Hotel“, schimpfte ein Leser. In der Regenzeit (Oktober bis Mai) würden zudem unkontrollierte und heftige Überflutungen Verwüstungen anrichten. Dann flüchtet man sich am besten in ein Padang Restaurant, in dem die westsumatrischen Spezialitäten traditionell auf eine spezielle Art serviert werden – dem Gast werden alle Gerichte, die es gerade gibt, angeboten, am Ende bezahlt er nur das, was er tatsächlich gegessen hat. Man mag anfangs vielleicht etwas eingeschüchtert sein, so ein Leser, „aber das Essen ist unglaublich“.

Hier geht es nur mühsam voran: auf den Straßen Jakartas

Foto: getty images

Platz 8: Moskau, Russland

Irgendwie wundert es nicht, dass Moskau auch in diesem Jahr wieder in den Top Ten gelandet ist. Denn in der Hauptstadt Russlands wohnt und regiert schließlich Wladimir Putin, dem man ja so einiges vorwerfen kann, aber nicht überzogene Freundlichkeit – was er auch im Laufe des vergangenen Jahres wieder gern unter Beweis stellte. Auch die Einheimischen seien „mürrisch und unfreundlich“, beklagten sich die Leser des amerikanischen Magazins, die zudem immer wieder an Sprachbarrieren scheiterten. Fast alle Schilder seien in kyrillisch, nur wenige auf Englisch und viele Verkäufer in den Geschäften konnten nicht helfen – weil sie nur russisch sprachen.

Putin-Souvenir in einem Schmuckladen in Moskau

Foto: getty

Platz 7: Kairo, Ägypten

Die Pyramiden haben ja schon viele Reisende enttäuscht: zu viele Touristen, zu viele Einheimische, die für irgendetwas oder nichts „Bakschisch“ verlangen – und zu wenig Muße für die große Kunst der alten Ägypter. Auch bei den Lesern des amerikanischen Reisemagazins sorgte Gizeh für viel Frust – und in Kairo war es nicht besser: „furchtbarer Verkehr, überall Müll“, „penetrante Verkäufer und Bettler“, „gierige Guides“, „Einheimische, die verdächtige Dienste anbieten“ – und so weiter und so fort. „Kairo war ein Traumziel für uns und wurde vor Ort zu einem reinen Albtraum“, fasst es ein Leser zusammen.

Haben auch keinen guten Ruf: Taxifahrer in Kairo

Foto: getty images

Platz 6: Neu-Delhi, Indien

Vor allem die stickige Luft machte den Besuchern in der 14-Millionen-Einwohner-Stadt zu schaffen. „Ich brauchte drei Wochen, um mich davon zu erholen“, jammerte einer. Ein anderer berichtete, dass „Freunde abreisen mussten, weil Ärzte ihnen rieten, nach Hause zu fahren“. Doch mit der dicken Luft nicht genug: „Die Fahrer waren unverschämt“, „Sicherheit ist ein Problem, sofern man nicht mit den richtigen Leuten oder in einer geführten Gruppe unterwegs ist“. Ebenfalls unschön in Indiens Hauptstadt: „die Monster-Staus“ und die „mörderische Hitze im Sommer“.

Neu-Delhi – Monster-Staus und mörderische Hitze

Foto: getty images

Platz 5: Nairobi, Kenia

„Bei meinem Morgenlauf wurde ich von der Hotel-Polizei in einem Jeep eskortiert“, erzählt einer der Leser und macht damit das Hauptproblem von Kenias Kapitale anschaulich – ein sicherer Ort sieht wahrlich anders aus. Überfüllt und stickig sei die Stadt zudem, ein wahrer Moloch, mit dem „vermutlich schlimmsten Flughafen der Welt“. Doch zum Glück gäbe es Oasen wie das Karen Blixen Museum oder das Giraffen-Zentrum. Und vermutlich seien die meisten, die nach Nairobi kommen, ohnehin nur auf der Durchreise – nämlich auf dem Weg zu Safaris in den Nationalparks des Landes.

Straßenszene in Nairobi

Foto: getty images

Platz 4: Guatemala-Stadt, Guatemala

Sogar die Einheimischen würden sich hier vor der Kriminalität fürchten – käme es in der Millionenmetropole Guatemala-Stadt doch regelmäßig zu „Gewalt am hellichten Tag“. Zudem sei die Stadt „schmutzig und unfreundlich“, kurz: „kein guter Ort für Touristen“. Doch diese müssten hier nun mal durch, wollten sie etwa in das schöne Antigua oder zum Lago Atitlán, dem berühmten Aussteiger-Paradies auf 1600 Metern Höhe. Dann also: Augen auf und durch. Und wer den Bus nehmen muss, steige bitte bloß nicht in einen roten, so warnt das Auswärtige Amt, sondern besser in einen grünen („Transmetro“) oder blauen („Transurbano“), diese gelten als relativ sicher. Für Taxifahrten in der Stadt wird empfohlen, die gelben Taxis (Taxi amarillo) zu nutzen. Weitere Sicherheitshinweise finden Sie hier.

Nicht wirklich freundlich sieht auch der Tanz der 24 Teufel aus, der hier regelmäßig auf einem Volksfest aufgeführt wird

Foto: getty images

Platz 3: Guangzhou, China

„So nah zu Hong Kong“ – nämlich nur zwei Zugstunden entfernt – „und doch so weit weg“: Chinas drittgrößte Stadt entwickelte sich zu einem gigantischen Industrie- und Handelszentrum und hat offenbar auf dem Weg dorthin sämtlichen Charme für Touristen verloren. „Überfüllt, dreckig und umweltverschmutzt“, fasste ein Leser zusammen. Zwar gäbe es in Guangzhou, das einst Canton hieß, auch einiges zu sehen, wie den Tempel der Sechs Banyanbäume, doch die Spucke überall sei ziemlich eklig. Ein Plus indes: „Die einheimische Küche ist großartig“.

Straßenszene in Guangzhou, Chinas drittgrößter Metropole

Foto: getty images

Platz 2: Casablanca, Marokko

Viel wurde über das berühmte Filmzitat aus „Casablanca“ gerätselt: Warum nur sagt Humphrey Bogart alias Rick zur schönen Ingrid Bergman: „Ich schau dir in die Augen, Kleines?“ Wenn man die Urteile der Leser des „Condé Nast Traveler“ liest, wundert man sich darüber allerdings nur noch wenig und glaubt auch nicht an einen Übersetzungsfehler. Denn offenbar ist die Metropole Marokkos keiner weiteren Blicke würdig, weshalb Rick gut beraten war, seine ausschließlich auf Ilsa zu werfen. „Verkehrsstaus, schreiende Menschen“, „lästige Straßenverkäufer“, „heftige Extreme“ – kurz: Casablanca, die Stadt, ist eine reine Enttäuschung. Vor allem wohl für Cineasten.

Ziemlich das schönste in Casablanca: die Hassan-II-Moschee

Foto: getty images

Platz 1: Caracas, Venezuela

Caracas soll einmal ein fantastischer Ort gewesen sein, „freundlich und kosmopolitisch, aber in den letzten Jahren hat es sich zum schlechten gewandelt, mit steigender Kriminalität, Mangel an elementaren Gebrauchsgütern und einer niedrigen Lebensqualität.“ Sogar die Süßigkeiten würden in den Geschäften nur hinter Schloss und Riegel zum Verkauf angeboten. „Vielleicht wird es sich eines Tages verbessern“, übt sich ein Leser in Optimismus, „momentan aber ist Caracas kein Ziel für alle, die gern mit offenen Armen empfangen werden.“ Das sieht übrigens auch das Auswärtige Amt so und gibt auf seiner Seite zahlreiche Sicherheitshinweise für Venezuela und seine Hauptstadt.

Wurde zur unfreundlichsten Stadt der Welt gekürt: Caracas, Hauptstadt von Venezuela

Foto: getty images

Die freundlichsten Städte der Welt

Doch nicht nur die unfreundlichsten Städte wurden gewählt, sondern natürlich umgekehrt auch die freundlichsten. Im vergangenen Jahr teilten sich Melbourne (Australien) und Auckland (Neuseeland) den ersten Platz. Und so sieht es in diesem Jahr aus:

Platz 1: Sydney (Australien)

Platz 2: Dublin (Irland)

Platz 3: Queenstown (Neuseeland)

Platz 4: Krakau (Polen)

Platz 5: Brügge (Belgien)

Platz 6: Edinburg (Schottland)

Platz 7: Kyoto (Japan)

Platz 8: Budapest (Ungarn)

Platz 9: Auckland (Neuseeland)

Platz 10: Reykjavik (Island)

Sydney macht das Rennen in punkto Freundlichkeit

Foto: getty images

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