Hohe Steuern auf Ferienjobs geplant

Gibt es bald keine Backpacker mehr in Australien?

Australien gilt für viele als das Backpacker-Paradies schlechthin: Neben endlosen Stränden findet man in Down Under auf einfachem Weg einen Nebenjob, mit dem man Aufenthalt und Weiterreise finanzieren kann. Bislang gab es für diese Jobs Steuerfreibetrag, doch das könnte sich ab Januar 2017 ändern. Geplant ist, dass Reisende mit einem „Working Holiday“-Visum ihren Verdienst ab dem ersten Dollar versteuern müssen.

Ob als Obstpflücker, Kellner oder Putzkraft im Hostel: Backpacker nehmen die verschiedensten Hilfsjobs an, um sich ihren Aufenthalt und die Weiterreise zu finanzieren. Eine Art Eldorado dieses „Work and Travel“-Prinzips ist Australien. Jährlich kommen hier Millionen junge Menschen aus aller Welt an, um auf Farmen und in Bars zu arbeiten.

Dank des speziellen „Working Holiday Visa“ ist es beispielsweise deutschen Reisenden möglich, bis zu 12 Monate vor Ort zu arbeiten und den Verdienst von maximal 18.200 Australischer Dollar (ca. 12.300 Euro) steuerfrei zu behalten. Doch genau das könnte sich bald ändern: Die Regierung stellte bereits im vergangenen Jahr ein Modell vor, bei dem Backpacker nicht mehr von dem national geltenden steuerlichen Freibetrag profitieren, sondern ihren Verdienst ab dem ersten Dollar versteuern sollen. Und das zu einem Steuersatz von 32,5 Prozent. Jemand, der also bislang in einer Woche umgerechnet 600 Euro beim Kirschenpflücken verdient hat, muss nun 195 Euro abgeben, es bleiben ihm 405 Euro.

Protest von Farmern und Tourismus-Industrie

Aufschrei gibt es vor allem von Seiten der Farmer und der Tourismus-Industrie. Sie befürchten einen generellen Rückgang von jungen Urlaubern, Farmer bangen um ihre Existenz. Denn trocken betrachtet sind die arbeitswilligen Backpacker – für die das Pflücken von Obst oder das Schrubben der Ställe und Traktoren zwar harte Arbeit, aber eben auch ein großes Abenteuer ist – in erster Linie eines: billige Hilfe.

Australien ist ein beliebtes Land für Traveller

Foto: Getty Images

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Eigentlich hatten sich Farmer und Industrie schon in Sicherheit gewogen, als die Regierung zurückruderte und die zum 1. Juli 2016 geplante Backpacker-Steuer nicht einführte, sondern erst einmal verschob. Doch nun wurde das Thema wieder aktuell, die Steuer ist nun für den 1. Januar 2017 im Gespräch.

Wie „Farmweekly.com“ in einem aktuellen Artikel schreibt, befürchtet die gemeinnützige Einrichtung Apple and Pear Australia Limited bei einem Rückgang von nur zehn Prozent der Backpacker in einigen Regionen schon Einbrüche bei der Obsternte. Firmenchef John Dollisson sagte gegenüber dem Online-Portal, es gebe schon Gerüchte, wonach die Backpacker ihren Aufenthalt in Australien nicht verlängern wollten – oder gar nicht mehr kommen wollten. „Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass Backpacker bereits Steuern zahlen – den gleichen Betrag, den ein Einheimischer auf dasselbe Einkommen zahlen würde“, so Dollisson. Und weiter: „Warum sollten wir sie also weniger fair behandeln, insbesondere wenn wir sie ermutigen wollen, nach Australien zu kommen?“

Unmut auch bei Urlauberin Louisa W., die während ihrer siebenmonatigen Reise nach Australien selbst diverse Hilfsjobs annahm, um sich ihren Aufenthalt zu finanzieren und unter anderem Kirschen pflückte, kellnerte und Apartments putzte. Gegenüber TRAVELBOOK sagte sie: „Eine zusätzliche Steuer wäre Ausbeutung. Die Working-Holiday-Kultur hat so viele Vorteile für Australien: Die Reisenden sind billige Arbeitskräfte und bringen viel zuvor angespartes Geld nach Australien. Kaum ein Australier würde für den geringen Lohn so hart arbeiten wie die Work-and-Traveler es tun. Eine weitere Steuer würde viele Work-and-Traveler dazu bringen, sich ein anderes Land, wie zum Beispiel Neuseeland oder Kanada, zu suchen.“

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Neuseeland als Alternative

Wie die öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft „ABC“ auf ihrer Webseite schreibt, befragte der Studien-Bereich der Monash University in Melbourne 355 internationale Backpacker, ob sie bei einem Steuersatz von 32,5 Prozent überhaupt nach Australien kämen, um zu arbeiten. 60 Prozenten antworteten mit „Nein“.

Außerdem würden 62 Prozent der Befragten in Betracht ziehen, nach Neuseeland auszuweichen – und das trotz eines niedrigeren Mindestlohn. Denn dieser liegt für Erwachsene seit dem 1. April 2016 in Neuseeland bei 15,25 Dollar (ca. 9,92 Euro), in Australien hingegen bei 17,70 Dollar (11,94 Euro).

Louisa W. sieht dennoch einen Vorteil in Neuseeland: „Auch wenn der Mindestlohn in Australien höher ist, finde ich die Arbeitsbedingungen in Neuseeland deutlich besser. In Australien merkt man, dass man für viele Arbeitgeber nur eine billige Hilfskraft ist. Der Umgang in Neuseeland ist familiärer und freundlicher.“

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