Sonnenliegen-Verbot, Bars und Imbisse wurden abgerissen

Thailands Regierung macht alles platt an Phukets Stränden

Ein Bild der Verwüstung, das bietet sich derzeit Thailand-Touristen an den Stränden Phukets. Bereits vor anderthalb Jahren begann das Militärregime, das nach Ausschreitungen die Macht im Land übernommen hatte, die Strände zu räumen. Jetzt reißen Bagger erneut (illegale) Strandbuden ab. Auch Liegen und Sonnenschirme sind fast komplett verboten. Was Touristen und Hoteliers dazu sagen.

Es sind nicht nur die weißen, langen Strände und das kristallklare Wasser, das Touristen aus aller Welt an die Strände von Phuket lockt. Es ist auch die Lebensweise der Einheimischen und die lockere Atmosphäre, die hier herrscht. Tags und manchmal auch nachts verkaufen Händler Mini-Bananen, Mangos und frisch gegrillte Spieße am Strand, Frauen bieten spottbillige Fußmassagen auf der Sonnenliege an. Hinzu kommen Partys und zum Teil horrende Mengen an Alkohol, die an den zahlreichen umliegende Buden ausgeschenkt werden.

Dass ein Großteil der Buden nicht offiziell angemeldet und demnach illegal ist, und auch viele einheimische Verkäufer oder die Arbeiter aus den Nachbarländern kein Gewerbe betreiben, hat viele Jahre niemanden gestört. Doch mit dem Putsch 2014 und der seit August 2014 bestehenden Übergangsregierung, an deren Spitze ein Militär, General Prayut Chan-o-cha, steht, hat sich die Situation an den Stränden verändert.

So wurden auf Anordnung der Militärjunta bereits vor anderthalb Jahren die Strände „gesäubert“, zunächst in Phuket und schließlich auch im restlichen Land. Bei groß angelegten Aktionen wurden Bars, Restaurants, Souvenir-Shops und viele weitere Läden einfach abgerissen.

Jetzt hat das Militär erneut durchgegriffen und Ende April dieses Jahres auf Phuket buchstäblich alles platt gemacht, wie aktuelle Fotos zeigen. Wo früher Buden standen, liegt heute nur noch Schutt. Einheimischen und Touristen bietet sich ein Bild der Zerstörung, als hätte ein Sturm hier gewütet.

So sieht es derzeit am Surin Beach in Phuket aus

Foto: Tripadvisor

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Bis zuletzt hatten die die betroffenen Thailänder auf Gnade seitens der Regierung gehofft, hängt doch ihre Existenz an ihren kleinen Läden oder der Vermietung von Sonnenliegen. 30 von ihnen unterschrieben sogar noch Anfang April eine entsprechende Petition, wie die „Bangkok Post“ berichtet. Doch ohne Erfolg, am 20. April rückten die Bagger am Surin Beach an, zerstörten 36 Läden, es folgten Lepang und Layan. Insgesamt sollen 50 Strände geräumt werden, wie die Zeitung in einem späteren Artikel berichtet.

„Verschönerung der Strände“

Obwohl die Maßnahme auch der Bekämpfung der Korruption dienen soll, spricht man offiziell von einer Verschönerung der Strände bzw. davon, diese wieder in ihren natürlichen Zustand zu versetzen. „Endlich ist der Tag gekommen, auf den wir gewartet haben. Es ist Zeit, dass der Strand seine Schönheit zurückbekommt“, zitiert „phuketgazette.net“ Ma-ann Samran, Vorsitzender der lokalen Verwaltungsorganisation.

Auch Phukets Vize-Gouverneur Chokdee Amornwat wird zitiert: „Ich hörte, wie die Touristen sagten, wir würden die schönsten Orte Thailands zerstören. Ich wollte, dass sie wissen, dass in Wirklichkeit genau das Gegenteil der Fall ist. Diese Bauten sind illegal, da sie auf Grundstücken direkt am öffentlichen Strand gebaut wurden. Wir fordern das Land zurück, um Surins natürliche Schönheit wieder herzustellen.“

Den fassungslosen Touristen, die am 20. April live gesehen haben, wie die Läden am Surin Beach abgerissen worden sind, soll Chokdee laut „phuketgazette.net“ gesagt haben, nicht in Panik auszubrechen, und dass sie ihre Zeit weiterhin am Strand verbringen können – trotz Zerstörung.

So reagieren Urlauber und Hoteliers

Die Reaktion der Urlauber, die Phukets Strände lieben, ließ nicht lange auf sich warten. So berichtete ein User in einem vor zwei Wochen erstellten Posting auf Tripadvisor: „Nach allen schönen Bewertungen vom Strand haben wir hier sieben Tage verbracht. Schaut euch die Bilder an! Alle Beachclubs, Restaurants, Bars wurden abgerissen! Nun räumen die Bagger alles weg, und es herrscht Lärm den ganzen Tag, man kann sich null entspannen.“ Auch schreibt er, dass man sein eigenes Tuch oder seinen Schirm mitnehmen müsse.

Zehn-Prozent-Regel für Sonnenschirme

Grund dafür ist eine sogenannte Zehn-Prozent-Regel, die es bereits an einigen Stränden auf der thailändischen Insel gibt. Demnach dürfen nur auf einem ausgewiesenem Zehntel des Strandes Sonnenschirme stehen. Handtücher und Proviant müssen die Urlauber aber selbst mitbringen.

Viele der Strandbuden, in denen früher Verkäufer Essen und Souvenirs anboten, sind verschwunden

Foto: Tripadvisor

Auch interessant: Thailand schließt Urlauberinsel

Auch die Hotels sind machtlos gegen das Sonnenliegen-Verbot am Strand. Auf Nachfrage von TRAVELBOOK sagte eine Mitarbeiterin eines Hotels im Norden der Insel: „Uns ist es schon seit Jahren nicht erlaubt, Tische oder Sonnenschirme am Strand aufzustellen.“ Zwar hätte es auch schon Beschwerden von Gästen gegeben, doch ändern könne sie nichts, sei es doch eine Vorschrift der Regierung. Sich ein Handtuch an den Strand mitzunehmen, das sei aber erlaubt, so die Mitarbeiterin.

Aus einem anderen Hotel im Westen Phukets, das sich unweit des Surin Beachs befindet, weiß man ebenfalls um das Verbot. Weil man in Thailand kein Land besitzen, und demnach auch keinen Strandabschnitt für sich beanspruchen könne, werden hier die Liegen einfach auf dem Hotelgrundstück aufgestellt.

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ in einem aktuellen Artikel berichtet, gibt beispielsweise ein neu eröffnetes Hotel im Süden Phukets seinen Gästen Schirm und Badematten mit zum Strand. „Am Patong Beach, dem größten Strand der Insel, sowie an den Stränden Karon, Kata und Kamala wird dagegen penibel darauf geachtet, dass die Zehn-Prozent-Zonen eingehalten werden. Hotels geben dort keine Untensilien aus.“ Die Folge sollen überfüllte Liegen am Hotelpool sein.

Kleine Bars und Restaurants in Strandlage wie dieses gibt es in Phuket derzeit kaum noch

Foto: dpa Picture-Alliance

Dass derzeit Regenzeit auf der Insel herrscht und damit Nebensaison ist, könnte zumindest die Urlauber von Lärm und Dreck verschonen. Wenn es sie im Winter wieder an die Strände Thailands zieht, wer weiß, ob es bis dahin nicht neue Bars, Restaurants und andere Strandbuden gibt. Unterkriegen lassen sich die Thailänder so schnell nämlich nicht, das war auch schon bei der Räumungsaktion an den Stränden vor anderthalb Jahren so.

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