St. Helena – eine der entlegensten Inseln der Erde

Napoleons Verbannungsort wird Touristenziel

St. Helena liegt auf halbem Weg zwischen Afrika und Südamerika, entsprechend abgeschieden ist die Insel. Nun soll der einstige Verbannungsort Napoleons touristisch erschlossen werden. Dafür wurde unter größten Mühen ein Flughafen in die Felsen gesprengt.

Am Tag, an dem auf St. Helena die Neuzeit an die Pforte pochte, wehte eine stramme Brise vom Meer. Dennoch setzte der Südafrikaner Grant Brighton seine zweimotorige Beechcraft King Air 200 am 15. September sicher auf die Landebahn.

Er schrieb Geschichte. Denn mit der ersten Landung auf dem vor seiner Vollendung stehenden neuen Flughafen ist es mit der Abgeschiedenheit der Atlantikinsel schlagartig vorbei. 200 Jahre nach der Niederlage des französischen Kaisers Napoleon I. in Waterloo und seiner Verbannung nach St. Helena wurde eine der entlegensten Inseln dieser Erde plötzlich auf die Weltkarte des internationalen Tourismus gehoben.

Napoleon an seinem Verbannungsort auf St. Helena

Foto: Getty Images

Prompt nahm auch der „Lonely Planet“ das Eiland in die Top-10-Liste der Regionen auf, die aus dem Dornröschenschlaf erwachen. Denn obwohl viele den Namen kannten, wusste kaum einer so recht, wo genau St. Helena liegt. Wer die Insel besuchen wollte, musste eine beschwerliche und lange Postdampfer-Fahrt in Kauf nehmen, weil das britische Überseegebiet etwa auf halber Strecke zwischen Afrika und Lateinamerika im Südatlantik liegt: rund 2000 Kilometer von Angola im Osten, knapp 3000 bis Brasilien im Westen.

St. Helena liegt mitten im Atlantik, bis Angola sind es 2000 Kilometer, bis Brasilien rund 3000

Foto: Getty Images

Im Februar soll der Flughafen eröffnen

Seit ihrer Besiedlung im 16. Jahrhundert waren Versorgungsschiffe die einzige Verbindung der „Saints“ – so die Bezeichnung der Insulaner – mit dem Rest der Welt. Das ist nun anders. Seit vor vier Jahren der Bauauftrag für einen Verkehrsflughafen an eine südafrikanische Baufirma vergeben wurde, leisteten die 600 Arbeiter eine wahre Herkulesaufgabe. Sie mussten nicht nur tonnenschwere Felsen wegsprengen, sondern obendrein ein ganzes Tal auffüllen, um die 1950 Meter lange Landebahn bauen zu können.

Am 26. Februar 2016 soll die feierliche Übergabe stattfinden. Die British-Airways-Tochter Comair will dann mit einer Boeing 737-800 von Johannesburg aus wöchentlich einen fünfstündigen Flug nach St. Helena anbieten. Zudem plant die Fluglinie des in Hannover ansässigen Tui-Konzerns, Tuifly, ab Ostern von London aus regelmäßige Flüge im Auftrag der Atlantic Star Airlines auf die Insel. „Wir erwarten dadurch einen enormen Schub für den Tourismus“, sagt eine Mitarbeiterin des örtlichen Tourismusbüros in Jamestown. Doch es gibt auch warnende Stimmen.

Pläne für ein neues Hotel

„Die große, weite Welt hat nun auf dem Luftweg Zugang zum Abenteuer, dem historischen Erbe und der natürlichen Schönheit St. Helenas“, schrieb Insel-Ökonom Niall O'Keefe den „Saints“ ins Stammbuch. Auf der Online-Plattform der Insel gab er jedoch zu bedenken: „Es bleibt noch viel zu tun, um unsere Beherbergungs- und Tourismusindustrie in den kommenden Jahren zu entwickeln.“ Denn die wenigen Insel-Pensionen, die bisher für die gelegentlichen Gäste ausreichten, dürften künftig nicht mehr genügen. Schon gibt es daher Pläne für ein 32-Betten-Hotel.

Nicht nur per Schiff, auch auf dem Luftweg ist St. Helena bald zu erreichen. Die Atlantikinsel bekommt einen Flughafen

Foto: Jon Tonks/St Helena Tourism

Schwarze Basaltklippen, zerklüftete Felsformationen, üppig-grüne Vegetation: Es ist ein Paradies für Stadtflüchtlinge auf der Suche nach Ruhe. Jamestown, der Hauptort, zählt mit 1000 Einwohnern fast ein Viertel der Inselbevölkerung.

Jamestown ist die Inselhauptstadt. Im Hintergrund zu sehen: das Kreuzfahrtschiff MS  Amadea

Foto: Getty Images

Bei der Ankunft dürfen Reisende Wellen und Brandung nicht scheuen – vor St. Helena wird ausgebootet wie noch zu den Zeiten des entmachteten Franzosen-Kaisers, dessen letztes Domizil, das Longwood House, heute eine der Hauptattraktionen der Insel ist...

Im Longwood House auf St. Helena lebte Napoleon bis zum seinem Tod im Mai 1821

Foto: DPA

... ebenso wie sein Grab im Sane Valley.

Napoleons Grab befindet sich im Sane Valley

Foto: Getty Images

Entdeckt wurde St. Helena durch den portugiesischen Admiral João de Nova auf seiner Heimreise von Indien. Am 21. Mai 1502 kam er mit dem Schiff dort an, wo sich jetzt der Hauptort Jamestown befindet. Jahrelang war die Insel eine Zwischenstation für Seefahrer, um sich mit frischem Wasser und Früchten einzudecken. 1988 bekam die Insel eine eigene Verfassung, wird aber weiter von der britischen Regierung subventioniert.

Immerhin ist Königin Elizabeth II. Staatsoberhaupt. Ihr königlich-britisches Postschiff „St. Helena“, das bisher die Verbindung zur Außenwelt absicherte, wird nun außer Dienst gestellt.

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