Tanna im Südpazifik

Auf dieser Südseeinsel ist der Mann der Queen ein Gott

Prinz Philip steht in Großbritannien oft im Schatten seiner berühmten Gemahlin, Königin Elizabeth II. Nicht so auf der Pazifikinsel Tanna – dort wird der Royal als Gottheit verehrt. Was sich hinter dem sogenannten Cargo-Kult verbirgt.

Prinz Philip, der Mann der englischen Königin Elizabeth II., hat unzählige Titel: Zum Beispiel ist er Duke of Edinburgh, Earl of Merioneth, und Achtung, festhalten, Grand Master and First and Principal Knight of the Most Excellent Order of the British Empire. Doch damit nicht genug, denn der Royal, der in Großbritannien oft genug im Schatten seiner berühmten Frau steht und bekannt dafür ist, in so manches Fettnäpfchen zu treten, wird auch noch als Gott verehrt, und zwar vom Stamm der Yaohnanen auf der Pazifikinsel Tanna, im Inselstaat Vanuatu.

Schwarzer Strand auf Tanna

Foto: dpa picture alliance

Obwohl Tanna und das Vereinigte Königreich mehr als 16.000 Kilometer voneinander entfernt liegen, glauben die Yaohnanen, die zu den Ni-Vanuatu, den Ureinwohnern der Region, gehören, vereinfacht gesagt, Prinz Philip sei der Sohn eines mächtigen Berggeistes, der die Insel verlassen habe, um eine mächtige Frau zu heiraten und eines Tages mit all seinem Reichtum nach Tanna zurückzukehren.

Für die Yaohnanen ist Prinz Philip eine Gottheit. Das Foto zeigt Albi Nagia bei seinem Treffen mit dem Royal 2007

Foto: dpa picture alliance

„Wir warten darauf, dass er zu uns zurückkehrt“, sagte bereits 2006 der damalige Stammesführer Jack Naiva der „Daily Mail“. „Wir werden ihm ein nettes kleines Haus bauen, er kann alle Diener haben, die er sich wünscht, und jeden Tag werden wir kommen und vor ihm niederknien, denn er ist unser wahrer Anführer.“ Naiva selbst hat das nicht mehr erlebt, er starb drei Jahre später.

Was auf den ersten Blick bizarr erscheint, ist Teil einer ganzen Reihe sogenannter Cargo-Kulte, die im Laufe des vergangenen Jahrhunderts besonders im Südsee-Raum entstanden, als Bewohner dieser Regionen zum ersten Mal auf Besucher aus der westlichen Welt trafen. Deren Technik, wie zum Beispiel Flugzeuge, muss ihnen derart übermenschlich erschienen sein, dass die Inselbewohner sie fortan als Gottheiten betrachteten. Auf Tanna beispielsweise waren während des Zweiten Weltkrieges US-amerikanische Soldaten stationiert, sodass hier schon vor dem Kult um Prinz Philip die sogenannte John-Frum-Bewegung entstand, zentriert um einen ranghohen schwarzen Soldaten. Hinzu kommt, dass Vanuatu erst 1980 von England bzw. Frankreich unabhängig wurde.

Ein Ni-Vanuatu, wie die Ureinwohner des Vanuatu-Archipels genannt werden, am Fuße des Vulkans Yasur auf Tanna

Foto: Getty Images

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Sowohl dieser ominöse John Frum als auch Prinz Philip seien also Berggeister und darüber hinaus noch Brüder, so glauben die Yaohnanen offenbar bis heute. Der Kult verstärkte sich in den 70er-Jahren noch erheblich, nachdem Prinz Philip gemeinsam mit der Queen das Vanuatu-Archipel, zu dem auch Tanna gehört, besucht hatte. Eine große Begrüßungszeremonie wurde abgehalten, bei der unzählige Kanus der königlichen Jacht Britannia entgegenpaddelten und ihr damit einen wahrhaft royalen Empfang bereiteten. In der „Daily Mail“ erinnerte sich Jack Vaina an dieses Ereignis: „Ich sah ihn dort an Deck stehen, in seiner weißen Uniform, und wusste, er ist der wahre Messias.“

In den darauffolgenden Jahren entstand eine Art Briefwechsel zwischen der einen Insel mit der anderen: Die Yaohnanen schickten Prinz Philip eine Nal-Nal, eine traditionelle Jagdkeule als Geschenk, er bedankte sich dafür mit mehreren Fotos seiner selbst – unter anderem einem, auf dem er eben diese Keule in der Hand hält. Auch schickte der britische Royal mehrere Tabakpfeifen. Die Bilder werden bis heute in der Hütte des Clanchefs aufbewahrt und von den Yaohnanen verehrt, die wohl tatsächlich hoffen, dass Prinz Philip eines Tages nach Tanna zurückkehrt – zum Beispiel, um seinen Lebensabend hier zu verbringen.

Einige mutige Yaohnanen-Männer wollten aber nicht so lange warten, und brachen so 2007 zu einer Reise in Vereinigte Königreich auf, auf der sie quasi als Höhepunkt hinter verschlossenen Türen tatsächlich auch ihren Gott trafen. Zu dieser Gruppe gehörte auch Albia Nagia.

Albi Nagia zeigt auf den Berg, von dem er glaubt, er sei das wahre Zuhause von Prinz Philips Geist

Foto: dpa picture alliance

Über dieses rührende Zusammentreffen entstand der fünfteilige Dokumentarfilm „Besuch aus der Südsee“. Ob sich Prinz Philip in seinem Alter – er ist 94 – noch einmal zu einem Gegenbesuch bequemt, ist unklar, aber auf Tanna wird er mit offenen Armen erwartet. 

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